Ältere Semester können sich noch erinnern: Früher gab es die Schulpflege, den Rektor und das Schulsekretariat. Wer ein Problem hatte, meldete sich auf dem Sekretariat oder gleich beim Rektor. Dieser war in der Regel ein Mitglied des Lehrkörpers, war eine Respektsperson, hatte aber de facto wenig Kompetenzen.

Das änderte sich nach der Jahrtausendwende grundlegend, als ab 2003 die Einführung von Schulleitungen im Kanton Aargau schrittweise und ab 2006 flächendeckend verbindlich umgesetzt wurde.

Die Kreisschule Mutschellen (KSM) hatte damals schon die Nase vorn, weil sie als Projektschule der Segra (Schulen mit erweitertem Gestaltungsraum) bei der Erarbeitung des Grundlagenpapiers «Geleitete Schulen» mitbeteiligt war. «Von 2000 bis 2012 haben wir sämtliche Arten von Schulleitungsmodellen durchprobiert», erklärt Louis Isenmann, Gesamtschulleiter der KSM seit 2012. «Immer wieder mussten wir feststellen, dass wir dieselben Arbeiten zwei- bis dreimal machten.» Ein Problem, das viele Schulen kennen, die ihre Schulleitungsaufgaben auf verschiedene Stufenleiter verteilen.

Roland Gindrat wählte bewusst

Vor sieben Jahren kam Daniel Honegger neu in die Schulleitung der KSM. Er brachte dieselbe Idee mit, die Louis Isenmann auch schon zu Papier gebracht hatte: die Aufteilung der Schulleitungsaufgaben nach Ressorts und nicht nach Stufen. So übernahm Isenmann die Bereiche Personalführung, Administration/ Organisation, Finanzen und Kommunikation, derweil sein Kollege sich um den ganzen pädagogischen Bereich und das Qualitätsmanagement kümmerte.

Diese Aufteilung machte die Schulleitung effizienter und förderte gleichzeitig die innerschulische Zusammenarbeit. «In ganz vielen Dingen sind wir dadurch zu einer Schule geworden; die ganze Philosophie und Denkweise ist eine geworden», antwortet Isenmann auf die Frage, woran er den Erfolg ihres Leitungsmodells misst.

Am 1. Februar hat Roland Gindrat die Nachfolge von Daniel Honegger als pädagogischer Schulleiter angetreten, und das sehr bewusst: «Schulleiterstellen gibt es viele, aber dieses System gibt es bisher an öffentlichen Schulen meines Wissens nicht», verrät der 56-Jährige, der mit seiner Frau für die neue Stelle nach Bergdietikon umgezogen ist. «In meinen vorherigen Stellen als Schulleiter war ich für alles zuständig. Jetzt geniesse ich es, mich auf alles Pädagogische konzentrieren zu können.»

Und Isenmann ergänzt: «Das Herz der Schule ist die Pädagogik. Das ist unser Kerngeschäft und muss immer mindestens die Hälfte unserer Aufmerksamkeit haben, sonst drängt sich das Organisatorische und Administrative immer vor und übernimmt dann schnell die Oberhand.»

Gunst der kurzen Wege

Mit ihren 460 Schülern sei die KSM eine «eher kleine Schule mittlerer Grösse», sagt Isenmann. Real-, Sekundar- und Bezirksschule werden von 50 Lehrpersonen in 24 Klassen unterrichtet. «Die Lehrer waren bei der Umstellung vor sieben Jahren am meisten verunsichert», erinnert sich Isenmann, «da kam am Anfang oft die Frage: An wen muss ich mich nun wenden?»

Aber das habe sich schnell ergeben, denn zum Glück arbeiten die beiden Schulleiter und die Schulverwaltung direkt nebeneinander, da sind die Wege kurz. «Immer am Freitag haben wir unseren fixen Sitzungstermin, damit wir uns gegenseitig aufdatieren können. Ansonsten heisst es ganz spontan: Hast du kurz Zeit für mich . . .?» Mit ihrem kooperativ-situativen Führungsstil zeigt die Schulleitung der KSM, wie man Beziehungsarbeit fördert und für gemeinsame Ziele nutzt.