Bremgarten

Richter Turnherr sitzt vor einer fast 200-jährigen Rarität

Eine Hirtenszene aus der fünfteiligen, farbigen Panoramatapete; links Peter Thurnherr, der Bremgarter Bezirksgerichtspräsident. sl

Eine Hirtenszene aus der fünfteiligen, farbigen Panoramatapete; links Peter Thurnherr, der Bremgarter Bezirksgerichtspräsident. sl

Die Rixheimer Tapete im Rathausbüro des Bremgarter Gerichtspräsidenten soll nächstes Jahr sanft restauriert werden. Die handbedruckte Tapete wird gereinigt und soll eine neue Umrahmung erhalten.

Das unter Denkmalschutz stehende Rathaus-Hauptgebäude der Ortsbürgergemeinde Bremgarten beherbergt mehrere kunstgeschichtliche Schätze. Einer davon ist die Rixheimer Tapete. Es handelt sich um die Panoramatapete «Petite Hélvetique» im Büro von Bezirksgerichtspräsident Peter Thurnherr im ersten Stock des Rathauses Bremgarten. Auf dem handbedruckten, mehrteiligen farbigen Werk sind Schweizer Ideallandschaften und Hirtenszenen dargestellt.

Anno 1819/1820 angefertigt

Laut Denkmalpfleger Reto Nussbaumer hat die Bremgarter Wandbekleidung bezüglich Machart und Grösse Seltenheitswert. Im Aargau finde man nur sehr wenig derartige Tapeten. So im Rathaus Lenzburg, wo eine Rixheimer Panoramatapete betitelt mit «Vue de Suisse» vorhanden sei. Ansonsten gebe es bloss einzelne Bürgerhäuser in Zofingen, die mit solchen Tapeten geschmückt sind.

Die Bremgarter Tapete wurde 1819/1820 im elsässischen Rixheim in einem aufwendigen Verfahren – mittels Druckstöcken und Papierbahnen – gestaltet. Die Herstellerfirma Zuber existiert heute noch. Sie soll die weltweit letzte Produktionsstätte sein, die Tapeten und Stoffe nach Holzmodell-Vorlagen anfertigt; heute besitzt das Elsässer Unternehmen Geschäfte mit Schauräumen in New York, Paris, London und anderen Grossstädten.

Ursprünglich umfasste die Bremgarter Tapete, die man im Lauf der Jahrzehnte mehrmals überholen liess, zwei sehr grosse, flächendeckende Teile. Vor Jahrzehnten wurden die zwei Werke in die heutige Form mit vier grösseren Teilen und einem kleineren Teil abgeändert.

Restauration für 80000 Franken

Vor wenigen Tagen genehmigten die Bremgarter Ortsbürger ihr Budget 2013. Im Budget ist ein Betrag von 80000 Franken enthalten für die Restauration des Büros von Gerichtspräsident Peter Thurnherr. Laut Denkmalpfleger Reto Nussbaumer wird die Tapete nächstes Jahr fachgerecht gereinigt. Nebst dieser Oberflächenreinigung soll die Umrahmung der Tapetenbilder mit den grossen Wandflächen ansprechender und farblich gefälliger ausgestaltet werden. Die mit dem Budget beschlossene sanfte Restauration umfasst auch das Holzwerk im Gerichtsbüro, darunter das Knie-Täfer an den Wänden. Zudem soll die dortige Stuckatur-Decke überholt werden.

Bis auf wenige Finish-Arbeiten ist soeben die Renovation des Stadtratssaals im zweiten Stock des Rathauses zu Kosten von rund 125000 Franken abgeschlossen worden. Nebst anderem wurde der Holzboden der Ratsstube erneuert.

Nach der Restauration soll die Panoramatapete bei einem Tag der offenen Tür öffentlich besichtigt werden können. Die kostbarsten Bremgarter Bürgerschätze übrigens, darunter Kannen, Silberschalen und Becher aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, befinden sich nicht im Städtchen, sondern im Landesmuseum in Zürich.

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