Muri

Rote Zahlen und Stellenabbau: Die Pflegi steuerte durch einen Sturm

Die Pflegi Muri hatte 2015 eine zu tiefe Bettenauslastung. Mit einer Vorwärtsstrategie will sich die Institution für die Zukunft optimal positionieren.

Die Pflegi Muri hatte 2015 eine zu tiefe Bettenauslastung. Mit einer Vorwärtsstrategie will sich die Institution für die Zukunft optimal positionieren.

Geringere Bettenauslastung führte zu einem finanziellen Verlust und zu Stellenabbau. Doch die schwierige Zeit bringt auch positives mit sich. Die Pflegi soll sich in Zukunft neu positionieren.

Anstatt eine Bettenbelegung von angestrebten 96 Prozent, erreichte die Pflegi Muri im letzten Jahr nur eine Auslastung von 86 Prozent. Das führte nicht nur zu einem Betriebsverlust von 600 000 Franken, der mit einer ausserordentlichen Reduktion des Mietzinses vom Verein Pflegimuri abgefedert wurde, sondern auch zu einem sofortigen Einstellungsstopp für neue Mitarbeitende und zu einigen Kündigungen. Der «Sturm», wie sich Christoph Käppeli, Vizepräsident des Vereins Pflegimuri, ausdrückt, förderte allerdings auch einen Prozess, der bereits im Gange ist und zwei Stossrichtungen sieht: «Die Optimierung der Kostenstruktur in den nicht pflegerischen Bereichen und die Neuausrichtung unserer Angebotspalette im Rahmen eines integrierten Versorgungsmodells im oberen Freiamt», wie Direktor Thomas Wernli festhält. Seine Institution soll sich in Zukunft als Geriatrie- oder Kompetenzzentrum im Freiamt positionieren.

Mehr Privatsphäre

Dazu gehört der Neubau Löwen mit fünfzig neuen Einerzimmer. «Damit können wir dem Bedürfnis nach Privatsphäre im Heim besser nachkommen.» Gleichzeitig mit der Eröffnung Löwen im Frühjahr 2018 wird der Wohnbereich Gerontopsychiatrie mit Schwerpunkt Sucht mit 28 Betten aufgehoben. Die Bewohner werden vom Pavillon ins Hauptgebäude zügeln. Damit werden mehr als die Hälfte der neuen Zimmer im Löwen kompensiert. «Durch zusätzliche Umwandlungen in Einerzimmer im Hauptgebäude wird der aktuelle Bettenbestand nicht erhöht.» Im Fokus steht aber die Optimierung der Dienstleistungen. «Neu ist, dass wir diese Dienstleistungen in ein regionales Versorgungsnetz integrieren möchten.»

Eigeninteressen zweitrangig

Wernli ist überzeugt, dass eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und stationären Leistungserbringern im Langzeitbereich die Sicherheit der betroffenen Menschen erhöht und gleichzeitig die Qualität und Effizienz der Behandlung und Betreuung verbessert werden. Ein integriertes Versorgungsnetz müsse primär aus der Perspektive der betroffenen Menschen gestaltet werden. «Die Eigeninteressen der Leistungserbringer sind zweitrangig.» Das werde dazu führen, dass sich Heime spezialisieren werden. Weil jetzt die Zukunft der Alters- und Pflegeheime noch mitgestaltet werden könne, habe die Pflegi Muri den Prozess der integrierten Versorgung (www.gesundes-freiamt.ch) mitinitialisiert. «Nun ist ein partnerschaftliches Miteinander gefragt mit allen ambulanten und stationären Leistungserbringern, mit den politischen Behörden und mit dem regionalen Planungsverband Oberes Freiamt.»

«Nervenaufreibend»

Im betrieblich schwierigen 2015 sei die gesamte Belegschaft gefordert gewesen, stellt Franz Hold, Präsident des Vereins Pflegimuri, fest. «Es brauchte von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vermehrten Einsatz und Verständnis für Veränderungen.» Sie hätten die Umstellungen mit Bravour gemeistert. Voll Lob ist auch Vizepräsident Christoph Käppeli. Der Einstellungsstopp und die «auf ein Minimum reduzierten» Kündigungen seien «sehr nervenaufreibend und emotional» gewesen. «Ich habe unsere Direktion bewundert, wie sie professionell und ohne Tabus durch diesen Sturm gesteuert ist.» Der Verein Pflegimuri trägt den Betriebsverlust mit, indem er eine ausserordentliche Reduktion des Mietzinses von 500 000 Franken vornahm.

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