Wohlen/Niederlenz

Ringleitung «Wasser 2035»: «Verrückte Idee» ist dank Änderungen einen Schritt weiter

Das Wasser im Bünztal wird knapp. Ein Projekt soll nun Abhilfe schaffen.

Das Wasser im Bünztal wird knapp. Ein Projekt soll nun Abhilfe schaffen.

Dereinst soll eine Ringleitung Wasser vom Grundwasserbecken bei Niederlenz in 23 Gemeinden bringen. Am Donnerstag wurde die Phase drei von «Wasser 2035» vorgestellt. Im Vergleich zu 2016 gibt es nun zwei Hauptänderungen. Klappt alles wie gewünscht, so könnten die Bauarbeiten 2023 beginnen.

Das Freiamt hat mit Reuss, Bünz und all den verschiedenen Quellen im Grunde viel Wasser. Doch was ist, wenn das nicht mehr reicht? Wenn die Sommer immer heisser und trockener werden? Dafür haben sich ein paar Visionäre rund um die Wohler Wasser- und Stromversorgerin IBW schon vor sechs Jahren zusammengesetzt und ein Projekt ausgearbeitet: die Vision «Wasser 2035».

Es geht dabei um eine Ringleitung vom grossen Grundwasserbecken Lenzhard bei Niederlenz das Bünztal hinauf und das Reusstal wieder hinunter. Schon ein Jahr später durften sie 23 Gemeinden und zwei Wasserverbände im Projekt willkommen heissen. Am Donnerstag konnte den Vertretern der Gemeinden nun die Phase drei von «Wasser 2035» vorgestellt werden. Denn wenn die Ringleitung wirklich ab 2035 Wasser liefern soll, müsse jetzt Gas gegeben werden, sind sich die Initianten einig.

Bestehende Leitungen werden nun nicht gekauft

Im Vergleich zur Phase zwei, die 2016 lanciert wurde, gibt es nun zwei Hauptänderungen. Projektleiter Martin Schibli erklärte: «Damals war der Plan, dass die Gemeinden und andere Inhaber ihre Wasserleitungen und Grundwasserfassungen an das Projekt abtreten würden. Dagegen haben sich aber viele gewehrt.» Darum sollen diese nun gegen Entschädigung mitgenutzt statt abgekauft werden, wodurch eine Akzeptanz auch beim Volk viel grösser sein werde, verdeutlicht Schibli.

Die zweite Änderung betrifft die Rechtsform. Vorher hätte eine Aktiengesellschaft gegründet werden sollen. Seit 2019 gibt es aber eine neue Form namens «Interkommunale Anstalt», in der sich Gemeinden gerade für solche Projekte zusammenschliessen können. «Hier sind wir noch pioniermässig unterwegs», sagte Christian Wernli, Fachexperte der BDO AG.

Der Kanton lasse den Gemeinden viel Spielraum, um diese Anstalt umzusetzen. Auch darum eigne sie sich sehr gut für «Wasser 2035». Durch diese beiden Neuerungen können auch Punkte wie das Eigenkapital oder die Wassermenge aus der Ringleitung neu berechnet werden, wie die Gemeindevertreter am Donnerstag erfuhren. Unverändert bleibt jedoch die geplante Ringleitung selbst.

Chlorothalonil und Bauern werden berücksichtigt

Wichtige Punkte, die nun auch diskutiert werden mussten, waren beispielsweise die extreme Trockenheit 2018, der Umgang mit Chlorothalonil und auch die landwirtschaftliche Bewässerung, die ebenfalls von «Wasser 2035» profitieren wird. «Auch die Landwirte werden wir in irgend einer Form ins Boot holen müssen. Da laufen derzeit Abklärungen bei den Gemeinden», sagte Peter Lehmann, Projektinitiator und Vorsitzender der Geschäftsleitung der IBW.

Bis Ende August erwarten die Initianten nun Rückmeldungen von den Gemeinden zur neu zu gründenden Organisation. So sollte die «interkommunale Anstalt Wasser 2035» am 1.Januar 2022 ihren Dienst aufnehmen können. Klappt alles, beginnen die Bauarbeiten 2023, die Ringleitung sollte dann 2028 das Reusstal mit der bestehenden Leitung im Bünztal verbinden. «Wasser 2035» hat aber auch schon Pläne bis 2050, die weitere Grundwasservorkommen um Aarau miteinbeziehen sollen. «Am Anfang hat es sich nach einem verrückten Projekt angehört, aber ich glaube, es ist nötig und auf gutem Weg», ist Lehmann überzeugt.

Meistgesehen

Artboard 1