Wohlen

Schier endlose Diskussion um einen Landverkauf: «Können dort eine Stadtgeiss weiden lassen»

Weit über eine Stunde hat es gedauert, bis ein Landverkaufs-Geschäft unter Dach und Fach war. (Archiv)

Weit über eine Stunde hat es gedauert, bis ein Landverkaufs-Geschäft unter Dach und Fach war. (Archiv)

Der Einwohnerrat hat gestern zwei Landverkäufe und einen Nachtragskredit genehmigt sowie vom Legislaturprogramm des Gemeinderates Kenntnis genommen.

Das alte Angliker Sprützehüsli gehört bald der IBW Technik AG. Der Einwohnerrat Wohlen hat den Verkauf des 1931 erbauten Gebäudes mit einer Grundfläche von 82 m2 und etwas Umgelände (gesamthaft beträgt die Parzellengrösse 61 m2) einstimmig gutgeheissen. Die IBW Technik AG zahlt dafür mit knapp 50'000 Franken einen guten Preis, die Behandlung dieses Sachgeschäfts dauerte wenige Minuten.

Weit über eine Stunde hat es gedauert, bis ein weiteres Landverkaufs-Geschäft unter Dach und Fach war. Wie so oft im Wohler Parlament war zwar von Anfang an klar, dass die Veräusserung des 437 m2 grossen Grundstücks an der Bremgarterstrasse für den vom Gemeinderat ausgehandelten Preis von 165'550 Franken (Quadratmeterpreis 350 Franken) vom Einwohnerat genehmigt werden würde. Es war dann auch so: In der Schlussabstimmung hat das Parlament den Landverkauf mit 31:5 Stimmen genehmigt. Doch wie es bei Kleinstgeschäften oft passiert, zog sich die Debatte endlos hin.

Preis für CVP zu niedrig

Ausgelöst von der CVP-Fraktion: Sie war, wie einige Einwohnerräte aus anderen Parteien auch, mit dem Quadratmeterpreis nicht einverstanden und stellte bereits zu Beginn der Diskussion einen Rückweisungsantrag in Aussicht. Die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) hatte sich mit dem Landpreis auch auseinandergesetzt, war aber laut Sprecher Daniel Heinrich zum Schluss gekommen: «Wenn wir diese nicht erschliessbare, kleine Parzelle jetzt nicht hergeben, dann bleiben wir auf ewig darauf sitzen.» Klar für den Verkauf votierten auch die Fraktionen GLP/EVP, SP und Grüne, FDP/Anglikon waren fast einstimmig dafür, die SVP hatte Stimmfreigabe beschlossen. Josef Muff (SP) sorgte für den Brüller des Abends, als er erklärte, das kleine Grundstück lasse sich nicht alleine überbauen, sondern nur im Rahmen des dort geplanten grösseren Projekts und anfügte: «Wenn wir es behalten, können wir dort höchstens eine Stadtgeiss weiden lassen.»

Schliesslich stellte die CVP ihren Rückweisungsantrag und erlitt mit 9:25 Stimmen bei 2 Enthaltungen klar Schiffbruch. Doch sie gab nicht auf und stellte einen weiteren Antrag: Die Gemeinde müsse sich ein Vorverkaufsrecht sichern für den Fall, dass der Käufer die geplante Überbauung nicht realisiere und das Land weiterverkaufen wolle. Nach erneuter Diskussion wurde auch dieser Antrag mit 27:7 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Diese doppelte Abfuhr hat die CVP-Fraktion nun offenbar völlig aus der Fassung gebracht. Denn in der Schlussabstimmung votierte ihre grosse Mehrheit plötzlich für den Verkauf.

Viel Lob für den Gemeinderat

Ausser dem Landgeschäft Bremgarterstrasse ging die erste Einwohnerratssitzung nach der Sommerpause relativ zügig vonstatten. Der Gemeinderat konnte von allen Fraktionen viel Lob für sein Legislaturprogramm einheimsen. Es sei qualitativ deutlich besser als die bisher vorgelegten Legislaturprogramme, es sei gut strukturiert, ein Zeugnis von Nachhaltigkeit in allen Bereichen und zeige klar den Kurs auf, den der neue Gemeinderat einzuschlagen gedenke.

Mit 34:1 Stimmen bei 1 Enthaltung genehmigt wurde auch ein Nachtragskredit von 45'000 Franken. Damit wird eine ausgewiesene Fachkraft entlöhnt, die der Steuerverwaltung helfen wird, den Pendenzenberg abzutragen. Allgemein wurde zur Kenntnis genommen, dass dieser Verwaltungsbereich stark unterdotiert ist.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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