Muri
Sanierung wegen Asbest: Alle Mieter erhalten Kündigung

Die Aargauische Gebäudeversicherung als Besitzerin an der Klosterfeldfeldstrasse 33/35/37 muss die Gebäude total sanieren. Die Bewohner erhalten die Kündigung per Ende September. Die Sanierung wird voraussichtlich ein Jahr dauern.

Eddy Schambron
Merken
Drucken
Teilen
Die Liegenschaft Klosterfeldstrasse 33 bis 37 muss saniert werden. Weil Asbest verbaut wurde, kann dies nicht im bewohnten Zustand geschehen.

Die Liegenschaft Klosterfeldstrasse 33 bis 37 muss saniert werden. Weil Asbest verbaut wurde, kann dies nicht im bewohnten Zustand geschehen.

Eddy Schambrpn

Schlechte Nachrichten für die Mieterinnen und Mieter von gut 30 Wohnungen an der Klosterfeldstrasse 33 bis 37 in Muri: Sie müssen ausziehen, weil die Sanierung der Liegenschaft wegen asbesthaltigen Bausubstanzen nicht im bewohnten Zustand erfolgen kann. Die jetzigen Bewohner erhalten die Kündigung per 30. September, wie die Besitzerin, die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV), in einer Mitteilung festhält. «Für uns ist das ein Schock», sagt Emma Welti. Sie bewohnt eine Parterrewohnung und hat bereits ihren Garten bestellt. «Es ist sehr schade, dass wir raus müssen. Ich habe hier auch tolle Nachbarn, wir haben ein gutes Verhältnis im Haus.»

Die Liegenschaft an der Klosterfeldstrasse 33/35/37 in Muri wurde 1979/83 erbaut und 1984 von der AGV erworben. Aufgrund von wiederkehrenden Wasserschäden durch Rohrleitungsbrüche war für 2016 seit längerem eine Innensanierung inklusive Wasserleitungen in bewohntem Zustand geplant, wie die AGV festhält. Um an die Rohrleitungen zu gelangen, müssen Küchen wie Badezimmer zurückgebaut werden. Der mit der Projektausarbeitung beauftragte Architekt äusserte im November 2015 den Verdacht auf Asbest; Abklärungen und Schadstoffanalysen durch spezialisierte Firmen schlossen sämtliche Zweifel aus: Das Mehrfamilienhaus muss entgegen der ursprünglichen Planung zusätzlich asbestsaniert werden.

Wesentlich teurer

Wie teuer die Sanierung kommen wird, kann Christina Troglia, Generalsekretärin der AGV, heute noch nicht sagen. «Sie wird sicher teurer, als wir gedacht haben.» Auch bedauert sie, dass den Mietern gekündigt werden muss. «Normalerweise sanieren wir immer im bewohnten Zustand, sodass die Mieterinnen und Mieter bleiben können. Das ist in diesem Fall leider nicht möglich.» Reaktionen aus der Mieterschaft sind bisher bei der AGV nicht eingegangen. «Wir werden sie an einer eigens einberufenen Informationsveranstaltung umfassend informieren.» Die Sanierung ist für Herbst 2016 geplant und wird zirka ein Jahr dauern.

Unterstützung zugesichert

Die Mieter erhalten die Kündigung per 30. September. Während der sechsmonatigen Kündigungsfrist können die Betroffenen innerhalb von zwei Wochen jederzeit ausziehen. Auf Wunsch bietet die AGV im Rahmen ihrer Möglichkeiten und in Zusammenarbeit mit der Realit Treuhand AG bei der Wohnungssuche Unterstützung an. «Wie viele in Muri selber wieder eine Wohnung finden werden, ist schwierig zu sagen», erklärt Troglia. Eine Rückkehr nach der Sanierung ist grundsätzlich möglich. «Bisherige Mieter würden bevorzugt behandelt. Mit der Sanierung wird der Mietzins allerdings angepasst.»

Asbest wurde wegen sehr guten physikalischen Eigenschaften in Industrie und Technik bis zum Verbot 1989 häufig eingesetzt. In älteren Häusern finden sich bis heute Bestandteile, beispielsweise in Form von Fliesenkleber, Fugenmaterial und Brandschutzfolien oder Wärmeisolationen. So auch in Muri an der Klosterfeldstrasse mit Baujahr 1979/83. Asbest ist unproblematisch, solange die Bausubstanz nicht angegriffen oder bearbeitet wird; Schadstoffe werden erst bei Sanierungen oder Abbrucharbeiten frei. Im bewohnten Zustand ist die Gesundheit der Bewohner nicht gefährdet.