Meisterschwanden
Sanitäter retten alle Passagiere der «Seetal»

Der Kanton Aargau wünscht sich professionell ausgebildete Einsatzleiter Sanität. Heute ist die Regelung noch so, dass die Besatzung der ersten Ambulanz am Unfallort die Einsatzleitung übernehmen muss. Eine Übung in Meisterschwanden klappte.

Fabian Hägler
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Lagebesprechung vor der Übung
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Das Szenario: Auf dem Kursschiff «Seetal» gab es eine Explosion, an Bord ist Feuer ausgebrochen, auf dem Oberdeck liegen Verletzte
Die Frauen des lokalen Samaritervereins spielen die Verletzten
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Wasserrettung auf dem Schiff Seetal
Eine «verletzte» Frau am Boden.
Die Verletzten, die noch gehen können, werden vom Schiff geleitet
Die Verletzten, die noch gehen können, werden vom Schiff geleitet
Die Verletzten, die noch gehen können, werden vom Schiff geleitet
Wasserrettungsübung auf dem Schiff Seetal
Mit vereinten Kräften wird eine «verletzte» Frau vom Hallwilerseeschiff getragen.
Alles hat geklappt

Lagebesprechung vor der Übung

Sandra Ardizzone

Das Szenario klingt dramatisch: Auf dem Kursschiff «Seetal» gab es eine Explosion, an Bord ist Feuer ausgebrochen, auf dem Oberdeck liegen Verletzte – zum Glück ist das Ganze nur eine Übung und das Schiff liegt sicher am Anlegeplatz beim Restaurant Delphin in Meisterschwanden.

Dennoch sind die Rettungskräfte gefordert, dafür sorgen die Frauen des lokalen Samaritervereins, die Verletzte spielen. Da gibt es die Bewusstlose, die mit Kopfverletzungen auf dem Oberdeck liegt, die Verwirrte, die auf dem Schiff herumstolpert und ihre Kolleginnen sucht, die Verzweifelte, die über Schmerzen in der Brust klagt, die Ungeduldige, die sofort behandelt werden möchte, und die Schwerverletzte, die am unteren Ende der Treppe gefunden wird.

Die beiden Rettungssanitäter, die als Erste am Unfallort eintreffen, lassen sich vom Geschrei der Verletzten nicht beirren. Ruhig und ohne Hektik bewegen sie sich durch das Schiff, machen sich ein Bild vom Zustand der Patienten und fordern dann in Zusammenarbeit mit dem Einsatzleiter Sanität Verstärkung an. Nach und nach treffen weitere Teams beim Schiff ein, die sich um die Verletzten kümmern. Die Bewusstlose und die Schwerverletzte werden mit Rettungsbrettern abtransportiert, ein Sanitäter setzt die Verwirrte auf einen Stuhl und führt sie nachher vom Schiff, ein anderer untersucht die Verzweifelte.

Bei einem Ernstfall hätten Journalisten keinen Zutritt zum Unglücksschiff, bei der Übung lässt sich die Arbeit der Rettungskräfte hautnah verfolgen. Für den unbeteiligten Beobachter wirkt ihr Einsatz professionell – obwohl nicht immer klar ist, wer den Einsatz leitet, den Überblick über den Zustand der Verletzten hat und die neu eintreffenden Kollegen einweist. «Tatsächlich ist die Regelung heute so, dass die Besatzung der ersten Ambulanz, die am Unglücksort eintrifft, die Einsatzleitung für die Sanität übernehmen muss», sagt Heini Erne von der kantonalen Fachstelle Rettungs- und Katastrophenwesen. Eine neue Gesetzesvorlage, die professionelle Einsatzleiter Sanität vorsah, hat der Grosse Rat im Januar zurückgewiesen. «Wir hoffen, dass das Parlament im zweiten Anlauf zustimmt», sagt Erne.

Solange keine speziell ausgebildeten Profis zur Verfügung stehen, muss jeder Rettungssanitäter im Notfall einen Einsatz leiten können. Bei der Evakuierung der Verletzten von der «Seetal» haben sie diese Aufgabe gut gelöst, findet Übungsleiter Sascha Salm. «Nach rund 30 Minuten waren alle Patienten vom Schiff, die Zusammenarbeit der einzelnen Teams hat gut geklappt», sagt er an der Übungsbesprechung. Salm mahnt seine Kollegen, bei Grossereignissen immer genügend Rettungskräfte aufzubieten. «Es ist besser, wenn eine Ambulanz am Ende nur einen Leichtverletzten mitnimmt, als wenn zu wenige Fahrzeuge vorhanden sind und ein Schwerverletzter eine halbe Stunde warten muss.»