Bremgarten
Rücktritt nach nur vier Jahren: «Ein Entscheid zugunsten der Familie»

Stadträtin Bernadette Sutter (CVP) zieht überraschend nach bloss vier Amtsjahren einen Schlussstrich. Eine parteiinterne Vorinformation hätte freilich keinen Einfluss auf ihren Rücktrittsentscheid per Ende 2015 gehabt.

Lukas Schumacher
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Lukas Schumacher

Das Rücktrittsschreiben schickte Bernadette Sutter ab, ohne ihre Lokalpartei CVP zu informieren. Das beherzte Vorgehen passt zur eigenständigen Noch-Stadträtin. Sie habe die Parteikollegen keineswegs vor den Kopf stossen wollen, sagt die 49-jährige Betriebsökonomin und Familienfrau, eine parteiinterne Vorinformation hätte freilich keinen Einfluss auf ihren Rücktrittsentscheid per Ende 2015 gehabt.

Partei und Öffentlichkeit reagierten nicht nur überrascht. Allseits wird das Ausscheiden der engagierten Stadträtin und Vorsteherin des Ressorts Soziales und Gesundheit bedauert. Eine längere Sutter-Amtszeit als bloss vier Jahre hätte dem Gesamtstadtrat und Bremgarten fraglos gutgetan.

«Anwesend und doch abwesend»

Die Motive des Rückstritts sind unspektakulär. Sutters enormer Einsatz nach der Devise «Vollgas oder gar nichts» hat Spuren hinterlassen. Hauptsächlich in ihrem Ressort, aber auch als Vertreterin Bremgartens in diversen sozialen Einrichtungen und Trägervereinen arbeitete sie tatkräftig mit.

So lag der zeitliche Aufwand der Stadträtin «alles in allem bei 40% eines Vollpensums. Es gab auch Wochen, in denen ich praktisch jeden Abend eine Sitzung hatte.» Daheim im Familienkreis mit dem Ehemann und den drei Kindern im Alter von 14, 17 und 19 sei sie gedanklich oft abwesend oder sehr angespannt gewesen.

«So konnte es nicht weitergehen. Ich entschied mich zugunsten der Familie, die mir sehr am Herzen liegt, und gegen die Arbeit als Stadträtin, die ich als sehr vielseitig, intensiv und dynamisch erlebte.» Sie habe mehr und mehr die gemeinsamen Momente mit den Kindern vermisst, die im Übrigen gut unterwegs in die Selbstständigkeit seien.

Einen Teilzeitjob hat Bernadette Sutter nicht in Aussicht. Sie will sich vorderhand ausschliesslich um Haushalt und Familie kümmern. «Ob später eine Weiterbildung oder der berufliche Wiedereinsteig folgt, lasse ich offen.»

«Wahlsonntag tat weh»

Wie beurteilt die baldige Ex-Stadträtin, die sich politisch Mitte links zuordnet, den Ausgang der nationalen Wahlen vom 18. Oktober? «Der Wahlsonntag mit dem Rechtsrutsch und dem schwachen Abschneiden der CVP hat schon wehgetan», teilt Bernadette Sutter mit. Freude bereitet ihr ein aktuelles lokalpolitisches Thema, die Umsetzung der Blockzeiten an der Schule.

Am 10. Dezember stimmt die Gemeindeversammlung Bremgarten im Casino darüber ab. Interessiert wird sie als Ex-Stadträtin verfolgen, welche Persönlichkeit im nächsten Jahr zum neuen Bremgarter Stadtschreiber oder zur neuen Stadtschreiberin gewählt werden wird.

«Für die tägliche Arbeit im Stadtrat ist die Person des Stadtschreibers ausserordentlich wichtig.» Gespannt sei sie auch, ob die geplante regionale Trägerschaft für die Badanlage Bremgarten aufgegleist werden kann.

Für Hobbys blieb Bernadette Sutter in den letzten vier Jahren «kaum Zeit. Mein Hobby war die Lokalpolitik.» Ab 2016 will sie wieder vermehrt Musik geniessen können – Schweizer Popmusik – und Wanderungen unternehmen.

Ersatzwahl am 10. Januar

Die Stadtrats-Ersatzwahl findet am 10. Januar 2016 statt. Bewerberinnen und Bewerber müssen sich bis zum 27. November bei der Stadtkanzlei anmelden. Man geht davon aus, dass mindestens zwei Kandidaturen eingehen und es zu einer Kampfwahl kommen wird. Möglicherweise wird die nicht im Stadtrat vertretene SVP eine Kandidatur einreichen.

Sicher scheint eine Bewerbung der CVP. Die Partei hat Anspruch auf den frei werdenden Sitz angemeldet, sie will auch künftig im Stadtrat mitreden. Nach Sutters Rücktritt ist der Stadtrat so zusammengesetzt: Stadtammann Raymond Tellenbach (FDP), Vizeammann Doris Stöckli (parteilos, Vertreterin des Ortsteils Hermetschwil-Staffeln), Monika Briner (FDP), Daniel Sommerhalder (SP).