Bezirksgericht Bremgarten

Schizophrener bedroht Staatsanwalt nach Gewaltexzess – Therapie soll ihm helfen

(Symbolbild)

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Nach einem Streit hat ein Mann einen Kollegen spitalreif geschlagen. Im Verfahren ist ausgekommen, dass er schizophren ist.

Sechs Vorstrafen kassierte Angelo (Name geändert) bereits. Er fiel immer wieder durch Gewaltexzesse auf. Aber erst jetzt kam aus: Der Mann leidet unter einer akuten paranoiden Schizophrenie. Das Gericht nahm das vom Verteidiger bestellte Gutachten der Psychiater ernst. Es attestierte Angelo wegen seiner Krankheit Schuldunfähigkeit. Er muss also nicht ins Gefängnis, sondern wird therapiert.

Vor Gericht stand Angelo, weil er schwer alkoholisiert in einem Streit einen Kollegen spitalreif geschlagen hatte. Zudem versuchte er, eine Belastungszeugin mit mehreren Whatsapp-Nachrichten auf seine Seite zu ziehen. Sie solle beim Staatsanwalt schweigen, schrieb er ihr. Und Angelo bedrohte mit Videobotschaften den für den Fall zuständigen Staatsanwalt, mehrere Oberrichter und selbst seinen amtlichen Verteidiger aufs Heftigste. Man solle sie «im Wald aufhängen», erklärte Angelo per Video.

Ambulante Therapie angesagt

Der Staatsanwalt reagierte: Er liess Angelo verhaften. Seit 117 Tagen sitzt er nun in der Justizvollzugsanstalt – und das noch länger, bis die angeordnete ambulante Therapie eingesetzt werden kann.

Das erklärte Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf in der Urteilsbegründung. Angelo könne aber in der Zwischenzeit, sobald das Urteil rechtskräftig sei, den Antrag stellen, dass er übergangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werde. Ohnehin müsse Angelo auf Dauer auch daheim seine Finger vom Alkohol und von Drogen lassen und – endlich – eine Arbeitsstelle suchen, beschied ihm Isabelle Wipf. Das ambulante Setting müsse gut vorbereitet werden, wenn daraus ein Erfolg resultieren sollte. Die schweren Delikte dürften nicht verharmlost werden. «Es besteht eine erhebliche Rückfallgefahr.»

Eine halbe Flasche Whisky intus

Angelo führte aus, dass er vor der Schlägerei eine halbe Flasche Whisky getrunken habe und sich an keine Details erinnere – aber immerhin daran, dass er in Notwehr auf seinen Kontrahenten eingeschlagen habe, weil dieser in seinen Daumen gebissen habe und nicht loslassen wollte. Angelos Verteidiger baute die Notwehrthese in sein Plädoyer ein, der Staatsanwalt und das Gericht verwarfen sie, zumal die Zeugin und das Opfer den Vorfall anders geschildert hatten.

Die Whatsapp-Nachrichten habe er der Zeugin geschickt, «weil ich Angst vor dem Strafverfahren hatte», sagte Angelo. Dieser entschuldigte sich an der Gerichtsverhandlung beim Staatsanwalt, den er bedroht hatte. Beim Verteidiger habe er das bereits getan, meinte er.

Ambulante Therapie zweckmässig

Der Staatsanwalt hob an der Gerichtsverhandlung hervor, dass die Faustschläge, die Angelo austeilte, das Opfer lebensgefährlich hätten verletzen können. Deshalb müsse die Öffentlichkeit vor dem Täter geschützt werden. Die Staatsanwaltschaft habe deshalb darüber diskutiert, Angelo in eine stationäre Therapie zu schicken. Trotzdem beantrage er nun – nach einer Übergangszeit – eine ambulante Massnahme, weil sie «zweckmässig» sei.

Angelos Verteidiger wiederum hielt die Zeit für gekommen, seinen Mandanten aus der Haft zu entlassen – «entweder noch heute oder dann morgen». Mit der ambulanten Therapie und in einer «eingebetteten Situation» bestehe die Chance, dass sich Angelos Zustand verbessern könne.

Angelo selber zeigte im Schlusswort an der Gerichtsverhandlung Reue und beteuerte, dass er gewillt sei, alle Auflagen zu akzeptieren. Wenn es mit der ambulanten Therapie nicht klappe, müsse Angelo in eine Klinik eingewiesen werden, betonte die Gerichtspräsidentin am Schluss.

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