«Im öffentlich zugänglichen Raum» hätte der Riesenschnauzer «Tyson» einen Maulkorb tragen und an der kurzen Leine geführt werden sollen. Diese Verfügung erliess das Veterinäramt schon vor fünf Jahren.

Die Halterin von «Tyson» verstand die Auflage falsch. Sie glaubte, dies gelte nur in Restaurants, Läden oder einem Zelt, und liess den als unberechenbar geltenden Hund auf einem Spaziergang ohne Leine und Maulkorb im Wald frei laufen.

Ein Biss mit Folgen

Dabei kam es zu einer kurzen, heftigen Begegnung mit einem Jogger und seinem Hund, einem Appenzeller-Mischling. Der Jogger hielt seinen Hund korrekt an der Leine. Prompt biss «Tyson» den Appenzeller. Ein Tierarzt musste ihn deswegen verarzten.

Die Halterin von «Tyson» begriff die Welt nicht mehr, als sie vom Staatsanwalt eine Busse von 300 Franken, nebst den Verfahrenskosten von 470 Franken, erhielt. Die Hundehalterin focht den Strafbefehl an, in der Meinung, dass sie im Recht sei. Die Geschichte landete deshalb auf dem Pult des Bremgarter Gerichtspräsidenten Lukas Trost.

Trost beschwor die Hundehalterin, sie solle ihre Einsprache zurückziehen und die Busse akzeptieren. «Sie haben mit Sicherheit einen Fehler gemacht und die Auflagen des
Veterinäramts missachtet», meinte er gestern an der Gerichtsverhandlung.

Mit Absicht nicht an der Leine?

«Ich tendiere dazu, dass sie Ihren Hund mit Absicht nicht an der Leine und ohne Maulkorb durch den Wald begleitet haben. Deshalb müsste ich Sie härter bestrafen, als das der Staatsanwalt getan hat. Dieser hat angenommen, dass Sie nur fahrlässig gegen das Gesetz verstossen haben, und deshalb nur eine kleine Busse ausgesprochen», sagte Trost.

Die Hundehalterin war sich keiner Schuld bewusst: «Der Jogger hat sich mit seinem Hund angeschlichen. Deshalb ist hat ‹Tyson› so reagiert und den Appenzeller gebissen.» Die Frau erklärte, dass sie schon lange arbeitslos sei und die verhängte Busse nicht bezahlen könne.

«Macht doch, was ihr wollt. Gebt mir eine Busse von 10'000 Franken oder schickt mich ins Gefängnis. Mir ist alles egal», erklärte sie unter Tränen. «Man will mich über den Tisch ziehen und behandelt mich wie einen Füdlibürger», meinte die Frau.

«Beim Kauf von ‹Tyson› bin ich getäuscht worden. Ich wollte einen reinrassigen Riesenschnauzer kaufen. Stattdessen wurde mir ein Mischling untergeschoben. Und der hat nun mal nicht so gute Charaktereigenschaften wie ein reinrassiger Hund.»

Einsprache zurückgezogen

Gerichtspräsident Trost konnte die Hundehalterin nach mehreren Anläufen davon überzeugen, die Einsprache zurückzuziehen. Trost versprach ihr, er werde sich dafür einsetzen, dass sie die Busse in Raten abstottern könne. Damit konnte das Gericht einen Bagatellfall abschliessen, bevor er richtig teuer wurde.