Niederwil
Reusspark-Zentrum war einst ein Kloster – am Museumstag weiss man mehr

Wussten Sie, dass im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal einst eine Tabakfabrik untergebracht war? Nein? – Vielen Menschen ist nicht einmal bewusst, dass im heutigen Zentrum für Pflege und Betreuung Reusspark einst ein Kloster war.

Susanne Brem
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Reusspark-Zentrum war einst ein Kloster – am Museumstag erfährt man mehr.

Reusspark-Zentrum war einst ein Kloster – am Museumstag erfährt man mehr.

Irene Briner, Kulturverantwortliche im Reusspark, hat sich mit der Geschichte des ehemaligen Klosters auseinandergesetzt und in Zusammenarbeit mit der Kantonsbibliothek in Aarau die alten Akten studiert.

Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal hat seinen Ursprung im 13. Jahrhundert. Spätestens ab 1297 stand das Kloster unter der Obhut des benachbarten Zisterzienserklosters Wettingen. Die Nonnen aus dem Gnadenthal erschufen sich ihre Lebensgrundlage unter anderem mit einer Hostienbäckerei. «Hier drüben befindet sich die ehemalige Kornschütte», erklärt Irene Briner, «hier mussten die Bauern den Zehnten abliefern.»

Das meiste dieser Erträge ging ans Kloster Wettingen. Einen Teil behielt das Kloster aber für sich. Mit dem Getreide buken die Nonnen Hostien für den Weiterverkauf an andere Kirchen. Später spezialisierten sie sich im Kunsthandwerk mit Reliquien: Sie umgaben Knöchelchen von Heiligen und Märtyrern mit Silber und Perlen, drapierten die sterblichen Überreste in schönen Stoffen und stellten sie in aufwendigen Schmuckkästen zur Schau. Auch kostbare Stickereien, zum Beispiel Altartücher, haben die Nonnen hier hergestellt.

Gleich zweimal brannte das Kloster

Bis zum ersten Brand 1432 erlebte das Kloster eine eigentliche Blütezeit. Man erhielt sogar die niedere Gerichtsbarkeit über die umliegenden Dörfer Niederrohrdorf und Nesselnbach. 1608 wurde der Konvent ein zweites Mal ein Raub der Flammen. Beide Male wurde das Kloster zwar wieder aufgebaut. Aber wirtschaftlich gesehen war es jedes Mal ein gewaltiger Rückschlag, von dem man sich nur sehr langsam erholen konnte.

Dennoch gelang es der Äbtissin Maria Anna Margaretha Pfyffer im Jahr 1665 dank ihren guten Kontakten zu ihrem Bruder, der in Rom bei der Schweizergarde Kommandant war, die Gebeine der heiligen Justa von Spanien zu sich ins Kloster Gnadenthal zu bringen. Damit konnte das Kloster seine Stellung stärken. Im Jahr 1684 bat die gleiche Äbtissin Maria Anna Margaretha Pfyffer den Zuger Ammann Beat Jakob Zurlauben um eine finanzielle Unterstützung für die Erweiterung der Klosterkirche, weil so viele Menschen zur Heiligen Justa pilgerten, dass im Kirchlein kaum mehr Platz für so viele Menschen war.

Wertvolles Gebet- und Gesangbuch

Genau solche Briefwechsel werden nun zum ersten Mal gezeigt. Zudem werden Arzneirezepte, Backrezepte, ein Orgelbüchlein und ein Buch über Pferdedressur zu sehen sein. Und noch eine Trouvaille: Um 1410 entstand in Prag ein grosses, reich illustriertes, 40 Kilogramm schweres Gebet- und Gesangbuch. Höchstwahrscheinlich wurde es für König Wenzel angefertigt. Wie dieses prachtvolle Zisterzienser Graduale aus Prag jemals ins Kloster Gnadenthal kam, ist unbekannt. Fakt ist, es war hier und es ist heute eines der wertvollsten Bücher, die die Kantonsbibliothek Luzern zu bieten hat. Sein Wert wird auf 2 Millionen Franken beziffert. Am Museumstag werden einige handkolorierte Auszüge daraus gezeigt.

1876 wurde das Kloster aufgelöst. Kurz danach verkaufte der Kanton Aargau das Kloster mit Mobiliar sowie der Reussfähre an zwei Industrielle aus Baden. Die beiden planten, in den Gebäuden eine Tabak- und Zigarrenfabrik einzurichten. 1877 eröffnete die Fabrik. Der erwartete Gewinn blieb jedoch aus. Nur 17 Jahre später musste das ehemalige Kloster weiterverkauft werden. Ein Dekan, ein Arzt und ein Pfarrer erstanden das Anwesen für 160 000 Franken mit der Absicht, in den Gebäuden eine Pflegeanstalt für ältere und chronisch kranke Menschen einzurichten. Und ein Pflegeheim ist der Reusspark bis heute geblieben.

Das Kloster Gnadenthal wartet am 18. Mai mit einigen Attraktionen auf. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte.