Rückblick
Reusstaler Bauern führten die heftige Opposition an

Mittlerweile zehn Jahre dauern die Ausbaubemühungen des Starkstromleitungsnetzes zwischen Niederwil und Obfelden. Wenn alles glatt läuft, kann die neue Leitung 2022 in Betrieb genommen werden.

Lukas Schumacher
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Nahe am Wohngebiet: Stromleitungen im Gemeindebann Niederwil.

Nahe am Wohngebiet: Stromleitungen im Gemeindebann Niederwil.

SL

Per Festsetzung des Planungsgebiets hat man ein neues Kapitel in der langwierigen Geschichte um den Ausbau der Starkstromleitung in unserer Region aufgeschlagen. Die weiteren Kapitel folgen in den nächsten Jahren: Zuerst wird der Bundesrat den eigentlichen Planungskorridor bestimmen.

Innerhalb dieses Korridors wird Swissgrid anschliessend die genaue Linienführung (Trassee) festlegen, das Projekt ausarbeiten und das Genehmigungsverfahren mit öffentlichen Planlauflagen starten.

Frühestens 2022 in Betrieb

Swissgrid geht davon aus, dass unter optimalen Bedingungen die neue Leitung 2022 in Betrieb genommen werden kann. Gibt es wieder Opposition, wird man diese Zeittafel wohl erneut nach hinten verschieben müssen.

Heute sind erst zwei Teilstrecken auf die geplante, durchgängige Spannungserhöhung von 220 auf 380 Kilovolt erweitert: die Etappe am Waldrand längs des Gewerbegebiets Oberebenestrasse in Bremgarten und der Schlussabschnitt im Nachbarkanton Zürich bei Ottenbach zum Unterwerk Obfelden.

Kernfragen stehen später an

Welche Linienführung wird gewählt? Und setzt man auf die Bodenverkabelung oder die Freileitung? Wird auf einigen Abschnitten die Bodenmethode realisiert und auf anderen die Variante Freileitung mit hohen Strommasten? Diese Fragen werden erst in einer späteren Planungsphase entschieden.

2006 löste die geplante oberirdische Stromleitungs-Erweiterung der NOK (Nordostschweizerische Kraftwerke) in Niederwil und Fischbach-Göslikon, später auch in Hermetschwil-Staffeln, Widerstand aus. Ohne diese Oppositionswelle wäre das neue Freileitungsnetz mit der deutlich höheren Stromtransport-Kapazität wohl bereits gebaut.

Landwirte wehren sich

Im Mai 2007 waren es Landwirte aus Niederwil und Fischbach-Göslikon, die am NOK-Sitz in Baden eine Petition mit 321 Unterschriften überreichten. Die geplante neue Leitung solle bitteschön in den Boden verlegt werden, sagten die Landwirte bei der Übergabe der Bittschrift.

Falls die NOK auf dem drei Kilometer langen Abschnitt zwischen Niederwil und Fischbach-Göslikon weiterhin auf Freileitungsmasten setze, müssten nicht nur die Wohngebiete, sondern auch die Naherholungsgebiet und Bauernhöfe entlastet werden.

Der Vorschlag der Landwirte: Variante Südwest über den Wald realisieren. Aus dieser Interessengemeinschaft ging im März 2009 der Verein «Verträgliche Starkstromleitung Reusstal» hervor, der einen Monat später die kantonale Petition «Hochspannungsleitung im Reusstal unter den Boden» einreichte. 2012 entschied Swissgrid, das Eigentümerin des nationalen Stromnetzes gewordene Unternehmen, den Ausbau des Reusstal-Leitungsnetzes neu aufzugleisen.