Widen
Robin Hood reitet auch auf dem Mutschellen

Das Jugendtheater Widen bereitet sich mit intensiver Probenarbeit auf seine neueste Produktion vor. Über 30 Kinder sind vom Theatervirus befallen.

Susanne Brem
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Das Jugendthater Widen zeigt Robin Hood
4 Bilder

Das Jugendthater Widen zeigt Robin Hood

Über 30 Kinder und Jugendliche des Jugendtheaters Widen bereiten sich intensiv auf ihr neuestes Stück vor. Das Licht in der Mehrzweckhalle ist gedimmt. Hinten ist der Tisch der Technik aufgebaut: zwei Computer, Mischpult und Manuskripte. In der Mitte sitzt die Regie, Evelyne Brader und Christina Stauber, die das Stück selber verfasst haben und seit April mit den Kindern am Proben sind. Ein paar wenige Eltern und Theaterkinder sitzen im Saal und schauen zu.

«Tür zu bitte, wir wollen anfangen.» Evelyne Brader blickt zur Seitentür neben der Bühne. Konzentration. «Ist Sophie schon verkabelt?» Es ist eine der ersten Durchlaufproben. Sophie spielt eine Minnesängerin, sie wird später eine schöne Ballade vortragen, doch dafür braucht sie Mikrofon und Sender. Dann geht es los.

Der Vorhang öffnet sich. Das Bühnenbild ist ein grüner Wald. In ihm verstecken sich eine Menge Kinder. Vogelgezwitscher ertönt. Da erscheinen Robin Hood, Little John und Bruder Tack: Die drei sind im Begriff, den königlichen Geldtransport auszurauben, der jeden Moment hier vorbeikommen soll. Sie verstecken sich. Jetzt erklingt Pferdegetrampel. Dann kommt die Kutsche samt Wachen, Sheriff und Steuervogt.

Bettler zwischen Verkaufsständen

Der Sheriff von Nottingham und sein Vogt sind zwei ganz üble Zeitgenossen, die dem Volk die letzten Münzen aus den Taschen ziehen. Das wird eindrücklich im zweiten Bild
ersichtlich. Hier spielen die Theaterkinder eine Szene auf dem Markt. Da sind Bettler zwischen den Verkaufsständen. Kinder verkaufen altes Brot. Ein Trödler preist allerlei Besen an. Die Not ist gross im Land.

Wer soll denn hier noch etwas kaufen, wenn der Steuervogt einem die letzten Münzen nimmt? «Meine Kinder haben keine Schuhe mehr, die ihnen passen», klagt eine Mutter. Da sagt die andere: «Meine Kinder haben ihre Schuhe sogar aufgegessen.» Da kommen Robin Hood und seine Freunde gerade zur rechten Zeit.

Mit List und Mut stellt er sich den Widersachern. Wie ihm das gelingt und wie er schliesslich auch das Herz der schönen Lady Marianne gewinnen wird, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur das eine: In den insgesamt sieben Bildern halten die beiden Autorinnen Evelyne Brader und Christine Stauber viele Überraschungen bereit. Mit Witz und Charme erzählen die Theaterkinder die Robin- Hood-Geschichte spritzig neu.

Vom Virus angesteckt

Witzig sind auch die Effekte: Da mimen ein paar schwarz gekleidete Kinder mit gelben und orangefarbenen Tüchern ein Lagerfeuer. Das Blubbern und Brodeln aus den Lautsprechern lässt den Topf der Hexe Scharlatana so richtig echt erscheinen. Originalgetreu inszeniert wird auch das Pfeilbogenturnier, bei dem Robins Pfeil den Pfeil seines Turniergegners in der Mitte spaltet.

Das Bühnenbild war ursprünglich ein Baugerüst. Jede Menge Styropor und grüne Farbe verwandelten es schliesslich in einen Wald: den Sherwood Forest. Dann sind da die Kostüme, genäht von Ula Scheidegger und Barbara Wicky. Diese Kleider sind perfekt genäht, für jedes einzelne Kind. Ohne die Hilfe der Eltern wären die jährlichen Theateraufführungen gar nicht möglich. Mit der Zeit hat sich aus den rund 50 Mitgliedern, Eltern, Kindern und Jugendlichen ein Team entwickelt, eine grosse Theaterfamilie mit Menschen, die alle vom gleichen Virus angesteckt sind.

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