Freiamt
«Rösseler» verunsichert: Gehen Pferdediebe im Freiamt um?

«Rösseler» im Freiamt sind irritiert. Innert kurzer Zeit wurden mehrere verdächtige Personen in und um Stallungen gesehen. Pferdehalter gehen von Dieben aus, auch wenn bisher noch kein Pferd gestohlen wurde.

Lisa Stutz
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Die Pferdediebe kommen meist am helllichten Tag. (lis/Symbolbild)

Die Pferdediebe kommen meist am helllichten Tag. (lis/Symbolbild)

AZ

«Zwei Frauen, die bei uns ihre Pferde halten, befanden sich in der Futterkammer. Plötzlich merkten sie, dass sie nicht alleine im Stall sind. Die beiden kamen aus dem kleinen Raum hervor, wo das Futter aufbewahrt wird, und sahen einen älteren Mann, der ab ihrem Anblick ziemlich erschrocken in der Mitte des Pferdestalls stehen blieb», erzählt eine Pferdehofbesitzerin aus Boswil, die aus Angst um ihre Pferde anonym bleiben will.

Sie erzählt weiter: «Der Mann war einfach ins Gelände eingedrungen». Als er unverhofft den zwei Frauen gegenüberstand, habe er damit angefangen, Fragen über Futterpläne und Fliegennetze zu stellen. Er hat laut den zwei Frauen sehr ertappt gewirkt.

Nachdem sich der Mann unter Vorwänden schnell von dannen gemacht hatte, alarmierten die Frauen die Regionalpolizei Muri. Diese traf zehn Minuten später auf dem Hof ein. Doch von dem älteren Mann mit grauen Haaren und dunkler Brille war nichts mehr zu sehen.

Polizeisprecher Roland Pfister bestätigt gegenüber az, dass es am 10. September in Boswil einen entsprechenden Vorfall gegeben habe. Allerdings wisse die Polizei nicht, was der Mann in dem Stall gewollt habe.

Täter ohne Pferde geflüchtet

«Wir sind im Moment sehr alarmiert, in der Region gehen nämlich Pferdediebe um», erklärt die Hofbesitzerin.

Bei einem anderen Pferdestall im Freiamt sei es kürzlich wie folgt abgelaufen: Jemand in einem Personenwagen, angeblich mit Berner Nummer, hat zuerst den Hof inspiziert. Kurz darauf sind mehrere Männer mit einem Transporter zum Gelände gefahren. Sie gingen dann zu den Pferden auf die Weide, legten ihnen Halfter und Stricke um, und führten sie zum Transporter.

«Die Hofbesitzerin beobachtete den ganzen Vorgang und konnte das Vorhaben glücklicherweise knapp vereiteln, sodass die Täter ohne Pferde geflüchtet sind», erklärt die Boswiler Pferdebesitzerin.

Die besagte Frau wolle das Verbrechen jedoch nicht bei der Polizei melden, da sie es schon erlebt habe, dass sie bei Pferde-Angelegenheiten nicht ernst genommen wurde.

Letzte Woche kam es in Muri zu einem Ereignis ähnlicher Art: «Ein Transporter fuhr sehr verdächtig um unseren Hof herum», erklärt die Hofbesitzerin, die ebenfalls aus Angst um die Pferde unerkannt bleiben möchte. «Wir haben gleich die Polizei gerufen. Als diese eintraf, war der Transporter jedoch schon über alle Berge.»

Nach dem ersten Vorfall in Boswil informierte diese Hofbesitzerin alle «Rössler» in der Umgebung: «Wir haben ihnen erzählt, was bei uns passiert ist und was wir schon gehört haben», erklärt sie. Nun seien alle Pferdebesitzer der Umgebung sensibilisiert.

«Von diesen Vorfällen weiss die Polizei nichts», sagt Roland Pfister. Fakt ist: Bis jetzt wurde noch kein Pferd gestohlen. «Wer einen verdächtigen Vorfall bemerkt, soll sich bei der Polizei melden», sagt Pfister. Die Polizei überprüfe jeden Fall.
Einige schlaflose Nächte

«Wir haben alle grosse Angst», erklärt die Pferdeliebhaberin. «Eines meiner Pferde habe ich schon 20 Jahre lang. Die Tiere wachsen einem ans Herz.»

Sie habe seit dem Vorfall einige schlaflose Nächte durchlitten. «Manchmal stehe ich in der Nacht auf und schaue nach, ob alle Pferde noch im Stall stehen. Wir achten jetzt darauf, den Hof zu keiner Zeit alleine zu lassen. Ausserdem haben wir einen Wachhund, der sofort Ton angibt.»

Die ständigen Sorgen seien sehr belastend, den Tätern müsse schnellstmöglich das Handwerk gelegt werden.