Freiamt

Schafe zählen brachte keinen ruhigen Schlaf – Schafhalter erlebt die Strenge des Gesetzes

Eine Kontrolle durch den Veterinärdienst des Kantons Aargau auf der Weide ergab laut Anklage, dass die Schafe weder Zugang zu frischem Wasser hatten noch über einen Witterungsschutz verfügten. (Symbolbild)

Hat er Tiere vernachlässigt oder artgerecht gehalten? Ein Freiämter Schafhalter erlebt nach einer Kontrolle des Veterinärdienstes die Strenge des Gesetzes.

Es ging um 74 oder ungefähr 110 Schafe, das blieb unklar. Es ging um Wasser für die Tiere und um einen trockenen Unterstand, um Dreck im Fell, um Klauenpflege und Raufutter. Und vor allem darum, ob die Tiere auf einer Weide in Merenschwand Bestandteil einer Wanderherde waren oder eben nicht.

Simone Baumgartner, Präsidentin des Bezirksgerichts Muri, kam zum Schluss, dass es sich bei der eingezäunten Herde nicht um eine Wanderherde handelte, obwohl sie später zu einer solchen gesellt wurde. Deshalb wurde der Schafhalter wegen fehlenden Wassers und Unterstands zu 10 Tagessätzen à 70 Franken bedingt und zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. «Sie sind deshalb kein Tierquäler», betonte Baumgartner.

Eine Kontrolle durch den Veterinärdienst des Kantons Aargau auf der Weide ergab laut Anklage, dass die Schafe weder Zugang zu frischem Wasser hatten noch über einen Witterungsschutz verfügten. Vier Schafe hinkten, zwei weitere waren stark mit Kot im Fell verschmutzt. Die Lämmer hätten zudem kein geeignetes Raufutter zur Verfügung gehabt. «Ein Schaf scheisst hinten hinaus, das kann jeder sehen. Der Kot kann gar nicht bis vorne ans Fell gelangen», unterstrich hingegen der Verteidiger. «Und wenn sich ein Schaf entscheidet, sich in den Dreck eines Maushaufens zu legen, kann man als Schafhalter auch nichts dagegen machen.»

Überhaupt wies der Verteidiger die «Auswahlsendung der Anklage» zurück: Erstens habe es sich um den Teil einer Wanderherde gehandelt. Wanderherden brauchen, auch von Gesetzes wegen, weder frisches Wasser noch Unterstand, da sie genügend Flüssigkeit über das Gras aufnehmen und gewohnt sind, immer im Freien zu sein. Sie hätten einen Unterstand auch gar nicht genutzt, zeigte sich zudem der Schafhalter überzeugt. Die Einzäunung sei wegen der nahen Strasse notwendig gewesen und auch bei einer Wanderherde bei besonderen Bedingungen erlaubt, unterstrich der Verteidiger. Die Krankheiten der Tiere seien nachweislich behandelt worden. Die Behauptung des Kontrolleurs, die Schafe in einer sich bewegende Herde gezählt zu haben, sei «so was von daneben». Mit dem von ihm angegebenen Abstand von zwei bis drei Metern zu den Tieren habe er ebenso nicht erkennen können, ob die Klauen der hinkenden Schafe behandelt worden sind oder nicht, «ein starkes Stück». Und den Lämmern einer Wanderherde Heu zu füttern «dörfsch sowieso ned mache», die hätten in ihrem ganzen Leben noch nie einen Heuhalm gesehen. Der Kontrolleur habe offensichtlich keine Ahnung von Schafhaltung. Der Verteidiger verlangte deshalb die Einstellung des Verfahrens oder sonst für seinen Mandanten einen Freispruch in allen Punkten.

Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner stellte fest, dass sich der Schafhalter gut um seine Tiere kümmere, sich weiterbilde und regelmässig im Kontakt mit dem Tierarzt sei. Die vom Veterinärdienst vorgelegten «undeutlichen Bilder» würden als Beweismittel für Kotverschmutzung genauso nicht genügen wie für die behauptete mindere Qualität des Grases. Aber die eingezäunte Herde sei keine Wanderherde gewesen. Deshalb hätte der Schafhalter für frisches Wasser zweimal am Tag und für einen Unterstand sorgen müssen, auch wenn die Tiere das nicht angenommen hätten. «Die gesetzlichen Tierschutzvorschriften sind streng und können nicht frei ausgelegt werden.» Sie stufte das Verschulden allerdings als gering ein, kam aber nicht umhin, einen Schuldspruch wegen der fehlenden Tränkung und des nicht vorhandenen Unterstandes auszusprechen.

Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

Meistgesehen

Artboard 1