Sarmenstorf
Rühren, rühren, rühren: Fasnacht mit heissgeliebter Mehlsuppe verabschiedet

Mit der Sarmenstorfer Mehlsuppe haben die Fasnächtler die fünfte Jahreszeit verabschiedet.

Toni Widmer
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Marcel Wey bedient eine Kundin mit der feinen Sarmenstorfer Mehlsuppe.

Marcel Wey bedient eine Kundin mit der feinen Sarmenstorfer Mehlsuppe.

Toni Widmer

«Rühren, rühren, rühren» – das ist das Einzige, was Marcel Wey schmunzelnd zum Geheimrezept der Sarmenstorfer Mehlsuppe preisgibt. Alles andere ist geheim. Um 10 Uhr am Montag hat er mit seinem Bruder Thomas begonnen, 300 Liter vorzubereiten. Am Dienstag werden sie im ganzen Dorf verteilt. Als Stärkung für den letzten langen Fasnachtstag. Es ist ein alter Brauch, den die Fasnachtsgesellschaft Variété vor 59 Jahren ins Leben gerufen hat und bis heute pflegt.

Gekocht wird nach wie vor im holzbefeuerten Chessi. Das sieht gut aus, macht es für die Köche aber nicht einfacher: «Einmal nicht aufpassen, und schon hockt die Suppe an», sagt Marcel und rührt und rührt und rührt. Bis zum frühen Montagabend und dann wieder ab 5.30 Uhr am Dienstagmorgen. Die vorbereitete Mehlsuppe wird in grossen Milchkannen gelagert und auf der Tour durchs Dorf nach und nach wieder aufgewärmt. Natürlich im Holzchessi, das auf dem Mehlsuppenwagen fest installiert ist.

Dem Geschmack tut das keinen Abbruch. «Eine Mehlsuppe muss lange kochen und schmeckt aufgewärmt am besten», so die landläufige Meinung. Sie wird von Kundinnen und Kunden am Dienstagmorgen bestätigt: «Ich sage jedes Jahr: ‹So gut war die Suppe noch nie›», erklärt Fredy Haller, der gleich ein Milchkesseli voll Suppe postet. «Am Fasnachtsdienstag gibt es bei uns Mehlsuppe zum Zmittag. Schon unsere Kinder haben sie gerne gegessen, und heute schmeckt sie unseren Enkelkindern genauso.»

Claudi Widmer, der mit seiner Frau Therese für den Mehlsuppentag extra Krapfen und Schenkeli gebacken hat und die kleine Gruppe, die sich vor dem Mehlsuppenwagen in der Vorstadt versammelt hat, daneben mit Kaffee (mit und ohne «Gügs») verwöhnt, sagt: «Es ist ein schöner Brauch, den wir nicht missen möchten. Wir freuen uns jedes Jahr, dass die Variétéler den Halt hier bei uns weiterhin auf ihrem Programm haben.

Nach einer Viertelstunde gehts zum nächsten Stopp beim Restaurant Post, wo bereits wieder eine stattliche Gruppe Suppenkunden wartet. Viele davon mit dem Milchkesseli in der Hand. Wie bei Hallers gibts am Fasnachtsdienstag auch bei ihnen Mehlsuppe. Und für Marcel und Thomas im «Pöschtli» eine kleine Pause mit Zwischenverpflegung. Aber nur abwechslungsweise. Einer muss stets draussen auf dem Wagen bleiben. Und rühren, rühren, rühren.