Region Bremgarten
Scheidende Spitex-Präsidentin: «Worte wären oft besser als Spritzen»

Erna Staub tritt nach zehn Jahren als Spitex-Präsidentin zurück. In dieser Zeit habe eine rasante Entwicklung stattgefunden.

Lukas Schumacher
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Erna Staub sagt nach zehn Jahren als Spitex-Präsidentin Adieu.

Erna Staub sagt nach zehn Jahren als Spitex-Präsidentin Adieu.

Lukas Schumacher

«Es passt jetzt», sagt die 76-jährige Erna Staub. Der Rücktritt nach zehn Jahren als Präsidentin der Spitex Bremgarten, Eggenwil und Zufikon komme zum richtigen Zeitpunkt. Zwei grosse Anliegen von Erna Staub gingen in den letzten Monaten in Erfüllung, was ihr den Spitex-Abschied Ende April sehr erleichtert: die Nachfolgeregelung und das gelöste Raumproblem. Neue Präsidentin wird die 45-jährige Nicole Graf, die wie Staub in Eggenwil wohnt und beruflich als Gesamtleiterin von sozialpädagogischen Wohngruppen für junge Frauen in Zürich arbeitet. Im Juli/August wird die Spitex-Zentrale zügeln und am Fliederweg in Bremgarten grössere, komfortable Räumlichkeiten beziehen.

Zur Person: Kanzlerin und Politikerin

Erna Staub war Gemeindeschreiberin in Eggenwil und Bellikon sowie Geschäftsführerin der reformierten Kirche Kanton Zug. Politisch war Erna Staub im Aargau als SP-Grossrätin und in Zug als Kantonsrätin tätig. Im Weiteren arbeitete sie im Vorstand der Spitex Zug und als Kirchenpflegepräsidentin der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen. Nach dem Rücktritt aus der Spitex Bremgarten engagiert sie sich weiterhin als Wanderleiterin bei Pro Senectute. (sl)

Anforderungen stark gestiegen

In Staubs zehnjähriger Präsidial-Zeit hat sich die Spitex-Organisation der Region Bremgarten enorm entwickelt. «Stark gestiegen sind sowohl die fachlichen und die administrativen Anforderungen an unser Personal als auch der Bedarf nach unseren Dienstleistungen», führt Erna Staub aus. Dass immer mehr ältere Leute möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben möchten, sei sehr verständlich, bedeute für die Spitex aber auch eine ständige Herausforderung. «Wir müssen vermehrt Einsätze an den Wochenenden, am Abend und in der Nacht leisten sowie Spezialaufgaben wie die Wundversorgung übernehmen.» Dazu brauche es genügend gut geschulte, verlässliche Mitarbeitende. Glücklicherweise verfüge die Spitex Bremgarten ein solch schlagkräftiges Team.

«Die zunehmend verlangte Professionalisierung, Effizienz und Qualitätsarbeit bei der Heimpflege habe auch Schattenseiten», sagt Erna Staub. «Mich ärgert enorm, dass unser Pflegepersonal in den Einsätzen ständig auf den Zeitmesser schielen muss.» Für eine Unterhaltung mit den Kundinnen und Kunden bleibe kaum Zeit. «Dabei wäre meiner Meinung ein kurzes Gespräch oft hilfreicher als manche verabreichte Spritze.»

«Aufwendiger und kostspieliger»

Als Erna Staub 2005 das Präsidium übernahm, wohnten im Spitex-Einsatzgebiet 11 500 Leute. Heute sind es 13 000. Nicht nur die Einwohnerzahl auch die Anforderungen, Vorschriften und Bedürfnisse der Leute haben sich verändert. Auch die Betriebsleitung der Spitex wurde verstärkt und das für die Pflege und die Haushilfe zuständige Team auf heute 18 Mitarbeitende erhöht. Sie leisteten letztes Jahr rund 9400 Einsatzstunden in der Krankenpflege und 3600 Stunden in der Haushilfe.

«Der ganze Spitex-Betrieb ist viel aufwendiger und kostspieliger geworden als vor zehn Jahren», merkt Erna Staub an. In der Tat haben sich die Ausgaben beinahe verdoppelt. 2005 lag der finanzielle Aufwand bei rund 750 000 Franken, 2014 betrug er 1,44 Millionen Franken. Bei der Mitfinanzierung werden die Gemeinden stärker zur Kasse geben. Vor zehn Jahren zahlten sie rund 200 000 Franken, 2014 waren es deutlich mehr als eine halbe Million.

Gescheitert und geglückt

Dass das Grossprojekt «Fusion mit der Spitex Kelleramt» 2013 scheiterte, hält Erna Staub im Rückblick «für keinen Beinbruch. Durch den Zusammenschluss wäre die Spitex nicht kostengünstiger geworden und der Synergieeffekt wäre bescheiden ausgefallen». Über das Scheitern der Fusion seien heute beide Seiten nicht unglücklich.

Geglückt hingegen ist die Suche nach einem neuen Domizil in Bremgarten. Der Spitex-Stützpunkt wird im Sommer ins Gebäude Fliederweg 1 vis-à-vis Restaurant Promenade verlegt. Die Ortsbürgergemeinde Bremgarten kaufte die dortige ehemalige Arztpraxis Binkert im Erdgeschoss sowie auch die Parterrewohnung neben der einstigen Praxis. Nach einem Innenumbau wird die Spitex das ganze Erdgeschoss belegen. Ihr steht dann eine Raumfläche von 250 m2 zur Verfügung. Heute sind es im viel zu eng gewordenen Stützpunkt an der Zugerstrasse bloss 150 m2.