Gestern eröffneten die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli und Reusspark-Direktor Thomas Peterhans das neue Haus «Rotonda» im Reusspark im Gnadenthal mit 68 Pflegebetten für betagte psychisch erkrankte Patienten und dem Tages- und Nachtzentrum.

Der Reusspark wolle mit dem neuen Haus die Rolle eines «Türöffners» spielen und bei der Bevölkerung das Verständnis für heute noch weitgehend stigmatisierte psychische Erkrankungen wecken, stellte Peterhans an der Einweihungsfeier fest. «Jeder Dritte unter uns hat einmal im Leben ein psychisches Problem.»

Schon immer einen Schritt voraus

Das Reusspark-Team habe sich gut überlegt, wie das ehemalige Personalhaus umgenutzt werden könnte, berichtete Peterhans. «Keine Idee war tabu: von Alterswohnungen über Hotelzimmer bis zum Schulungszentrum oder der Golfakademie haben wir alles diskutiert.» Mit dem Haus «Rotonda» habe man die richtige Wahl getroffen. Damit könne der Reusspark im Tages- und Nachtzentrum vorübergehend betagte Menschen aufnehmen und ihnen die Chance geben, den Heimeintritt weiter hinauszuschieben. Auf der anderen Seite könnten die in die tägliche Betreuungsarbeit eingespannten Angehörigen wirksam entlastet werden.

Der Reusspark habe in den letzten 50 Jahren immer wieder mit mutigen Schritten auf sich aufmerksam gemacht, stellte Peterhans fest: Schon vor 30 Jahren war das Heim mit der ersten geschlossenen Dementenstation und später mit der Eröffnung einer Palliativ-Care-Pflegeabteilung Vorreiter. Das Pflegepersonal für das Haus «Rotonda» habe der Reusspark auf einem eher ungewöhnlichen Weg gefunden: Mit einem Videofilm, übers Facebook und mit grossflächigen Strassenplakaten, erwähnte der Reusspark-Direktor. «Manchmal muss man ein bisschen frech sein. Für uns hat sich dies gelohnt.»

«Heimat und Geborgenheit»

Ein dickes Lob sprach die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli dem Reusspark für seine mutige Tat aus. Sie erinnerte daran, dass im Aargau bis 2035 doppelt so viele Rentner und dreimal so viele über 80-jährige Menschen leben werden. Auf einen Teil von ihnen, die pflegebedürftig werden könnten, sei das Haus «Rotonda» zugeschnitten. Das Haus biete den Patienten mehr als ein Dach über dem Kopf. «Sie bieten das, was wir Menschen im Leben alle brauchen: Heimat und Geborgenheit.» Hochuli brachte den Reusspark-Verantwortlichen den zwischen dem Kanton und dem Heim abgeschlossenen Leistungsvertrag mit. «Die Tinte ist noch feucht. Aber die Unterschrift ist gültig», betonte die Regierungsrätin.

Das Haus Rotonda sei wohnlich gestaltet worden und lasse den Sonnenschein herein, erklärte Architekt Ruedi Dietiker vom Team der Architheke AG in Brugg. Über 300 Personen, unter ihnen die Farbberaterin Cornelia Cottiati, seien am Bau beteiligt gewesen. Als Präsident des Trägervereins Gnadenthal hob Werner Huber (Wohlen) hervor, dass eine Gesellschaft, die Unsummen für die Mobilität ausgebe, gut beraten sei, wenn sie auch Geld für Menschen übrig habe, die nicht mehr mobil seien und Pflege benötigten.