Wohlen
Die verschmutzte Reuss erregt die Gemüter: Woher stammt der ganze Abfall?

Es war Kajakfahrer Beat Gerber, der die AZ Freiamt auf die verschmutzten Bäume entlang des Reussufers aufmerksam machte. Eine Nachfrage beim Kanton ergab, dass es sich um ein normales Phänomen handelt, das bei Hochwasser vorkommt. Doch nun haben sich weitere Leserinnen und Leser gemeldet, die ganz anderer Meinung sind.

Nathalie Wolgensinger
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Die Sonne hat viele Plastikteile ausgebleicht, sie sind erst auf den zweiten Blick ersichtlich.

Die Sonne hat viele Plastikteile ausgebleicht, sie sind erst auf den zweiten Blick ersichtlich.

Nathalie Wolgensinger

«Das ist mehr als bloss ein wenig Abfall, für mich sieht das aus, als ob eine Kläranlage überlaufen wäre», regt sich Brigitte Werren aus Wohlen auf. Sie ist mit dem Kajak regelmässig auf der Reuss unterwegs. Auch sie machte die gleiche Beobachtung wie Beat Gerber, der sich bei der AZ meldete und ein Video vom verschmutzten Flussufer zur Verfügung stellte.

Der Westschweizer war letzte Woche auf der Reuss unterwegs und stellte fest, dass praktisch alle Bäume am Flussufer übersät sind mit Plastikfetzen. Als begeisterter Kajakfahrer sei er auf vielen Schweizer Flüssen unterwegs, so etwas habe er aber noch nie gesehen, gab er zu Protokoll.

Die Nachfrage bei Hans-Peter Nussbaum, dem Leiter Fachbereich Gewässerunterhalt des Kantons Aargau, brachte Licht ins Dunkel. Er klärte auf, dass es sich um ein normales Phänomen handle, das man oft nach Hochwassern beobachte. Der Wind wehe den Plastikabfall in die Gewässer, und dort bleiben die Plastikstücke in den Ästen der Bäume hängen, so seine Erklärung.

Eine Leserin widerspricht: «Das kann nicht sein»

Dem widerspricht Brigitte Werren deutlich: «Das kann nicht sein, so viel Abfall liegt nicht auf den Strassen.» Ein Leser aus Mülligen, der zwanzig Meter entfernt von der Reuss lebt, widerspricht diesen Aussagen ebenfalls. Er bezeichnet die Begründung, dass der Wind die Verschmutzung in das Gewässer getragen hat, als abenteuerlich. Wenn dies so wäre, müsste man doch viele Hygienemasken an den Bäumen hängen sehen, gibt er zu bedenken.

Niklaus Peyer, Leiter der Gruppe Information und Aufsicht des Rottenschwiler Zieglerhauses, muss es wissen. Er ist regelmässig an der Reuss unterwegs. Er erklärt:

«Wir beobachten, dass das Littering seit dem Ausbruch der Pandemie stark zugenommen hat. Das macht sich nach einem Hochwasser bemerkbar. Dann hängen viele Plastikteile in den Bäumen.»

Dass es mehr wäre als in den Jahren zuvor, kann er nicht bestätigen. Bestätigen kann er hingegen, dass dies ein Problem für die Natur ist. Hans-Peter Nussbaumer, der Leiter des Fachbereiches Gewässerunterhalt, lancierte die Idee, dass Freiwillige die Plastikfetzen einsammeln. Davon rät der Leser aus Mülligen aber dringend ab: Um die Bäume von den Plastikteilen zu befreien, müsse man sich gefährlich nah ans Wasser begeben. Wenn man dabei ausrutsche und in die Reuss falle, sei die Gefahr gross, dass man dabei gegen einen der vielen Bäume getrieben werde. Sich ohne fremde Hilfe aus dieser misslichen Lage zu befreien, sei schwierig.

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