Niederwil
Reusspark bietet nicht mehr «bloss» Sterbebegleitung

Das Pflegezentrum Reusspark hat das Label «Qualität in Palliative Care» erhalten. Der Ausbau der Kompetenzen ist eine Reaktion auf das gesteigerte Pflegebedürfnis.

Lisa Stutz
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Walter Brunner überreicht Michelle Randazzo die Auszeichnung. lis

Walter Brunner überreicht Michelle Randazzo die Auszeichnung. lis

Unheilbar kranken Menschen eine möglichst hohe Lebensqualität sichern – das kann der Reusspark nun offiziell. Dies ist auch das Hauptziel von «Palliative Care» (siehe kleiner Text rechts). Soeben hat das Pflegezentrum eine Zertifizierung von palliative.ch erhalten, der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Betreuung.

Reusspark-Direktor Thomas Peterhans zeigte sich hocherfreut über das Label «Qualität in Palliative Care»: «Wir erhalten diese Auszeichnung, weil wir Palliative Care zu einer Unternehmensphilosophie, also zu einer eigentlichen Kultur im ganzen Haus ausgebaut haben.»

Zweites Pflegeheim mit Label

Als Reaktion darauf, dass in den letzten Jahren die Pflegebedürftigkeit stark zugenommen hat und die Betagten älter und kränker ins Pflegezentrum Reusspark kommen, hat man die Kompetenz im Bereich Palliative Care gesamtbetrieblich konsequent gefördert. «Nach mehrjähriger intensiver Schulung und Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir uns einem Audit gestellt», sagte Peterhans. Das Ergebnis dieses Audits ist das Label, das der Reusspark als zweites spitalunabhängiges Pflegeheim in der Schweiz jetzt erhalten hat; die erste mit diesem Label ausgezeichnete Institution ist das Pflegezentrum Bächli in Bassersdorf ZH.

Thementräger auf Wohnbereichen

Michelle Randazzo, die Leiterin Geriatrie und Projektleiterin Palliative Care, erläuterte die Etappen auf dem Weg zur Zertifizierung: «Im Jahr 2005 wurde im Wohnbereich eine erste Palliative-Care - Einheit mit vier Betten eröffnet. Schon damals wurde Pionierarbeit geleistet.» 2007 entstand das erste Palliative-Care - Konzept des Reussparks. «Aus diesem Konzept gingen die ‹Thementräger Palliative Care› hervor. In jedem unserer Wohnbereiche ist eine Thementrägerin oder ein Thementräger im Einsatz. Diese Personen treffen sich regelmässig, um Erfahrungen auszutauschen und neues Wissen weiterzugeben», so die Projektleiterin. Im Jahr 2012 wurde im Reusspark das Konzept Palliative Care schliesslich von Grund auf überarbeitet, auch weil sich Palliative Care in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat.

Reusspark erfüllt alle Kriterien

«Wir haben den Reusspark während eines eintägigen Audits kontrolliert», teilte Walter Brunner, Geschäftsleiter und Vorstandmitglied von palliative ch, mit. «Das Pflegezentrum erfüllt alle Kriterien, die es für das Qualitätslabel C braucht.»

Alle Redner waren sich darin einig, dass Palliative Care nicht mehr «bloss» Sterbebegleitung sei. «Es geht nicht mehr ausschliesslich um die allerletzte Lebensphase. Der Einsatz von Palliative Care kann schon ab dem Zeitpunkt der Diagnose beginnen», sagte Randazzo. Peterhans fügte hinzu: «Die Bewohner haben nur noch eine klar begrenzte Lebenszeit vor sich. Ob das nun ein paar Tage sind oder zwei bis drei Jahre – wir möchten ihnen trotz der schwierigen Lebenssituation eine möglichst hohe Lebensqualität bieten.»

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