Rudolfstetten
Rudolfstetter lesen ihre Wasserzähler selber ab – gemogelt wird selten

Jeder ist sein eigener Brunnenmeister: Rudolfstetten setzt auf Vertrauen und lässt seine Einwohner die Wasserzählung selber ablesen. Gemogelt werde sehr selten, sagt der Gemeindeschreiber.

Dominic Kobelt
Merken
Drucken
Teilen
In Rudolfstetten lesen die Einwohnerinnen und Einwohner ihren Wasserzähler selber ab und teilen den Verbrauch der Gemeinde mit. Toni Widmer

In Rudolfstetten lesen die Einwohnerinnen und Einwohner ihren Wasserzähler selber ab und teilen den Verbrauch der Gemeinde mit. Toni Widmer

Toni Widmer

Vielerorts wird die Bevölkerung gebeten, dem amtlichen Brunnenmeister Einlass ins traute Heim zu gewähren, damit er den Wasserzähler ablesen kann. Einen anderen Weg geht Rudolfstetten. Seit 2008 wird hier das System der «Selbstablesung» angewandt. Mit der Zustellung der Vorlage für die Gemeindeversammlung durch den Gemeindeweibel wird gleichzeitig auch die Mitteilung über die Selbstablesung der Zähler in die Briefkästen eingeworfen. Die Rückmeldung kann dann in Papierform oder mittels E-Mail erfolgen. Zusätzlich ist auf der Gemeindewebsite ein Formular aufgeschaltet, mit dem man seinen Wasserverbrauch mitteilen kann.

Rudolfstetten ist laut Auskunft grösserer Gemeindewerke die einzige Gemeinde im Freiamt, die das so macht. Manche Gemeinden greifen notfalls aufs System «Selbstablesung» zurück, wenn eine Person beim Besuch des Brunnenmeisters mehrmals nicht zu Hause anzutreffen ist.

Spätere Umstellung denkbar

«Die Umstellung auf dieses System erfolgte aus zwei Gründen», erklärt Gemeindeschreiber Urs Schuhmacher: «Einerseits sind die finanziellen Aufwendungen kleiner, andererseits geht es um die Erreichbarkeit.»

Je länger, je mehr hätte bei den Eigentümern mehrfach angeklopft werden müssen. «Im Gegensatz zu den Stromzählern, die sich häufig ausserhalb der Gebäude befinden und auch jederzeit abgelesen werden können, sind die Wasserzähler bei der Hausinstallation im Keller angebracht», erklärt Schuhmacher.

Zwar sei es heute wohl technisch möglich, diese auch mittels «Fernablesung» auszulesen. Das würde jedoch bedeuten, dass sämtliche Zähler mit Zusatzgeräten versehen werden müssten. Zusätzliche Investitionen wären für ein Auslesegerät und die entsprechende Software nötig. Eine Person würde dann den Liegenschaften entlang gehen oder fahren, um die Daten auszulesen. Schuhmacher schliesst aber nicht aus, dass es hier durch technischen Fortschritt zu einfacheren Lösungen kommen könnte, beispielsweise durch Datenübermittlung via Internet oder Mobilfunknetz. «Somit könnte es zu weiteren Kosteneinsparungen kommen. Daran arbeiten wir jedoch für die Zukunft und abgestimmt auf die finanziellen Mittel und Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.»

Stichproben möglich

Wie wird überprüft, ob die Leute auch den richtigen Wert angeben und nicht einfach ein paar Liter abziehen? «Die Kontrolle erfolgt grundsätzlich über den Verbrauch in den Vorjahren und den allgemeinen Verbrauch im laufenden Jahr über alle Haushaltungen gesehen», sagt Schuhmacher. Es wird also beispielsweise berücksichtigt, ob der Sommer trocken oder nass war. Ergeben sich Abweichungen, die mehr als 20% vom «Normverbrauch» betragen, wird überprüft, ob besondere Umstände vorliegen. Dies ist möglich, wenn ein Gebäude unbewohnt ist oder wenn Sanierungs- oder Renovationsarbeiten stattgefunden haben. Auch ein defekter Wasserzähler oder ein Leitungsleck kann zu falschen Angaben
führen.

Die Überprüfung wird durch den Brunnenmeister vorgenommen. Es kann auch vorkommen, dass der Gemeinderat eine generelle Kontrolle über Quartiere oder das gesamte Gemeindegebiet anordnet. «Das war in den letzten Jahren jedoch nie notwendig», sagt Gemeindeschreiber Schuhmacher. «Es kommt selten bis gar nicht vor, dass offensichtlich und mit Absicht fehlerhafte Zählerstände gemeldet werden. Das bringt auch nichts, da sowohl bei einem Eigentümerwechsel wie auch bei einer Auswechslung der Zähler andere Personen beziehungsweise der Brunnenmeister vor Ort vorbeischaut.» Spätestens dann würde der Schwindel auffliegen und der Eigentümer müsste entsprechend nachzahlen.