Waltenschwil
Restauranttester Bumann will der «Bünzbrücke» aus dem Tief helfen

Im Frühling 2014 läuft auf dem TV-Sender 3+ die nächste Staffel mit Restauranttester Daniel Bumann. Eine Sendung wird im Waltenschwiler Restaurant Bünzbrücke abgedreht. Am Freitag dürfen Gäste dabei sein.

Toni Widmer
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Doris und Gieri Caduff mit Restauranttester Daniel Bumann (Mitte) bei den Dreharbeiten.

Doris und Gieri Caduff mit Restauranttester Daniel Bumann (Mitte) bei den Dreharbeiten.

Toni Widmer

Er ist so konsequent und direkt, wie er in der bereits legendären Serie rüberkommt: «Ich ziehe keine Show ab. Mir bleiben vier Tage, um herauszufinden, wo es in einem Betrieb harzt. Da bleibt keine Zeit zum Plaudern. Wir müssen rasch auf den Punkt kommen und handeln», sagt Daniel Bumann.

Als Restauranttester ist der Spitzenkoch, der mit Gattin Ingrid das «Bumanns Chesa Pirani» in La Punt führt (18 «Gault Millau»-Punkte, 2 Sterne im «Guide Rouge Michelin») einem breiten Fernsehpublikum bekannt geworden. Wirte-Nothelfer wäre der passendere Name. Er soll es dort richten, wo es schon länger lichterloh brennt.

Küche gut, Gäste fehlen

Für die nächste Staffel tut er das in der «Bünzbrücke» in Waltenschwil, einem sauber wirkenden Lokal mit 38 Plätzen im Restaurant, 30 Plätzen in der (Raucher-)Bar, Säli für 24 Personen und kleiner Terrasse. Das Bündner Paar Doris und Gieri Caduff hat die «Bünzbrücke» vor zwei Jahren übernommen. In Unkenntnis der «wechselhaften» Vorgeschichte. Und nicht wie gewünscht zum Laufen gebracht. «Wir haben guten Kontakt zur Dorfbevölkerung, auch die Vereine dürfen wir zu den Gästen zählen. Aber es reicht nicht, die Konstanz fehlt. Wir müssten mehr und regelmässiger Gäste zum Essen am Mittag und Abend haben», sagt Gieri Caduff.

«An der Küche liegt es nicht», soviel hat Bumann bis gestern Nachmittag festgestellt. «Das Essen ist gut bis sehr gut, die Karte mit den verschiedenen Bündner-Spezialitäten abwechslungsreich und speziell. An der Freundlichkeit kann es ebenfalls nicht liegen.»

Kaum mehr Luft zum Atmen

Die Probleme lägen anderswo, sagt der Nothelfer. Ein paar habe er schon lokalisiert, aber er könne ja nicht schon zu Beginn der Dreharbeiten die ganze Sendung vom Frühling verraten. «Die Situation des Wirte-Paars ist aus verschiedenen Gründen zu angespannt, sie haben zu wenig Spielraum, weitere Ideen umzusetzen und das an sich gute Konzept noch weiter zu verbessern.» Es müsse mehr Luft zum Atmen her für die Caduffs. Und das so rasch wie möglich.

Wenn Daniel Bumann ein Restaurant analysiert, schaut er nicht nur in Pfannen und Kühlschränke oder darauf, wie die Tische gedeckt sind. «Das Umfeld spielt eine immer grössere Rolle in der Gastronomie», sagt der erfahrene und erfolgreiche Profi.

Umfeld ist schwierig geworden

«Hat sich je eine Zeitung vertieft mit der Problematik befasst, in der sich unsere Branche bewegt? Die Leute wollen gut, frisch und gesund essen, aber immer weniger dafür bezahlen.» Ein Mittagsmenü, bringt er einen Vergleich, koste heute praktisch noch gleich viel wie vor 30 Jahren. Die Lebenshaltungskosten seien seither jedoch um ein Vielfaches gestiegen.

«Ich frage Sie, wie soll das aufgehen? Mit dieser Situation haben sogar Spitzenköche Mühe. Der Konkurrenzkampf wird immer härter, doch der Konsument ist nicht bereit, etwas mehr zu bezahlen. Im Gegenteil.» Der Bund, sagt Bumann, unterstütze die Schweizer Bauern und helfe der Wirtschaft mit Steuererleichterungen. Er habe nichts dagegen. «Doch», fragt er, «setzt sich in der Schweiz auch jemand für das Überleben unserer Beizenkultur ein?»

Zurück nach Waltenschwil. Dort wirbelt Daniel Bumann noch bis Freitag für das Überleben der Caduffs in der «Bünzbrücke». Ob es ihm gelingt, wird die Zukunft zeigen. Am Freitag ab 11.30 Uhr dürfen Gäste die Dreharbeiten verfolgen und sich davon überzeugen, wie gut in der «Bünzbrücke» gekocht wird. «Ich hoffe, dass sich viele Leute einen Platz reservieren und etwas Bündner Gastlichkeit im Aargau geniessen», sagt Bumann.