Wohlen

Schiffsmodell-Schaufahren: Schiff Ahoi trotz «Sturm in Sicht»

Bei Wind und Wetter zeigte sich am Schiffsmodell-Schaufahren in der Badi, wer ein richtiger Kapitän ist, und sein Schiff trotz Regen nicht kentern liess. Anwesend war auch der Vizeweltmeister Heinz Althaus.

Auf dem Deck der «Albatros» wird automatisch ein grosser Ballon aufgeblasen. Ein Matrose nähert sich ihm und sticht ihn kaputt.

Ein lauter Knall. Vor Schreck fällt ein bellender Hund vom Boot ins Wasser.

Plötzlich eine Explosion, vom Deck des Schiffes steigt Rauch auf, durch eine Falltür steigt ein Arbeiter hinauf, er hustet kräftig. Da wird das Rettungsboot ins Wasser gelassen – die Szenen stammen nicht etwa aus dem neusten Hollywood-Piratenfilm, sondern aus der Badi Wohlen.

Dort führte nämlich der amtierende Vize-Weltmeister im Schiffsmodellbau, Heinz Althaus, beim Schiffsmodell-Schaufahren die vielfältigen Funktionen seines Forschungsschiffes «Albatros» vor. Um ihn herum bildete sich bei der Vorführung eine Traube Schiffsmodellbauer und interessierter Gäste, die das ausgeklügelte Schauspiel auf dem Schiff bewundernd verfolgten.

«Mein Rezept zum Erfolg ist die Geduld», erklärte Althaus, der sich seinen Titel vor zwei Jahren in Ungarn holte.

Der Vize-Weltmeister hat rund 3000 Stunden an seinem Schiff gearbeitet, mit dem er an der Meisterschaft eine Viertelstunde Zeit hatte, alle Funktionen in bestimmter Reihenfolge vorzuführen. «Die lange Arbeit und die Geduld haben sich gelohnt. Aber Modellbau lohnt sich eigentlich immer», sagte er lächelnd.

Schiffe von oben nicht wasserfest

Der Präsident des Aargauischen Schiffsmodellbau-Klubs, Rolf Haldemann, zeigte sich erfreut, dass er den Vize-Weltmeister in Wohlen begrüssen durfte. «Das ist eines der diesjährigen Highlights», sagte er.

Definitiv kein Höhepunkt am zweitägigen Schaufahren war das Wetter: «Es ist schon fast eine Katastrophe. Wir hatten sogar mit Schnee zu kämpfen», bedauerte der Präsident. Das schlimmste am ständigen Regen sei, dass der Wasser-Kontakt von oben ihnen schaden würde.

«Da viele Boote oben aus Holz sind, vertragen sie den Regen nicht, das Holz würde aufquellen.» So bleibt bei schlechtem Wetter rund die Hälfte der Schiffe im Trockenen unter schützenden Blachen.

«Das ist natürlich sehr schade», findet Haldemann. Doch auch er hielt sein Schiff, die «Jeremiah O’Brien», im Trockenen.

Von den 100 bis 150 anwesenden Schiffen galt sie mit 3.84 Metern Länge und 250 Kilogramm Gewicht wie in den Vorjahren als grösstes Schiff in der Wohler Badi. «Wenn die Sonne einmal durchblickt, werde ich sie fahren lassen», versprach er. In diesem Jahr zeigte sich die «Jeremiah O’Brien» erstmals mit einem eigenen Pier. «Ich habe die letzten zwei Jahre daran gearbeitet», so Haldemann.

Dampfmaschine als Attraktion

Eine weitere Besonderheit am Schiffsmodell-Schaufahren bot der Wohler Stefan Koch mit seiner «Callia», die im Massstab 1:25 nachgebaut ist: «Die Dampfmaschine, die sich innerhalb des Schiffes befindet, entspricht exakt dem Original», erklärte er.

Bei den Zuschauern galt die «Callia» als Attraktion, viele fotografierten die aufwendige Dampfmaschine.

«Ich bin sehr stolz darauf», so Koch, «zumal ich nur 1150 Stunden daran arbeitete, das ist sehr schnell.» Auch bei den beiden grossen Becken spielte sich Spektakuläres ab: Dort zeigte sich, wer ein richtiger Kapitän ist, und sein Schiff sogar bei Wind und Wetter nicht kentern liess.

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