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Sämi, ein kleiner Storch mit wichtiger Mission

Viele Jungstörche, die im Süden überwintern, kommen nicht mehr in die Schweiz zurück. Um Gründe dafür zu finden, wurden schweizweit fünf Störche mit Sendern ausgestattet. Einer ist Sämi aus dem Murimoos.

Andrea Weibel
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Gemeinsam mit Projektleiter Holger Schulz legt Storchspezialistin Margrit Enggrist Sämi den neuen Sender an. andrea weibel Gemeinsam mit Projektleiter Holger Schulz legt Storchspezialistin Margrit Enggrist Sämi den neuen Sender an. andrea weibel

Gemeinsam mit Projektleiter Holger Schulz legt Storchspezialistin Margrit Enggrist Sämi den neuen Sender an. andrea weibel Gemeinsam mit Projektleiter Holger Schulz legt Storchspezialistin Margrit Enggrist Sämi den neuen Sender an. andrea weibel

Solothurner Zeitung

Es lauern sehr viele Gefahren auf dem Weg zwischen dem Sommer- und dem Winterquartier der Störche. Manche Tiere werden abgeschossen auf ihrer Reise, andere erwischen einen tödlichen Stromschlag bei schlecht gesicherten Hochspannungsleitungen, wieder andere vergiften sich auf Müllhalden in Südspanien.

Um genau zu erfahren, wo die Störche überwintern, wurden in den letzten Tagen fünf Jungtiere in der ganzen Schweiz mit Sendern in Rucksackform ausgestattet, die dem Institut Storch Schweiz genaue Daten über ihre Reisewege liefern sollen.

Einer dieser fünf Störche ist Sämi, der vor rund acht Wochen im Murimoos geboren wurde. «Wir geben den Störchen normalerweise keine Namen, bei diesem ist das aber natürlich etwas Spezielles», erklärte Hans Däpp, Direktor des Murimoos.

«Wir haben ihn zu Ehren von Sämi Holliger, dem Gründer des Murimoos, ebenfalls Sämi getauft.» Ob es allerdings ein Weibchen oder ein Männchen ist, wird erst die DNA-Analyse einer von Sämis Federn zeigen. «Das kann man äusserlich nicht erkennen», bestätigt Margrit Enggrist, die bei Storch Schweiz für die Beringung der Störche zuständig ist.

Sie war es auch, die den kleinen Sämi, einen von rund 50 Jungstörchen im Murimoos, am Donnerstag per Hebekran aus seinem Nest holte, um ihm sein Rucksäckchen anzuziehen.

Eigentlich war Sämi die zweite Wahl. Der erste Jungstorch, der ursprünglich für die Besenderung vorgesehen war, ist jedoch aus seinem Horst geflohen, als ihn Enggrist herunterholen wollte. «In dem Alter können sie normalerweise noch nicht fliegen. Dieser konnte es aber anscheinend», lachte Däpp.

Also musste das Team einen neuen Jungstorch auswählen, um ihn zu besendern. Allerdings wollten sie nicht irgendeinen Jungstorch. «Wir wollten einen, der von den algerischen Störchen abstammt, die in den 60er-Jahren, als die Störche bei uns ausgestorben waren, in der Schweiz angesiedelt worden sind», verdeutlicht der Murimoos-Direktor.

Beim zweiten Anlauf lief alles wie am Schnürchen. Der hübsche junge Vogel wehrte sich kaum, als Margrit Enggrist ihn aus dem Horst hob. Gemeinsam mit Projektleiter Holger Schulz beringte sie ihn mit der Nummer SG696, dann wurde ihm sein kleiner solarbetriebener Sender umgeschnallt. «Wir dürfen ihn nicht zu eng anlegen, Sämi ist noch im Wachstum», so die Storchspezialistin.

Sämi wird mindestens fünf Jahre lang mit seinem Sender auf dem Rücken zwischen der Schweiz und dem Süden pendeln. Die Wissenschafter sind gespannt, wohin es ihn ziehen wird. Mitte August startet Sämi auf seine erste weite Reise. «Wir hoffen sehr, dass wir ihn nächstes Jahr wiedersehen», seufzte Hans Däpp etwas wehmütig.

Sämis Weg kann auf dieser Website nachverfolgt werden.

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