Wohlen
Rolf Knie: Ein Wohler dreht einen Film über den Künstler

Der Wohler Urs Huber dreht einen Dokumentarfillm über den Künstler Rolf Knie. Dieser braucht den Streifen für eine grosse Retrospektive.

Jörg Baumann
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Kunsthistoriker Walter Karl Walde aus Bremgarten, Sprecher im Knie-Film (links), und der Filmautor Urs Huber.

Kunsthistoriker Walter Karl Walde aus Bremgarten, Sprecher im Knie-Film (links), und der Filmautor Urs Huber.

BA

Vor drei Jahren verfilmte der Wohler Urs Huber das Leben der Heiligen Maria Bernarda Bütler aus Auw. Jetzt entsteht in den Avarel Studios (vormals Spectrum Video Productions) ein Dokumentarfilm über einen Mann, der nie ein Heiliger werden wollte, sondern Künstler: Rolf Knie, Spross der berühmten Zirkusdynastie und als Maler, Artist und Schauspieler ein Multitalent.

Der Anlass: Knie junior feierte am 16. August seinen 65. Geburtstag und braucht Hubers Film für seine grosse Retrospektive vom 20. September bis 19. Oktober im Air Force Center in Dübendorf.

Ein Künstlerleben in siebzig Filmminuten verdichten – keine leichte Aufgabe. Doch Urs Huber stellt sich der Herausforderung. Begeistert erzählt er: «Wir haben von Knie 220 Filmdokumente und 700 Fotografien aus der frühesten Jugendzeit bis heute verarbeitet. Meine Frau Rosmarie hat den grössten Teil davon digitalisiert.» Die Zirkusfamilie Knie ist Huber bereits bekannt. Vor ein paar Jahren stellte er den Jubiläumsfilm über den 200 Jahre alt gewordenen Schweizer Nationalzirkus her. «Das war mein grösstes Projekt in meinem Leben. Wir haben ein Jahr lang daran gearbeitet.»

Schon in der Schule talentiert

Offenbar konnte Huber die Familie Knie mit seinem Opus überzeugen. Denn als Rolf Knie auf die Idee kam, sein Leben verfilmen zu lassen, dachte er zuerst an ihn, den Mann aus Wohlen. «Ich kenne Rolf Knie schon lange», sagt der Kunsthistoriker Walter Karl Walde aus Bremgarten. Knie sagte zu mir, für seinen Film komme kein anderer infrage als Urs Huber.» Walde wirkt im Knie-Film deshalb auch mit – als Sprecher und mit seiner tief gestellten Brille mit dem Blick des Kunstkenners im Bild.

«Ich habe Knie schon beraten, als er als Maler noch in den Anfängen steckte», sagt er. Deshalb wusste Walde bereits, dass der kleine Primarschüler Rolf Knie seine ersten Jahre bei einer Gastfamilie in Belp verbrachte und oft Heimweh hatte. Dem Lehrer Hans-Ruedi Hänni fiel die künstlerische Begabung auf. «Er zeichnete einmal einen Zauberfisch, der mir gut gefallen hat», sagt er in Hubers Film. Der Zauberfisch erinnerte stark an den Maler und Grafiker Paul Klee, der in Bern aufwuchs und wiederum Rolf Knies Gastfamilie Bürgi bekannt war, sammelte doch diese Bilder auch von Klee.

Subtil zeichnet Huber im Film nach, wie aus Knie fast ein bekannter Fussballer geworden wäre. «Er spielte beim FC Zürich und bekam ein Aufgebot für die Juniorennationalmannschaft. Das klappte aber doch nicht», erzählt der Filmautor. Knie bricht die Handelsschule ab, tritt als Kunstreiter und mit Elefanten, Giraffen, Nashörnern und Nilpferden im Circus Knie auf, wird zusammen mit seinem Partner Gaston Hänni Clown, kommt ins Fernsehen und steigt schliesslich aus dem Zirkus aus. Er schliesst Bekanntschaft mit dem Schweizer Maler Hans Falk, der ihm, wie sich Walter Karl Walde erinnert, das Grundwissen über die Farbgebung beibringt und ihm auch sonst den Weg in eine neue Zukunft weist.

Ein Mann mit Ausdauer

Knie hat Ausdauer: Er wird ein arrivierter Maler und Grafiker, stellt nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland aus und wird nun auch Schauspieler. Über ihn als Charley’s Tante lacht die ganze Schweiz. Schliesslich kehrt er trotzdem wieder in die Zirkuswelt zurück. Er gründet zwei Zirkusse (Salto Natale und Liebeszirkus) – und malt fleissig weiter. Walter Karl Walde hat noch eine Anekdote parat: «Charlie Chaplin besuchte bekanntlich einmal eine Vorstellung im Circus Knie. Nach Chaplins Tod schenkte seine Frau Oona Rolf Knie den Rolls-Royce ihres verstorbenen Mannes.»