Bremgarten
Riesiger Schuldenberg: Ehepaar hat im Internet bestellte Kleider nie bezahlt

Ein Ehepaar hat bei einem Internetversand rund 200 Bestellungen aufgegeben, aber die Waren im Gesamtwert von 26500 Franken nie bezahlt. Das Gericht verurteilte die beiden zu bedingten Freiheitsstrafen.

WALTER CHRISTEN
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Das schuldig gesprochene Ehepaar gab unterschiedliche Lieferadressen an und verwendete etwa 50 verschiedene E-Mail-Adressen. (Symbolbild)

Das schuldig gesprochene Ehepaar gab unterschiedliche Lieferadressen an und verwendete etwa 50 verschiedene E-Mail-Adressen. (Symbolbild)

AZ

Sie haben einen riesigen Schuldenberg angehäuft: Ratko und seine Frau Radenka (beide Namen geändert) tätigten über den Internetversand Zalando von August 2013 bis Juni 2016 insgesamt rund 200 Kleider- und Schuhbestellungen, ohne die Rechnungen zu bezahlen. Der Versandfirma entstand dadurch ein Schaden von insgesamt 26 500 Franken.

Es dauerte einige Zeit, bis dem Ehepaar das Handwerk gelegt werden konnte, denn Ratko gab jeweils unterschiedliche Lieferadressen an und verwendete für die Bestellungen etwa 50 verschiedene E-Mail-Adressen. So konnte er fleissig Waren ordern, und die Sache flog nicht sofort auf. Das Paar behielt die Waren grösstenteils für sich, gab aber auch Kleider an Verwandte weiter oder er verkaufte diese über eine Internetplattform.

Mehrfacher Betrug

Dem 36-jährigen Ratko und der 30-jährigen Radenka warf die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten mehrfachen Betrug und mehrfachen versuchten Betrug vor. Er sei zu 10 Monaten Freiheitsstrafe bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 2000 Franken, zu verurteilen.

Für sie wurde ein Strafmass von 8 Monaten beantragt (Probezeit: zwei Jahre) sowie eine Busse von 1000 Franken. Ausserdem hätten beide die Verfahrenskosten zu bezahlen, inklusive eine Anklagegebühr von je 650 Franken.

Vor Gericht sagte Radenka, sie sei der Meinung gewesen, ihr Mann würde die Rechnungen begleichen. Sie habe sich zur Hauptsache um die Zahlung der Miete, der Krankenkassenprämien und der Kinderkrippe für die beiden Kinder gekümmert. Ratko habe einmal erwähnt, dass er von der Schwiegermutter das Geld für die Rechnungen bekommen würde. Doch dies stellte sich im Nachhinein als Unwahrheit heraus.

Lohn wird gepfändet

Nachdem das Paar bereits einige Betreibungen am Hals hatte, verkaufte Ratko das Auto. Über eine Lohnpfändung werden die Schulden allmählich abgebaut und mit Zalando besteht seit Mai 2017 eine Zahlungsvereinbarung.

Bei der Befragung der beiden Angeklagten durch Gerichtspräsident Peter Turnherr stellte sich heraus, dass der Ehemann die treibende Kraft hinter den Betrügereien war. «Ich ging davon aus, dass die Rechnungen bezahlt würden und habe von den 50 verschiedenen Mailadressen nichts gewusst», betonte Radenka nochmals.

Ratko gab zu, dass er für die Bestellungen immer wieder eine neue Mailadresse verwendet hatte, weil sonst nichts mehr geliefert worden wäre.

Die Urteile lauteten: 9 Monate bedingte Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von vier Jahren für Ratko, 8 Monate bedingt bei einer Probezeit von ebenfalls vier Jahren für Radenka. «Sie dürfen sich in der Probezeit nichts zuschulden kommen lassen», warnte der Gerichtspräsident die zwei Angeklagten, «sonst müssen Sie ins Gefängnis.»