Dottikon

Rund 300 Besucher pilgern an die Schweizer Reklamebörse

Zwanzig Händler boten ihre Emailschilder zum Kauf an

Zwanzig Händler boten ihre Emailschilder zum Kauf an

Freunde und Sammler alter Reklame- und Blechschilder pilgerten an die 19. Schweizer Reklamebörse in Dottikon. Zwanzig Händler boten den rund 300 Besucherinnen und Besucher ihre Trouvaillen feil.

Schilderjäger aus der ganzen Schweiz, Deutschland, den Beneluxländern, Frankreich und sogar Grossbritannien besuchten am vergangenen Sonntag die 19. Schweizer Börse für alte Reklame in Dottikon, die sich über die Jahre einen hervorragenden Ruf als Schweizer Drehscheibe für alte emaillierte Blechschilder geschaffen hat. Im Saal des Hotels Bahnhof sowie auf dem Parkplatz boten zwanzig Händler den rund dreihundert Besucherinnen und Besuchern ihre Trouvaillen feil. Von der Blechdose über das Hausschild bis hin zum grossen Werbeschild war alles dabei. Auch ein Plakathändler war mit von der Partie. Und wer suchte, fand unter den mehreren hundert Exponaten echte Raritäten.

Blütezeit ab 1890

Einst als «Blechpest» verschrien, erlebt das Email-Schild heute ein Revival. Blechpostkarten und Blechschilder werden in modernen Verfahren bedruckt. Von diesen Schildern distanziert sich der passionierte Sammler und Organisator der Börse, Ruedi Kolb, ganz klar. «Was in Dottikon angeboten wird, ist alles originale Ware», betont er.

Die Emailschilder-Produktion erlebte ihre Blütezeit zwischen 1890 und 1960, als in Deutschland die Nachfrage nach witterungsbeständigen Dauerplakaten entstand. Die emaillierten Werbeträger erfreuten sich grosser Beliebtheit und verbreiteten sich schnell auch international. Zum Reklameschild kamen Praxisschilder hinzu, im Volksmund «Stummer Portier» genannt, die an den Geschäftshäusern den Kunden den Weg durch die verwinkelten Hinterhöfe wiesen. Emaillierte Strassenschilder, Hausnummernschilder, Warnschilder und Klingelschilder sind noch heute stumme Zeugen aus dieser Zeit. Der Niedergang der ehemals florierenden Email-Industrie in den 60er-Jahren läutete dann auch den Niedergang des Emailschildes ein. Und wie der Markt so spielt: Was nicht mehr produziert wird, gewinnt automatisch an Wert.

Sammler aus purem Zufall

«Der Wert eines Schildes lässt sich einerseits aus den Faktoren wie Alter, Qualität der emaillierten Farben und Zustand der Oberfläche und des Schildes ableiten. Anderseits ist die jeweilige Auflage des Schildes ausschlaggebend: Objekte, die nur zweimal hergestellt wurden, haben einen anderen Sammlerwert als solche, die hundertfach gefertigt wurden», sagt Kolb. Die Preise bewegten sich dementsprechend innerhalb einer Spanne von fünf Franken bis zu mehreren zehntausend Franken.

Ruedi Kolb, von Haus aus Werber und berufsbedingt ein grafikaffiner Mensch, entdeckte seine Sammelleidenschaft eher zufällig. Sein Vater stand nach fünfzig Arbeitsjahren bei Thomy & Franck vor der Pension. Der Sohn wollte ihm zum Andenken an diese Zeit ein Firmenschild des Betriebs schenken, machte sich auf die Suche und wurde vom Sammelvirus gepackt. Aus dem einmaligen Kauf entwickelte sich eine Leidenschaft, die ihn auch motiviert, jährlich diese Ausstellung auf die Beine zu stellen. Nächstes Jahr steht die 20. Ausstellung an: Ein besonderer Grund für Kolb, anlässlich der Jubiläums-Reklamebörse 2013 wiederum die Fans nach Dottikon einzuladen.

Die 20. Schweizer Reklamebörse Dottikon findet am 24. November 2013 im Hotel Bahnhof Dottikon statt.
Mehr Infos im Internet unter
www.reklameboerse.ch, www.schilderjagd.de und www.vintage-art.ch

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