Sarmenstorf
Nach langem Hin und Her: Der Lindenplatz wird für 500'000 Franken saniert und aufgewertet

Sarmenstorf sagt Ja zu allem: Das Projekt Lindenplatz darf nach zweimaliger Überarbeitung endlich umgesetzt werden, das Pilotprojekt Offene Jugendarbeit wird eingeführt, das Grundwasserpumpwerk verkauft und der Gemeinderat erhält deutlich mehr Lohn. In Rekordzeit von 2,5 Stunden rasten die 122 Stimmberechtigten an der Gmeind durch elf Traktanden.

Andrea Weibel
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Der Lindenplatz darf für 500'000 Franken umgestaltet werden. Die linke Linde, eine Sommerlinde, kann gerettet werden, die rechte, eine Winterlinde, wurde durch das viele Parkieren jedoch zu stark beschädigt und muss ersetzt werden.

Der Lindenplatz darf für 500'000 Franken umgestaltet werden. Die linke Linde, eine Sommerlinde, kann gerettet werden, die rechte, eine Winterlinde, wurde durch das viele Parkieren jedoch zu stark beschädigt und muss ersetzt werden.

Alfred Gassmann (9.11.2020)

Man kann es nicht anders sagen: Die 122 stimmberechtigten Sarmenstorferinnen und Sarmenstorfer, die am Freitagabend die Gemeindeversammlung besuchten, nickten sämtliche Traktanden ab. Der Gemeinderat hat sich gut vorbereitet und die elf Traktanden verständlich erklärt.

Es mag darauf zurückzuführen sein, dass lediglich bei drei Traktanden überhaupt irgendein Votum aus der Versammlung kam, bevor sie grossmehrheitlich oder gar einstimmig angenommen wurden. Das Skirennen in Lake Louis konnte nicht der Grund sein, weshalb alle so rasch wie möglich nach Hause wollten, denn das war schon vor Sitzungsbeginn abgesagt worden.

Das Traktandum, das am meisten Diskussion versprach, war die Sanierung und Neugestaltung des Lindenplatzes, des grössten und wichtigsten Platzes im Dorf. An den Wintergmeinden 2018 und 2020 sind bereits Projekte dafür abgelehnt worden. Beim ersten Projekt war die Rede von einem unterirdischen Parkhaus oder, ohne dieses, von Kosten von 400'000 Franken. Beim zweiten war das Parkhaus vom Tisch, doch die Kosten waren auf 757'000 Franken angestiegen.

Nun hat sich eine Kommission, bestehend aus unterschiedlichen Interessengruppen, mit dem Gemeinderat und Planern ein neues Projekt ausgedacht. Zusammengefasst: Es gibt ein Parkierungskonzept samt Kurz- und Langzeitparkfeldern, die Glas- und Büchsensammelstelle wird zum Werkhof verlegt und der vordere Teil des Platzes, der sich unter den beiden grossen Linden befindet, soll zur Begegnungszone mit neuen Sitzgelegenheiten werden.

Ausserdem machte Gemeindeammann Meinrad Baur darauf aufmerksam, dass Experten sich die beiden Bäume – eine Sommer- und eine Winterlinde – angeschaut haben. Der Sommerlinde geht es gut, doch die Winterlinde wird aufgrund der starken Bodenbelastung, der sie durch jahrzehntelanges Parkieren von Autos ausgesetzt war, wohl gefällt und ersetzt werden müssen.

Um die Bäume zu schützen, sollen vermutlich auch die Rundbänke um sie herum, deren Betonsockel die Wurzeln beschädigen, entfernt werden. Dagegen wehrte sich ein Einwohner. Die Bänke seien vor etwa 40 Jahren vom Verkehrs- und Verschönerungsverein erstellt worden und noch immer in einem Topzustand. Das sollte doch geehrt werden. Baur hatte Verständnis für den Einwand, verwies jedoch auf die Baumexperten.

Auf eine andere Frage konnte der Ammann versichern, dass die Begegnungszone auch rollstuhl- und kinderwagentauglich gebaut werde. Nach wenigen Minuten der Diskussion wurde das Traktandum Lindenplatz grossmehrheitlich angenommen.

Jugendliche benützen den Linienbus als Aufenthaltsort

Das zweite Thema, zu dem die eine oder andere Frage gestellt wurde, ist das neue Pilotprojekt Offene Jugendarbeit. Gemeinsam mit Bettwil, Fahrwangen und Meisterschwanden soll eine dreijährige Pilotphase durchgeführt werden. Hierbei soll eine Begleitgruppe, bestehend aus Gemeinderäten aller vier Dörfer, am Ende einen Bericht liefern, ob sich die Arbeit lohnt oder nicht.

Gemeinderat Matthias Fricker hielt fest: «Heute haben gerade Jugendliche keine Möglichkeiten, sich abends irgendwo zu treffen, wo sie nichts konsumieren müssen. Überall werden sie aufgrund von Lärmbelästigung weggewiesen.» Halb lachend fügte er hinzu:

«Was mich persönlich erstaunt hat: In der kalten Jahreszeit scheinen sie oft den Linienbus als Aufenthaltsort zu nutzen, indem sie nach Wohlen und zurück fahren.»

Aus der Versammlung kam die Frage, wie man garantieren wolle, dass mit der Einführung der Offenen Jugendarbeit keine Lärmbelästigung mehr stattfinde. Fricker erklärte, dass das natürlich nicht garantiert werden könne. Und die Jugendlichen würden ja nicht gezwungen, die Angebote der Offenen Jugendarbeit zu besuchen. Doch aus den Erfahrungen der umliegenden Gemeinden könne man sehen, dass sich diese Arbeit sehr lohne. Auch dieses Traktandum wurde grossmehrheitlich angenommen.

Vizeammann Matthias Baur wurde herzlich verabschiedet

Ebenso erhalten die Gemeinderäte nun deutlich mehr Lohn: Der Gemeindeammann erhält neu 15'000 (bisher 8000) Franken jährlich, der Vizeammann 12'000 (6000) Franken und die übrigen Gemeinderäte 11'000 (5000) Franken. Ausserdem haben sie weitere 60'000 Franken zur Verfügung, die prozentual nach geleisteten Arbeitsstunden auf sie verteilt werden. Anders ausgedrückt: Die Gesamtbesoldung des Gemeinderats wurde von 90'000 auf 120'000 Franken erhöht. Dies auch, weil der Gemeinderat ab 2022 die Aufgaben der Schulpflege übernehmen muss.

Die weiteren Beschlüsse: Für 250'000 Franken wird das Grundwasserpumpwerk Moosmatten an Bettwil verkauft. Die Gemeinde hat sich einverstanden erklärt, dem Ringschlussprojekt «Wasser 2035» beizutreten. Für 275’000 Franken werden 850 Wasserzähler im Dorf ersetzt. Das Budget wurde genehmigt. Und für 175’000 Franken dürfen neue Laptops und Tablets für die Primarschule und den Kindergarten angeschafft werden. Auch das letzte Thema löste einige Fragen aus, die allerdings schnell beantwortet werden konnten.

Dieses herzige Bild zierte 2013 die AZ, als der abtretende Sarmenstorfer Vizeammann Matthias Baur mit 26 Jahren als jüngster Freiämter Gemeinderatskandidat antrat.

Dieses herzige Bild zierte 2013 die AZ, als der abtretende Sarmenstorfer Vizeammann Matthias Baur mit 26 Jahren als jüngster Freiämter Gemeinderatskandidat antrat.

Toni Widmer (15.8.2013)

Zum Schluss wurde neben der Schulpflege und anderen Funktionären vor allem der abtretende Vizeammann Matthias Baur verabschiedet. Er war vor zwei Amtsperioden als 26-Jähriger der jüngste Freiämter Gemeinderat. Mit herzlichen Worten wurde er von Ammann Meinrad Baur verabschiedet. Ein ganz besonderer Dank galt allerdings auch dem Hauswart der Schulanlagen, Paolo Baldelli, der nach 35 Jahren in den verdienten Ruhestand geht.

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