Wohlen

«S Vogellisi chond vo Adelbode här» – und jetzt auch aus dem Freiamt

Die Skulpturen aus Lärchenholz des Wohlers Hanspeter Vock zieren jetzt Adelboden. Ein weiteres, spannendes Projekt für den Künstler.

«Wenni nume wüsst wo s’Vogellisi wär, s’Vogellisi chunnt vo Adelbode här». – Das Volkslied, das in den 1950er-Jahren vom Zürcher Duo Meisen bei der Eröffnung der Alten Taverne in Adelboden spontan komponiert worden sein soll, ist Kult.

Doch der Text müsste leicht angepasst werden. Denn das Vogellisi kommt jetzt auch aus Wohlen. Aus der Werkstatt des 70-jährigen Drechslers und Skulpturenbauers Hanspeter Vock. Vier Vogellisi-Figuren durfte er für Adelboden herstellen.

Eine über zweieinhalb Meter hohe Figur begrüsst die Touristen vom Kreisel in der Oey, zwei lebensgrosse stehen bei der Tal- und Bergstation der Chuenisbärgli-Bahn, eine weitere auf dem neuen Vogellisi-Weg.

Hanspeter Vock, der vor zwei Jahren in seinem Atelier im Rigacker schon die Skulpturen für die Woodvetia-Kampagne hergestellt hat (die AZ berichtete), ist stolz auf seine Vogellisi: «Vor allem die Figur am Dorfeingang sieht echt scharf aus. Ich bin beim letzten Besuch mit meiner Harley mehrmals um den Kreisel gekurvt», lacht er.

Für ihn sei es ein Traum gewesen, diesen Auftrag auszuführen: «Es hat zwar ziemlich pressiert. Doch es steckt ein spannendes Konzept dahinter, eine richtig gute Sache für die Touristen. Für mich war es eine grosse Freude, da mitwirken zu dürfen.»

Knapp drei Monate für die Realisierung

Dem Wohler blieben lediglich wenige Monate für die Realisierung: «Im April haben mich die Leute von den Bergbahnen Adelboden erstmals kontaktiert, von drei bis vier Skulpturen gesprochen und Skizzen geschickt, wie sie sich diese in etwa vorstellten», erzählt Vock.

Man habe sich vorerst per Mail «ein bisschen ausgetauscht» und dann sei der Verantwortliche in Wohlen vorbeigekommen, um das Projekt konkret zu besprechen. «Bereits im Mai wollten sie die erste Figur haben, dabei war noch nicht einmal das Holz bestimmt», erinnert sich der Künstler.

Es sei aber zügig vorwärtsgegangen: «Die Adelbodner haben vor Ort gewachsene Lärchenstämme organisiert und nach Wohlen bringen lassen, so konnte ich loslegen.» Hanspeter Vock ist für die Herstellung von lebens- oder überlebensgrossen Skulpturen bestens eingerichtet.

In seiner kleinen Werkstatt, die er sich nach der Aufgabe seines ehemaligen Drechslereibetriebes eingerichtet hat, steht eine Fünf-Achsen-gesteuerte CNC-Anlage. Die geplanten Vogellisi-Figuren wurden in einem speziellen Verfahren eingescannt.

Modell stand jene Schauspielerin, die auch in einem Werbevideo für Adelboden das Vogellisi verkörpert. Anschliessend wurden die Daten in eine Steuerdatei für die CNC-Fräsmaschine umgewandelt und die Skulpturen aus den Lärchenholz-Stämmen gefräst.

Trotz moderner Technik viel Handarbeit erforderlich

Damit die Figuren später möglichst lebensecht aussehen, braucht es trotz modernster Technik viel Erfahrung und nach wie vor viel Handarbeit.

Zudem konnte Hanspeter Vock nicht alle Figuren «am Stück» fräsen: «Die Arme der kleineren Skulpturen habe ich zum Teil separat gefertigt, an die Figur gedübelt, verleimt und sauber verschliffen. Die riesige Kreisel-Figur besteht sogar aus vier Elementen.»

Die kleinen Skulpturen hat Hanspeter Vock mit seinem Transporter selber ins Berner Oberland geliefert, die letzten zwei im August. Das Kreisel-Lisi wurde mit einem Lastwagen der Mineralquellen Adelboden AG abgeholt: «Die haben Getränke zur Firma Schüwo geliefert, die ja gleich neben meinem Atelier steht, und auf dem Rückweg die Skulptur mitgenommen», berichtet der Künstler.

Womit der Kreis geschlossen wäre: In Wohlen trinkt man Adelbodner, in Adelboden bestaunt man Wohler Vogellisi.

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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