Die Schweizer Briefmarke feiert heute, am 1. März, den 175. Geburtstag. Trotz Digitalisierung und E-Mail-Flut ist sie nach wie vor tief in den Herzen von Herr und Frau Schweizer veranker. Auch bei jungen Menschen, verdeutlicht das Auktionshaus Rapp in einer Online-Ausstellung. Dort spricht in einer Videoreportage auch Briefmarkensammler Rolf Hauser aus Oberwil-Lieli von seiner Leidenschaft.

Die Schweiz war am 1. März 1843 nach Grossbritannien das erste Land, das Briefmarken herausgab. Die Lust auf Briefmarken ist seither ungebrochen hoch. Das bestätigt auch die Strassenumfrage im Rahmen der eingangs erwähnten Ausstellung und das sagt auch Rolf Hauser aus Oberwil-Lieli, der dort in einem Video zu Wort kommt. Hauser gehört zu den passioniertesten Schweizer Briefmarkensammlern.

Aus der Schweiz nach Indien

Der gebürtige Stäfner brauchte zwei Anläufe, bis ihn der Briefmarken-Virus vollends infizierte. Er sammelte schon als Jugendlicher, machte dann aber eine längere Pause. Vor 15 Jahren hat es ihn dann aber so richtig gepackt. Er konnte einen Brief kaufen, der nach Stäfa adressiert war. Zu Stäfa hat er immer noch einen besonderen Bezug, obwohl er mittlerweile als Geschäftsmann in Urdorf tätig ist.

Seine Sammlerleidenschaft erstreckt sich über alle Schweizer Briefmarken – vor allem aber fokussiert er sich auf frühe Ersttagsbriefe der Schweiz. Was aber motivierte den erfolgreichen Unternehmer, wieder vermehrt zu sammeln? Als Firmeninhaber in der grafischen Branche sei er ein Ästhet. Die Ästhetik stehe für ihn beim Briefmarkensammeln denn auch klar im Vordergrund. Er sei sich bewusst, dass er viel Geld für sein Hobby ausgebe. Doch: «Ich habe auch schon viele tolle Briefe und Stücke entdeckt, teilweise in Sammlungen, deren Wert ich erst nach intensiven Recherchen und nach genauem Untersuchen feststellen konnte.»

Erst kürzlich machte er eine erstaunliche Entdeckung: Er konnte eine Kollektion mit über 500 Briefen aus der Zeit von 1850 bis 1907 erwerben und fand darin einen Brief, der aus der Schweiz nach Indien geschickt wurde – eine Seltenheit in der damaligen Zeit. Hauser freut sich: «Allein dieser Brief ist bedeutend mehr wert als der Ankaufspreis der gesamten Partie.» Deshalb hat er auch einen Rat für Sammler und Investoren parat: «Wenn man geschickt sammelt, sich mit den Briefmarken beschäftigt und bereit ist zu recherchieren, dann kann man immer wieder Trouvaillen entdecken und sogar viel Geld verdienen!»

Entspannen beim Sammeln

Briefmarkensammeln ist für ihn aber vor allem Entspannung. Hauser bezeichnet sich selber als emotionalen Menschen. Das kommt auch gut zum Ausdruck, wenn er mit Begeisterung über seine Sammelleidenschaft spricht. Und wenn ab und zu im Berufsleben etwas nicht so gut laufe, könne er sich bei seinen Briefmarken meistens wieder beruhigen.

Marianne Rapp Ohmann, die für die Online-Ausstellung viele Leute befragt hat, kommt denn auch zum Schluss, dass Briefmarken nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Sie sind im Alltag der Schweizer fest verwurzelt und schaffen als Zeitzeugen emotionale Verbindungen zu Menschen, Tieren und Ereignissen. Junge Menschen finden Briefmarken deshalb nach wie vor «cool» und schätzen ihren Fortbestand als wichtig ein. Rapp sagt: «Briefmarken sind nicht von gestern. Sie faszinieren fast alle, und Sammler mit Zukunftsblick und Traditionsbewusstsein noch mehr.» (az)

Online-Ausstellung mit Top-Raritäten und Videoreportage