Rottenschwil
Übungsabbruch: Nach dem Referendums-Nein wird die Strassensanierung bis 2027 auf Eis gelegt

63,3 Prozent der Rottenschwiler stimmten am 7. März gegen den Verpflichtungskredit für die Sanierung der Werdstrasse/Hausmatten. Nun hat der Gemeinderat entschieden, das Projekt nicht weiterzuführen.

Pascal Bruhin
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Der Verlauf der sanierungsbedürftigen Quartierstrasse – hier die Einmündung der Werdstrasse in die Hauptstrasse – soll in der Bau- und Nutzungsplanung generell überprüft werden.

Der Verlauf der sanierungsbedürftigen Quartierstrasse – hier die Einmündung der Werdstrasse in die Hauptstrasse – soll in der Bau- und Nutzungsplanung generell überprüft werden.

Marc Ribolla

Beim letzten Urnengang am 7. März stimmten die Rottenschwiler Stimmberechtigten nicht nur über das Burka-Verbot, die E-ID und das Freihandelsabkommen mit Indonesien ab. Auf Gemeindeebene wurde auch über das Referendum zur Sanierung der Werdstrasse/Hausmatten für 639'000 Franken entschieden.

Zu teuer: Ehemaliger Gemeindeammann lancierte das Referendum

Zur Abstimmung an der Urne war es gekommen, nachdem mit 220 gültigen Unterschriften das Referendum gegen den Verpflichtungskredit ergriffen worden war. Viel zu hoch fand Referendumsführer und ehemaliger Gemeindeammann Alois Schumacher den budgetierten Kredit. 277'000 Franken würden für die Sanierung der Belagsschäden in der Werdstrasse und im Einlenkerbereich der Hausmattenstrasse reichen, fand er.

Das Resultat an der Urne gab ihm recht: Mit 63,3 Prozent Nein-Stimmen oder 121 Ja gegen 209 Nein lehnten die Rottenschwilerinnen und Rottenschwiler den Verpflichtungskredit deutlich ab.

Was nun? Darüber hat sich der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 16. März beraten. «Der Gemeinderat akzeptiert den Entscheid der Stimmberechtigten, ist jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass eine Teilsanierung nicht zum richtigen Ergebnis führen würde», schreibt die Gemeinde in ihrer aktuellen Mitteilung. Nach eingehender Diskussion sei der Gemeinderat zum Schluss gekommen, die Planung für das Sanierungsprojekt zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiterzuführen.

Referendumsführer ist erstaunt über den Entscheid des Gemeinderats

Alois Schumacher zeigt sich sehr erstaunt, nachdem er von der «Aargauer Zeitung» über den Übungsabbruch des Gemeinderats erfahren hat: «Ich bin etwas baff. Das habe ich wirklich nicht erwartet», sagt er am Telefon. Er sei davon ausgegangen, dass der Gemeinderat nach dem Nein zum Verpflichtungskredit das Thema neu angehen und den Vorschlag des Referendumstexts prüfen würde.

Dass nun gar nichts gemacht werden soll, kann er nicht nachvollziehen: «Der Gemeinderat hat immer betont, wie dringend notwendig eine Sanierung sei.» Dem widerspricht auch Schumacher nicht grundsätzlich. Er meint aber, bei der Untersuchung des Strassenzustands sei damals eine falsche Diagnose gestellt worden. «Es würde reichen, den Deckbelag und allenfalls die obersten 20 cm der Tragschicht zu erneuern», ist er überzeugt. Dabei ist ihm nicht nur der Kosten-, sondern auch der Umweltfaktor wichtig: «Es macht ökologisch keinen Sinn, eine in weiten Teilen intakte Strasse komplett aufzureissen.»

Projektabbruch sei keine Trotzreaktion des Gemeinderats

Eine Trotzreaktion des Gemeinderats auf das Volks-Nein sei der Projektabbruch keinesfalls, versichert Gemeinderat und Bauvorsteher Martin Weideli auf Anfrage. Dass Sanierungsbedarf besteht, bestreitet er ebensowenig. «Es war aber eine Abwägung, entweder jetzt nochmals Geld in die Hand zu nehmen und die Strasse erneut zu überprüfen, wie es das Referendumskomitee forderte, oder die Resultate der derzeit laufenden Bau- und Nutzungsplanung abzuwarten.»

Bis 2025 soll diese abgeschlossen sein. Dabei werden auch der Verlauf der Quartierstrasse generell sowie baugestalterische Massnahmen rund um den Entsorgungsplatz an der Werdstrasse überprüft. Frühestens 2027 soll die Strasse nun also saniert werden. Bis dahin soll sie mit periodischen Flickarbeiten funktionstüchtig gehalten werden.