Wohlen
Sajjad erzählt: Der Traum einer irakischen Familie von Sicherheit ist geplatzt

Die Familie von Ali Al-Itbi ist vor gut anderthalb Jahren aus dem Irak in die Schweiz geflüchtet. Sie wohnen in der Wohler Asylunterkunft Salmen, ihr Sohn, Sajjad, besucht die zweite Klasse, hat bereits viele Freunde in Wohlen und spricht schon recht gut deutsch.

Andrea Weibel
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Die beiden jüngeren Mädchen besuchen den Kindergarten. Nun, nach gut acht Monaten in Wohlen, stellt sich Dublin gegen sie, die Familie muss zurück nach Italien, das Land, auf das sie erstmals in Europa einen Fuss gesetzt haben. Doch sie haben Angst vor Italien und davor, dort zu verhungern.

Am 3. November werden sie nun zurückfliegen in den Irak. Es herrscht Krieg dort, es gibt keine Sicherheit, keine Jobs, kein fliessend Wasser oder Strom in ihrer alten Wohnung in Bagdad, falls diese überhaupt noch steht. Doch dort können sie sich wenigstens Essen von den Müllhalden besorgen, argumentieren sie. Dort müssen sie nicht verhungern, denn das ist es, was sie in Italien fürchten, wo viel zu viele Asylsuchende die Systeme zusammenbrechen liessen.

Sajjad erzählt in einem Video nun, was sie erlebt haben und wie es ihnen geht. Die Murianer Kantischülerin und Nachwuchs-Filmemacherin Hannah Dobbertin hat dies aufgezeichnet. Unter dem Titel „Their voices matter“, also „ihre Stimmen sind wichtig“ hat sie Sajjad die Geschichte seiner Familie erzählen lassen. Ein berührendes Video, in dem Dobbertin dazu aufruft, hinter die Zahlen zu blicken, denn es sind Schicksale, Menschen, die all das erleben.