Aargauer Obergericht

Schafe vernachlässigt? Er sei kein Tierquäler, wehrt sich ein Bauer vor den Richtern

Der Landwirt muss eine Busse von 150 Franken bezahlen, bekommt aber keinen Eintrag wegen Tierquälerei, entschied das Obergericht. (Symbolbild)

Der Landwirt muss eine Busse von 150 Franken bezahlen, bekommt aber keinen Eintrag wegen Tierquälerei, entschied das Obergericht. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Muri hat einen 25-Jährigen wegen Vernachlässigung seiner Schafe verurteilt. Dieser zog das Urteil vor das Obergericht.

Der Vorwurf klingt happig: Der junge Landwirt habe sich der Tierquälerei schuldig gemacht, so das Fazit der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten. Weil er seine verletzten Schafe ungenügend gepflegt hätte, weil er seinen Schafen, die im Freien lebten, trotz Kälte und Nässe keinen Unterstand zur Verfügung gestellt hätte, weil er seine Tiere zu selten getränkt hätte. Wegen dieser angeblichen Vergehen, die ein Kontrolleur des Veterinärdiensts des Kantons Aargau im Dezember 2017 festgestellt hatte, verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen sowie einer Busse von 900 Franken. Der Landwirt liess diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen, rekurrierte gegen den Strafbefehl vor Bezirksgericht und bekam teilweise recht. Das Gericht sprach ihm vom Vorwurf, er hätte seine verletzten Tiere zu wenig gepflegt, frei, stimmte in anderen Punkten jedoch der Staatsanwaltschaft zu und verurteilte ihn noch zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen und einer Busse von 300 Franken. Auch das wollte der junge Landwirt nicht akzeptieren und wendete sich an das Aargauer Obergericht, das den Fall diese Woche behandelte.

Tierquäler oder ein besonders vorbildlicher Tierhalter?

«Es geht um meine Existenz», sagte der Landwirt vor Obergericht. «Ich bin noch jung, möchte etwas erreichen.» Was als Landwirt jedoch schwierig sei, wenn man für zehn Jahre im Strafregister als Tierquäler eingetragen sei. Auch sein Verteidiger betonte die Folgen, die das Urteil für seinen Mandanten haben könnte. «Als Tierquäler bezeichnet zu werden, ist für einen Tierhalter etwas vom Schlimmsten.» Und in diesem Fall sei diese Bezeichnung völlig ungerechtfertigt: «Das Verhalten des Beschuldigten war beispielhaft und keine Tierquälerei, wie der Kontrolleur festhielt.» Dieser hatte die Schafherde des Beschuldigten mit 83 Tieren am 28. Dezember kontrolliert und die angeblichen Missstände festgehalten. Dessen Kompetenz stellte der Verteidiger mehrmals in Frage. Der Kontrolleur habe nie selber Schafe gehalten und «ist bei der Kontrolle nicht einmal in der Lage gewesen, ein hinkendes Schaf einzufangen».

Dass es sich um Missstände handelte, bestreitet der Beschuldigte jedoch vehement. Denn es habe sich um eine Wanderherde gehalten, bei diesen Tieren würde anderes gelten als bei eingestallten Tieren. «Diese Schafe sind immer im Freien, sind sich auch kalte Verhältnisse gewohnt und dafür angepasst», führte der Verteidiger aus. Er verwies auf die Wolle der Tiere, auf ihr Fett unter der Haut. Gemäss gesetzlichen Bestimmungen müsse man für eine Wanderherde erst bei extremen Witterungsverhältnissen einen Unterstand bauen. Sprich, wenn es sehr kalt, nass und windig sei. «Ob es am Tag der Kontrolle windig war, hat die Staatsanwaltschaft nicht abgeklärt», führte der Verteidiger aus. Auch frisches Wasser würden Schafe einer Wanderherde nicht benötigen, dieses würden sie aus dem Gras aufnehmen, das zu 90 Prozent aus Wasser bestehe. Und dennoch habe der Beschuldigte jeden Abend einen Kübel mit Wasser hingestellt, führte der Verteidiger aus. Diesen hätte er am Morgen jeweils mitgenommen und gereinigt. Daraus hätten die Tiere allerdings gar nicht getrunken, sagte der Landwirt. «Ich habe nur wegen der Passanten Wasser hingestellt. Sonst habe ich nach einer halben Stunde den ersten besorgten Anrufer am Telefon.»

Landwirt muss Busse von 150 Franken bezahlen

Bezüglich Unterstand folgten die Richter den Ausführungen des Verteidigers und sprachen den jungen Landwirt vom Vorwurf der dauernden Weidehaltung von Schafen bei extremer Witterung, ohne Witterungsschutz und trocknen Liegeplatz frei. Jedoch wurde er wegen Vernachlässigung von Schafen schuldig gesprochen. Auch für Wanderherden würde das Tierschutzgesetz gelten. Zwar hätte der Beschuldigte den Schafen am Abend Wasser hingestellt, führte Gerichtspräsidentin Franziska Plüss aus. Dieses sei am Morgen jedoch zugefroren gewesen, womit die Schafe nur einmal am Tag Zugang zu Wasser gehabt hätten. Für die ungenügende Tränkung muss der Landwirt 150 Franken Busse zahlen und ein Fünftel der Gerichtskosten tragen. Der Eintrag wegen Tierquälerei wird im allerdings erspart. Denn dazu fehle von der Staatsanwaltschaft der Nachweis, dass das Wohlergehen der Tiere beeinträchtigt war, hielt die Gerichtspräsidentin in der Begründung fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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