Bünzen
Rücktritt vom Rücktritt: Marlise Müller bleibt

Die Frau Gemeindeammann wollte eigentlich zurücktreten, ist jedoch in stiller Wahl nochmals als Gemeinderätin und Gemeindeammann gewählt worden. Ihr Amt will sie aber nur als Übergangslösung ausführen.

Eddy Schambron
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Marlise Müller bleibt (vorerst) auf ihrem Platz am Bünzer Gemeinderatstisch. Neu kommt neben den bisherigen Gemeinderäten Christof Wyss dazu. Eddy Schambron

Marlise Müller bleibt (vorerst) auf ihrem Platz am Bünzer Gemeinderatstisch. Neu kommt neben den bisherigen Gemeinderäten Christof Wyss dazu. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Das ist eine Überraschung: Marlise Müller, Gemeindeammann von Bünzen, war nach drei Amtsperioden als Gemeinderätin, davon die meiste Zeit als Gemeindeammann, nicht mehr zur Wiederwahl angetreten – und ist dennoch wieder Gemeindeammann. «Ich habe mich im Sinn einer Übergangslösung dazu bereit erklärt», sagt sie gegenüber der AZ.

Ausschlaggebend sei gewesen, dass sowohl die bisherigen Gemeinderäte als auch die Verwaltung hinter ihr stehen würden und dass ihr Engagement zugunsten der Gemeinde zeitlich als befristet gelten müsse. Ebenfalls in stiller Wahl gewählt wurde der neue Gemeinderat Christof Wyss.

Nach der Gesamterneuerungswahl am 24. September stand die Gemeinde Bünzen ziemlich unvollständig da: Obwohl Marlise Müller sehr früh bekannt gegeben hatte, nicht mehr zu kandidieren, fanden sich keine Kandidaturen für das Amt des Gemeindeammanns. Und auch ein zweiter, vakanter Gemeinderatssitz blieb leer.

Gewählt wurden nur die bisherigen Gemeinderäte Peter Huber-Hofmann, Patrick Rüttimann und Marcel Egg-Bontorno, sodass ein zweiter Wahlgang angesetzt werden musste. Jetzt ist der Gemeinderat wieder komplett – eben mit Wyss und Müller, die auch den Ammann macht. Da die Anzahl der Anmeldungen die Anzahl der noch zu vergebenden Sitze nicht übertroffen hatte, konnten die Vorgeschlagenen als in stiller Wahl gewählt erklärt werden.

Gut überlegt

«Ich habe mir den Entscheid nicht leicht gemacht», erklärt Müller, «aber im Sinne der Sache Ja gesagt.» Die Situation sei im Gemeinderat und mit der Verwaltung gründlich und offen diskutiert worden. Diese Übergangslösung habe das Einverständnis aller gefunden. Für die Gemeinde dürfte sie ein Glücksfall sein, gehen so doch die Geschäfte nahtlos weiter und wurde zusätzliche Zeit gewonnen, die Nachfolge der «Ära Müller» zu regeln.

Wobei gesagt werden muss, dass Zeit schon vorher genügend vorhanden gewesen wäre: Marlise Müller hatte ihren Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur bereits Anfang Jahr bekannt gegeben. «Ich fand es wichtig, dass meine Kollegen und die Bevölkerung das frühzeitig wussten», begründete sie den Schritt. Als dann niemand in ihre Fussstapfen treten wollte, war sie, obwohl sie es «ein bisschen befürchtet» hatte, «trotz allem etwas erstaunt».

Auf der Suche

Vor den Gesamterneuerungswahlen hatte sich Müller selber nicht aktiv auf die Suche nach einer möglichen Nachfolgerin oder einem möglichen Nachfolger gemacht. «Jetzt müssen wir nochmals richtig aktiv werden, denn ich sehe mein Amt tatsächlich als zeitlich befristet an», unterstreicht Müller. Wie lange «zeitlich befristet» heisst, will sie allerdings nicht genauer ausführen – gemeint ist wohl, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger übernimmt.

Generell müsse die Gemeinde analysieren, weshalb es so schwer geworden ist, Gemeinderatsmitglieder zu rekrutieren. «Selbstverständlich haben sich die Zeiten geändert und die zeitlichen Ansprüche an Familie und Beruf sind gewachsen. Aber es müsste doch trotzdem gelingen, genügend geeignete Leute für die öffentlichen Ämter zu gewinnen.» Mit ihrem Rücktritt vom Rücktritt, der sicher über die Gemeindegrenzen hinweg beachtet wird, will sie dazu nochmals einen Beitrag leisten.

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