Gross, weiss und silbrigglänzend eingerahmt ragt sie über dem Ruedistetter Dorfplatz auf: die Filmleinwand. «Jeee, Kinooo!», rufen zwei Primarschüler, die auf ihrem Schulweg daran vorbeizotteln. Es ist bereits das 20. Mal, dass bekannte, sogar preisgekrönte Filme mitten im kleinen Dorf unter freiem Himmel zum Staunen und Popcornessen einladen. Auch nach 20 Jahren ist die Faszination nicht verflogen. «Der erste Film war ‹...denn sie wissen nicht, was sie tun› mit James Dean. Genau so ist es mir auch vorgekommen: Wir hatten keine Ahnung, was wir taten, aber es kam gut», erzählt Initiant und Ehrenpräsident Urs Schweizer schmunzelnd. Die Geschichten, die er in den 20 Jahren erlebt hat, bringen ihn noch heute zum Lachen.

Geld auch für Filmschaffende

Am Anfang stand ein Problem: Der Turnverein TSV Rudolfstetten hatte zu wenig Geld. «Wir haben jahrelang die Fasnacht organisiert und so Geld eingenommen. Aber die Fasnacht im Dorf war tot. Da kam mir die Idee mit dem Open-Air-Kino.» Damals quasi ein Familienprojekt: «Ich habe fast alles alleine gemacht, wurde aber von meiner Familie unterstützt. Ich weiss noch, mein jüngster Sohn verkaufte die Billette damals noch mit dem Töffli.» Zwei Jahre führte der TSV das Kino, danach wurde ein eigener Verein gegründet. Der TSV und Volley Mutschellen führen heute noch Bar und Beizli und versorgen die Zuschauer mit Getränken, Grilladen und Raclette, aber auch mit mietbaren Wolldecken.

Im ersten Jahr waren es drei Filme, die aber bereits über 1000 Zuschauer anlockten. Schon bald wurde der Event vergrössert, sodass er, wie auch dieses Jahr, acht Filme zeigen konnte. 2009 waren gar 3000 Leute an den Vorstellungen. Vor allem die Schweizer Filme waren immer Publikumsmagnete. «Uns war es wichtig, dass wir auch Schauspieler, Regisseure und andere an den Filmen Beteiligte auf Platz haben», so Urs Schweizer. Dies schaffte er mit dem Argument, dass 50 Prozent des Reingewinns an die Schweizer Filmbranche zurückgegeben werden. «Meistens unterstützen wir die Filmhochschule Zürich, das schätzen die Filmleute natürlich.» An einer kleinen Wall of Fame am Dorfplatz sind Handabdrücke verschiedener Schweizer Filmgrössen zu sehen.

Die Vorband zum Film

Doch nicht nur Filmgrössen waren da. Zum 10-Jahr-Jubiläum zeigten sie «Shine a light» über die Rolling Stones. «Da ich wusste, dass 1967 die Sauterelles als Vorband der Stones im Hallenstadion gespielt haben, fragte ich an, ob sie auch bei uns als Vorband der Stones auftreten wollten. Sie sagten zu.» Da das ein solcher Erfolg war und es mittlerweile auch ein Dokumentarfilm über das Jubiläumskonzert der Sauterelles in Liverpool gibt – an dem Urs Schweizer nebenbei als Manager mitbeteiligt ist – werden am Jubiläumsabend erneut die Altrocker vor, aber auch auf der Leinwand zu sehen und zu hören sein.

Die speziellen Ideen sind ein Markenzeichen des «Kino uf em Dorfplatz». «Beispielsweise waren wir die Allerersten, die einen Stummfilm mit Live-Orchester zeigten. Dafür haben wir ein Orchester aus Musikstudenten zusammengestellt, die auch die Musik extra komponierten», erinnert sich Schweizer stolz.

Sonntag für die ganze Familie

Vor neun Jahren hat Stefan Meienberg das Zepter übernommen. Auch er und sein Team legen viel Wert auf spezielle Ideen. So wird es neben dem Schweizerfilmabend und dem Jubiläumsabend auch einen Familiensonntag geben, bei dem es ab 11 Uhr Brunch, Burger-Plausch, die Kinderfilme «Die chli Häx» und «Ferdinand» sowie verschiedene Angebote für die ganze Familie gibt. Die Filme werden in der abgedunkelten Turnhalle gezeigt.

«Vor der Kinowoche ist es immer stressig und wir fragen uns auch mal, wofür wir das alles machen», ist Meienberg ehrlich. «Aber ich weiss, wenn sich die Leute im Kino freuen und die Spezialvorstellungen gut ankommen, sind wir so glücklich, dass wir das auch nächstes Jahr gern wieder machen.»