«Es hat sich wieder bewährt», sagt Markus Zumsteg, Leiter Sektion Wasserbau beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Und schlimme Überschwemmungen verhindert, wie sie vor dem Bau im Muri-Dorf hin und wieder vorgekommen sind.

Das Rückhaltebecken Greuel wurde 1984 in Betrieb genommen und kann mit einer Dammhöhe von 16,5 Meter rund 100 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Es wurde als erste Ausbaustufe des Hochwasserschutzkonzepts Bünztal verwirklicht und hat letztmals 1995 so viel Wasser zurückbehalten wie gestern. Anders als in Muri wurden die beiden weiteren Freiämter Rückhaltebecken Drachtenloch und Schloss in Villmergen kaum belastet, wie Thomas Gebert, Sektion Wasserbau, bestätigte. Im südlichen Teil des Aargaus fielen am Dienstag und Mittwoch bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter; normalerweise fallen im Aargau im ganzen Monat Oktober 72 Liter Regen.

Volleinstau nur alle 100 Jahre

Mit einem Rückhaltebecken werden die Reduktion der Abflussspitze und eine dosierte Wasserabgabe ermöglicht. Bei normalen Niederschlägen fliesst das Wasser - im Fall des Beckens Greuel der Rüeribach - ungehindert durch das Auslassbauwerk. Da der Rückhalteraum in der Regel für ein hundertjährliches Hochwasser bemessen ist, tritt ein Volleinstau im Mittel nur alle 100 Jahre auf. Damit kann das für die Rückhaltung des Wassers vorgesehene Land auch normal landwirtschaftlich genutzt werden.

Mit den Grundeigentümern wird ein entsprechendes Überflutungsservitut vereinbart.
Das Rückhaltebecken Drachtenloch in Villmergen ist seit 2005 in Betrieb und liegt im Einzugsbereich des Hinterbachs. Sein Rückhaltevolumen beträgt 122 000 Kubikmeter. Erst seit 2011 in Betrieb ist ebenfalls in Villmergen die Anlage Schloss im Bereich des Erusbachs. Hier können 132 000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden.

Der Kanton Aargau betreibt übrigens eine Internetseite, welche das Geschehen bei den jeweiligen Hochwasserrückhaltebecken live zeigt: www.hochwasser-aargau.ch. Das Hochwasserüberwachungssystem dient zum einen der visuellen Überwachung der Rückhaltebecken. Zum anderen können mit dem Auswertungstool statistische Auswertungen vorgenommen werden.

Was geschieht an der Reuss?

So beruhigend die Feststellung war, dass das Rückhaltebecken Greuel seine Aufgabe erfüllt, so beunruhigt schaute man gestern auf den Reusspegel. «Jetzt ist die Frage, wie hoch die Reuss kommt», meinte denn auch Zumsteg am Nachmittag. Selbst wenn der Regen in der Region zurückgeht, wie es die Wetterprognose auf den Abend voraussagte, steigt zeitverzögert der Reusspegel an. Der Fluss bringt nicht nur viel Wasser aus der Innerschweiz mit, sondern auch grosse Mengen an Schwemmholz, welches Rechen und Abflüsse verstopfen kann. Bereits recht stark überflutet waren die Wiesen entlang der Reuss bei Reussegg. Ungehindert war der Durchfluss unter den verschiedenen Brücken.