Mutschellen
Rhetorik-Coach hilft Sekschülern: «Sich zu bewerben, ist wie flirten»

Die Schüler der Kreisschule erhalten von einem Rhetorikspezialisten Unterstützung bei der Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. Sie mussten spätestens jetzt feststellen, dass gute Noten allein nicht ausreichen.

Dominic Kobelt
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Thomas Skipwith erklärt den Schülerinnen und Schülern, was es bei einem Vorstellungsgespräch zu beachten gilt.

Thomas Skipwith erklärt den Schülerinnen und Schülern, was es bei einem Vorstellungsgespräch zu beachten gilt.

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Der Rhetorikprofi Thomas Skipwith unterrichtet normalerweise Abteilungsleiter, Manager oder andere Erwachsene, die Vorträge halten müssen. Leute mit Worten zu packen, sie aus der Reserve zu locken, zum Nachdenken zu bringen, das ist sein Metier.

Heute stand er aber nicht vor Erwachsenen, drei Abschlussklassen der Sekundarschule waren sein Publikum. Er sollte den knapp 50 Schülerinnen und Schülern der Kreisschule Mutschellen zeigen, wie sie sich im Bewerbungsgespräch möglichst gut verkaufen können.

Skipwith hatte ihnen einige Tipps mitzugeben: «Es ist wie beim Flirten, es kommt auf den Eindruck an.» Ein paar Mädchen kichern, die Jungs nicken verständnisvoll.

«Es zählen nicht nur die Noten, sondern auch wie ihr angezogen seid oder was ihr in eurer Freizeit so macht», erklärte Skipwith. Wer eigene Projekte auf die Beine stelle oder in Vereinen mitwirke, zeige damit auch, dass er vielseitige Interessen und praktische Erfahrung habe. «Zudem lernt ihr, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten – Teamwork, wie es überall gefordert wird.»

Übung macht den Meister

Wichtigster Teil des Workshops war dann eine Übung, bei der sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig interviewen konnten. Ihre Erfahrungen teilten sie anschliessend dem Plenum mit.

«Ich wusste nichts zu erzählen», sagte eine Schülerin ehrlich heraus. «Das wäre bei einem Bewerbungsgespräch nicht gut, aber du hast es jetzt wenigstens gemerkt», erklärte der Fachmann. Wichtig sei, dass man das Gespräch übe, mit anderen Schülern, mit Eltern oder Geschwistern.

Das sei ähnlich wie bei Präsentationen. «Manche haben das Gefühl, wenn sie die Powerpoint-Folien zusammengestellt haben, seien sie fertig mit den Vorbereitungen. Aber man muss auch üben, was man sagen will.» Das Gehirn könne etwa 600–700 Wörter pro Minute denken, aber der Mund nur 100 davon aussprechen – ein Engpass.

Ungenutztes Gratisangebot

Thomas Skipwith ist Mitglied der German Speakers Association – ein international vernetzter Berufsverband für professionelle Redner, Trainer und Weiterbildner im deutschsprachigen Raum. Die Organisation war deshalb im Rahmen des «Deutschen Weiterbildungstages» an den Schulen präsent – und dieses Angebot war sogar gratis.

Während in Deutschland und Österreich schon viele von dem Angebot gebrauch machen, war die Kreisschule Mutschellen die erste der Schweiz, die davon profitierte.

Zustande gekommen ist das Arrangement, weil einer der Klassenlehrer, Urs Giezendanner, zusammen mit Thomas Skipwith im Rhetorik Club Mutschellen wirkt. «Es ist wichtig, dass jemand von aussen kommt – ich gebe den Schülern auch Tipps, aber das hat nicht dieselbe Wirkung», sagt Giezendanner.

Er hat auch schon eine Personalfachfrau eingeladen, die den Schülern Ratschläge gab. «Es ist wichtig, dass sie in diesem Bereich Unterstützung erhalten. Sie müssen sonst schon sehr viel selber machen.»