Wohlen
Ruth Binder: «Die Arbeit hat mich am Leben gehalten»

Bezirksschullehrerin Ruth Binder wird nach 32 Jahren Schuldienst pensioniert. Grund genug für ein grossesAbschiedsfest in der Halde.

Verena Schmidtke
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Ruth Binder wird nach 32 Jahren aus dem Schuldienst verabschiedet.

Ruth Binder wird nach 32 Jahren aus dem Schuldienst verabschiedet.

Verena Schmidtke

Zum Abschied der beliebten Lehrerin standen die Schüler an einem roten Teppich Spalier und sangen «Frère Jacques». Ruth Binder fuhr derweil in einer Rikscha vor. Seit 1983 hat sie an der Bezirksschule die Fächer Deutsch, Französisch und Geografie unterrichtet. Zu Beginn ihrer Lehrtätigkeit gab es nur zwei weibliche Lehrpersonen an der Schule. «Da brauchte man noch Spikes an den Ellenbogen», erzählt Binder. Aber ihr habe die Arbeit immer viel Freude gemacht.

Abwechslungsreicher Beruf

In den 32 Jahren habe sie viele hundert Schülerinnen und Schüler auf ihren Weg begleitet. Diese haben ihren Beruf interessant und abwechslungsreich gemacht. Es sei spannend gewesen, die Entwicklung der Kinder mitzuverfolgen. Ausserdem habe sie in ihren Berufsjahren fünf Rektoren und Schulleiter erlebt, dazu unzählige Reformen, Lehrplanänderungen, Konferenzen und Fortbildungen. In ihrer Freizeit ist Ruth Binder eine begeisterte Leserin. Sie leitet als Präsidentin die Volkshochschule Wohlen und freut sich schon darauf, nach ihrer Pensionierung, einen Literaturkurs zu leiten.

Eine weitere Leidenschaft der Lehrerin sind Hühner – diese sammelt sie als Porzellanfiguren, ob aus Blech, Glas oder anderen Materialien aus aller Welt. Schulleiter Paul Bitschnau erzählt schmunzelnd, dass das Kollegium ihr einen Hahn zur Hühnerschar schenkte. Wegen einer schweren und langwierigen Erkrankung musste Ruth Binder ihr Arbeitspensum immer wieder reduzieren. Dennoch konnte sie sich nicht vorstellen, wegen der Krankheit ganz aus dem Beruf auszusteigen. «Die Arbeit hat mich am Leben gehalten», stellt sie fest.

«Es ist besser, eine Aufgabe zu haben, als allein zu Hause zu sitzen und zu grübeln.» Am Abschiedstag habe sie gemischte Gefühle, auf der einen Seite sei sie wehmütig, auf der anderen Seite sei sie aber auch gespannt auf ihren neuen Lebensabschnitt. Sie sagte: «So richtig werde ich die Pensionierung wahrscheinlich erst realisieren, wenn die Schule nach den Ferien wieder beginnt. Im Moment fühlt es sich noch nach Sommerferien an.» Sie freue sich auf ihren Ruhestand. Wohlen sei ihr ans Herz gewachsen und sie werde auch hier bleiben. Einen Teil der neu gewonnenen Zeit wolle sie jedoch auch in ihrer Ferienwohnung verbringen und natürlich viel auf Reisen gehen.

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