Bremgarten
Restaurant hat 200'000 Franken Schulden – jetzt soll Fernseh-Koch helfen

Heute haucht Fernseh-Koch Daniel Bumann auf dem TV-Sender 3+ dem Bremgarter Ristorante «Sancti Bono» neues Leben ein. Es ist zwar gut besucht, aber trotzdem läuft einiges falsch.

Robert Benz
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Starkoch Bumann (rechts) spricht in der Sendung Klartext: «Das habe ich gebraucht», sagt Toni Marcianelli, Wirt des Restaurants Sancti Bono (links).

Starkoch Bumann (rechts) spricht in der Sendung Klartext: «Das habe ich gebraucht», sagt Toni Marcianelli, Wirt des Restaurants Sancti Bono (links).

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Wer ist hier der Hengst? Restauranttester Daniel Bumann knöpft sich Wirt Antonio Marcianelli vor, betitelt diesen als «italienischen Hengst», geht mit dem angeschlagenen Wirt aber nicht weniger hart ins Gericht. Eine Woche nimmt sich Spitzenkoch Bumann Zeit, das Lokal in der Bremgarter Altstadt auf Vordermann zu bringen. Die Kameras des TV-Senders 3+ schneiden alles mit. Am Montagabend um 20.15 Uhr flimmert das Resultat über den Bildschirm, und es wird klar: «Empfehlungen» von Bumann sind klare Ansagen – und bitter nötig.

Wer die Sendung und das Ristorante in der Altstadt kennt, stutzt hier erst einmal. 3+ sucht sich vornehmlich Lokale aus, wo die Küche grottig und das Personal demotiviert ist. Irgendetwas liegt immer im Argen, wenn ein Kamerateam aufkreuzt. Was also hat der Restauranttester im stets gut besuchten Ristorante «Sancti Bono» mit der hausgemachten Pasta und dem charismatischen Wirt zu suchen?

Auf die Beweggründe für seine Bewerbung bei 3+ angesprochen, lächelt Wirt Marcianelli verschmitzt und meint: «Ganz klar, als Gastronom habe ich doch immer zu wenige Gäste. Da brauche ich möglichst viel Aufmerksamkeit in den Medien.»

Restauranttester Bumann kommt schneller zum wunden Punkt: Marcianellis Schuldenlast. «Tonis Schulden sind wirklich sehr gross. Wenn er jetzt keine Disziplin an den Tag legt, hat er auf Dauer keine Chance», mahnt Bumann. Doch schon zu Beginn der Sendung wird klar, dass die Schulden nicht von ungefähr kommen. Lange Wartezeiten, kurze Öffnungszeiten, mangelnde Kalkulation – es liegt einiges im Argen.

Der exakte Schuldenbetrag, den Marcianelli heute aufweist, ist nicht bekannt. Nach übereinstimmenden Informationen von 3+ und Marcianelli selbst, sind es aber mehr als 200'000 Franken. Bumann versteht nicht wirklich, wie es so weit kommen konnte. «Mit einem kleinen Betrieb eine so grosse Summe zurückzuerwirtschaften, ist nicht einfach», ergänzt er. Es sei aber keine unlösbare Aufgabe. «Wenn ich das jemandem zutraue, dann dem Toni.»

Wer trägt schuld an der finanziellen Misere von Marcianelli? Sind Bremgartens Gassen tot, wie Bumann schockiert feststellte, und fehlen deshalb die Leute ? Im Vorfeld der Sendung sprach niemand mehr von «tot». Marcianelli erlaubte sich die Feststellung, die Strassen seien «ruhig», und Bumann: «Ich habe mir sagen lassen, das sei Bremgarten.»

Den Hauptgrund für seine missliche Lage vermutet Marcianelli anderswo. Nach gutem Start im März 2009 ist kurze Zeit später das Unglück in Form einer Baustelle über ihn hereingebrochen. Zehn lange Monate habe er jeweils rund 17'000 Franken Schulden angehäuft. Davon habe er sich noch nicht erholt. Seit vier Jahren habe er sich keinen Lohn mehr ausbezahlen können, sagt Marcianelli – und fügt zerknirscht an: «Ich lebe von meiner Frau. Können Sie sich das vorstellen?»

Marcianelli redet viel und schläft wenig. Bevor er im «Sancti Bono» um 15 Uhr mit den Vorbereitungen für den Abend beginnt, unterstützt er Hübscher Eventmarketing in der Organisation. Das «Sancti Bono» subventioniert er teils mit dem Geld aus diesem Job. Nach dem Aufräumen im Lokal fällt er spätnachts ins Bett.

«Wenn mich Bumann nicht ausgewählt hätte, gäbe es das ‹Sancti Bono› nicht mehr. Letztes Jahr wollte ich den Laden dicht machen», bekennt Marcianelli. Offenbar hat der gradlinige Walliser Spitzenkoch bei «Toni» voll eingeschlagen, noch serviert er Pizza und Pasta. Neben «Spaghetti Chitarra» empfiehlt er: «Fernseher einschalten, Bumann gucken!»