Boswil

Schätze und Raritäten suchen neue Bleibe – Brockenhaus mit Hofladen-Flair wird im Sommer geräumt

Walti spielt inmitten seines Angebots in der «Brocantik» in Boswil gerne auch mal die Handorgel.

Walti spielt inmitten seines Angebots in der «Brocantik» in Boswil gerne auch mal die Handorgel.

Das Brockenhaus mit der «Selbstbedienungsabteilung» an der Boswiler Zentralstrasse wird bis im Sommer geräumt.

Der erste Eindruck täuscht: Was vor der Scheune eingangs Boswil nach angehäuftem Gerümpel aussieht, ist nur der öffentlich zugängliche Teil eines Brockenhauses, das im Innern viele Schätze und Raritäten aufweist. Im Sommer muss Betreiber Walti – «der Vorname genügt» – allerdings räumen. Deshalb ist jetzt Ausverkauf. «Und die Preise sind sowieso immer Verhandlungssache», bemerkt er, jetzt auf der Suche nach einem geeigneten neuen Standort möglichst im Freiamt oder gleich angrenzend. «Ein Altbau, eine Scheune, ein Lager, eine Garage, idealerweise, aber nicht zwingend am Strassenrand, wäre perfekt», sagt er. Und träumt sogar von einem Reparatur-Kafi, vielleicht zusammen mit Gleichgesinnten.

Vor der Scheune ist Selbstbedienung

Das «Brocantik» genannte Brockenhaus hat Walti von Gögg Meyer in Boswil vor knapp zwei Jahren übernommen. Vor der Scheune ist, wenn er nicht da ist, Selbstbedienung. Alle Sachen sind angeschrieben, das Geld legt man in eine Kasse, «wie in einem Hofladen». Die Erfahrungen sind gut, «auch wenn es ab und zu einen Lausbub gibt». Sicher hilft, dass Walti gross und deutlich auf eine am Gebäude angebrachte Videokamera hinweist. Und auf einem Schild mahnt: «200 Franken Busse».

Manchmal hat er am Morgen auch mehr, als er am Abend zurückgelassen hat. «Es kommt vor, dass jemand etwas deponiert, manchmal durchaus nützlich und wieder verkaufbar.» Dafür ist er dankbar, wünscht sich aber, dass gute Sachen am Samstag gebracht werden oder nach telefonischer Absprache. Der 71-Jährige führt das Brockenhaus in erster Linie aus Freude an alten Sachen, die er genauso zu Hause in Mellingen hortet. «Ich besitze auch alte Töffs und drei schöne alte englische Velos mit Sturmey-Archer-Dreigangschaltung», erzählt er, und man spürt seine Begeisterung für solche Objekte.

Selbst um Geschenkideen nicht verlegen

Oft sind es Leute auf der Durchfahrt, die kurz anhalten und das Sammelsurium alter Gegenstände begutachten. Oder die Frau, die partout nicht wusste, was sie ihrem Bruder zum 60. Geburtstag schenken sollte. Walti fand nach kurzem Gespräch eine Lösung: ein altes, hochwertiges Ölkännchen mit einem Oldtimer-Heftli. «Das Geschenk kam hervorragend an», erfuhr er im Nachhinein und freute sich mit der Kundin. Kürzlich sah er in der Trödelsendung «Bares für Rares», wie eine uralte Bleistiftspitzmaschine auf über 200 Euro geschätzt und verkauft wurde. «Bei mir steht genau die Gleiche, allerdings fehlt der Auffangbehälter für den Spitzabfall. Ich habe sie mit 45 Franken angeschrieben.» Verkaufen konnte er sie bislang nicht.

Auch wenn es bei Walti viel Verhandlungsspielraum gibt, bei einigen wenigen Dingen beisst man auf Granit. «Dieses Wisa-Gloria-Trottinett», zeigt er auf ein Beispiel, «kostet 100 Franken, weil es das einfach mindestens wert ist. Da gehe ich nicht darunter.»

Das Angebot in seiner «Brocantik» ist riesig und fast unüberschaubar: Da findet man Puppen genauso wie Blumenübertöpfe, alte Handwerkzeuge oder Rohrschellen, Velos, Kickboards, Rostblech und Chromstahltopf, Teller, Messer, Gabel, Gefässe aller Art, Bilder oder Spielsachen, Skulpturen, Instrumente, Lampen – nur grosse Möbelstücke stehen keine herum. «Dafür habe ich keinen Platz», sagt der leutselige ehemalige Fahrlehrer, der gerne mal einem Kunden mit der Handorgel ein Ständchen gibt. Er steht aber in Kontakt mit anderen Händlern, kann schon mal etwas vermitteln oder weitergeben. Im Internet findet man ihn und sein Angebot nicht. «Das lasse ich sein, ich liebe den persönlichen Kontakt zu den Leuten.» Diesen knüpft man am besten dienstags bis samstags von 9 bis 12 Uhr an der Zentralstrasse in Boswil und über Telefon 0762666028. «Gerne auch», unterstreicht Walti, «wenn jemand eine gute Alternative zum heutigen Standort zur Vermietung feil hat.»

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