Wohlen-Villmergen
Rücktritte von drei Freiämter Kirchenpflegern reissen Lücken

Die Reformierte Kirchgemeinde Wohlen plant fundamentale Reformen und startet den Ideenwettbewerb Vision Waagmatten Villmergen. Ausserdem sucht die Kirchenpflege nach drei Rücktritten neue Mitglieder.

Jörg Baumann
Merken
Drucken
Teilen
Kirchenpflegepräsidentin Bertha Hübscher (Mitte) verabschiedete die zurückgetretenen Kirchenpflegemitglieder Esther Schütz und Peter Schaerer. Nicht auf dem Bild ist Barbara Willi. BA

Kirchenpflegepräsidentin Bertha Hübscher (Mitte) verabschiedete die zurückgetretenen Kirchenpflegemitglieder Esther Schütz und Peter Schaerer. Nicht auf dem Bild ist Barbara Willi. BA

Jörg Baumann

Mit einem Schlag verliert die Reformierte Kirchgemeinde Wohlen drei Kirchenpfleger: Barbara Willi, Esther Schütz und Peter Schaerer haben ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die Lücken konnten vorläufig noch nicht geschlossen werden.

«Ich habe mehr als 20 Personen angefragt und keine Zusage erhalten. Einzelne erklärten, dass sie nicht heute, aber vielleicht später zur Verfügung stünden», sagte die Kirchenpflegepräsidentin Bertha Hübscher an der Kirchgemeindeversammlung. So muss die Arbeit einstweilen auf die fünf verbliebenen Mitglieder verteilt werden.

Wer als Kirchenpfleger tätig sein wolle, müsse etwa einen halben Tag in der Woche einsetzen, bemerkte Hübscher.

Aus der Versammlung fiel der Vorschlag, die Kirchenpflegemitglieder besser zu entschädigen und einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen.

«Einen Geschäftsführer können wir uns nicht leisten», entgegnete die Kirchenpflegepräsidentin. Einer Lösung kam man an der Versammlung nicht näher.

Die Vakanzen in der Kirchenpflege fallen in einen Zeitabschnitt, in dem sich die Kirchgemeinde ohnehin neu orientieren will.

Die Kirchgemeinde ist mit 3800 Mitgliedern zu klein, um sich mittel- oder langfristig den Betrieb von zwei Kirchenzentren in Wohlen und Villmergen leisten zu können. Die 1965 erbaute Kirche in Villmergen müsste für 1,5 Millionen Franken renoviert werden.

Die Kirchenpflege startete mit der Vision Waagmatten einen für alle Kreise offenen Ideenwettbewerb, der zeigen soll, wie man die Villmerger Kirche sinnvoll umnutzen könnte.

Das Siegerprojekt soll eine langfristige Nutzung gewährleisten, die gesellschaftliches Vernetzungspotenzial hat und mit der christlichen Ethik vereinbar ist.

«Wir erwarten kreative und spannende Vorschläge», erklärte Kirchenpfleger Andreas Stirnemann. Eine breit abgestützte Fachjury, in der vier Vertreter der Kirchgemeinde sitzen, soll die Ideen dann beurteilen.

«Eine kirchliche Nutzung ist denkbar, aber nicht zwingend gefordert», erklärte Stirnemann. Kirchenpflegepräsidentin Bertha Hübscher unterstrich, dass eine Mehrfachnutzung auch durch die Kirche möglich wäre.

Ein Kirchgemeindemitglied aus Villmergen verlangte, der heutige sakrale Raum in Villmergen müsse unbedingt erhalten werden. Das sei man der Sonntagsschullehrerin und Unternehmerin Alice Bopp schuldig, die der Kirchgemeinde das Bauland für das Kirchenzentrum einst unter dieser Prämisse geschenkt habe.

Bertha Hübscher sagte: «Wir können die Renovation der Kirche nicht verkraften. Sonst müssten wir die Kirchensteuern drastisch erhöhen.»

Pfarrer Ueli Bukies betonte, dass die Kirchgemeindeversammlung letztlich über die Ausführung eines Projektes entscheiden werde. Unrealistische Vorschläge kämen in der Fachjury nicht durch.

«Denn in der Jury sitzen keine Revoluzzer, die die Kirche unbedingt dicht machen wollen.» Die Unterlagen zum Ideenwettbewerb werden ab 24. Juni im Internet unter www.viwa.ch publiziert.

Bukies und sein Kollege Johannes Siebenmann erläuterten, dass neben traditionellen Gottesdiensten neue Formen ausprobiert würden.

So werden die Gottesdienste in Wohlen und Villmergen laut Bukies nicht mehr zur gleichen Zeit und am gleichen Tag angeboten, um auf die Gewohnheiten der Kirchgänger Rücksicht zu nehmen.

Siebenmann sagte, andere Gottesdienstformen müssten für jene Menschen angestrebt werden, «die sonst den Weg in die Kirche nicht mehr finden.» Er hält deshalb von Zeit zu Zeit Meditationsgottesdienste ab.

«Wir müssen Wege suchen, wie wir wieder mehr Leute in die Gottesdienste bringen können», meinte ein Kirchgemeindemitglied. Siebenmann nahm diese Anregung auf.

Er erklärte sich spontan bereit, eine besondere Diskussionsrunde zu starten, in der über die Zukunft der Kirche nachgedacht werden kann.