Niederwil
Reliquien und Zertifikate aus Rom im Reusspark-Museum entdeckt

In einem Schrank des Reusspark-Museums im Klostergebäude hat man in Reliquiaren 92 Knochen und Zertifikate aus dem 17./18. Jahrhundert gefunden. Die überraschenden Funde kann man am 17. Mai im Kloster Gnadenthal besichtigen.

Lukas Schumacher
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Inmitten von Bilddokumenten: Irene und Heinrich Briner begutachten ein golden glänzendes Behältnis mit Reliquien. sl

Inmitten von Bilddokumenten: Irene und Heinrich Briner begutachten ein golden glänzendes Behältnis mit Reliquien. sl

Lukas Schumacher

«Das war eine schöne Überraschung», sagt Irene Briner, die Kulturverantwortliche des Reussparks. Briner entdeckte in einem Schrank des Reusspark-Museums im Klostergebäude 92 Knochen, die in Kartonschachteln aufbewahrt waren. Fachmann Eduardo Tschachtli begutachtete die teilweise beschrifteten Reliquienfunde und bezeichnete sie als «ziemlich einmalig». Die Überbleibsel müssten konserviert und näher untersucht werden, teilte er Irene Briner mit.

Von der Erforschung erhofft man sich weitere Erkenntnisse über die Reliquienbearbeitung im Kloster Gnadenthal. Die dortigen Klosterfrauen verzierten, schmückten und arrangierten Reliquien im 17./18. Jahrhundert. Sie fertigten auch formschöne Reliquiare an, Behältnisse, in denen einzelne Gebeineteile von Heiligen und Aposteln aufbewahrt werden.

Vier nachweislich von den Nonnen hergestellte Reliquiare kann man am internationalen Museumstag vom 17. Mai im Kloster Gnadenthal besichtigen, genauso Abbildungen der im Museumsschrank entdeckten Knochenteile.

Reliquien und Setzlingsmarkt

Am internationalen Museumstag «Lebendige Traditionen» vom Sonntag, 17. Mai, öffnet der Reusspark von 10 bis 17 Uhr seine Türen sperrangelweit. Zum Thema «Reliquienverehrung» wird eine Sonderausstellung im Kreuzgang gezeigt, zudem finden Führungen um 11, 14 und 16.15 Uhr über die Reliquienfunde im Kloster Gnadenthal statt. Als muntere Auflockerung ist um 15 Uhr der szenische Rundgang «Heute gönn ich mir einen Stumpen» gedacht; Ende des 19. Jahrhunderts war das einstige Klostergebäude fast 20 Jahre lang eine Zigarrenfabrikationsstätte. Im Zeichen der neueren Reusspark-Tradition steht am Museumstag von 10 bis 17 Uhr der Saisonstart im Schau-Gewächshaus «Pro Specie Rara». Auf dem Gartenmarkt werden allerlei Setzlinge in Bioqualität verkauft. Ausserdem wird ab 10 Uhr auch das Restaurant Gnadenthal geöffnet sein. (sl)

Beglaubigte Dokumente

Kürzlich öffneten Restaurator Michael Kaufmann aus Muri und Irene Briner die vier Reliquiare des Museums sorgfältig. Sie fanden darin Authentikate aus Rom. Diese mit der Jahreszahl 1723 datierten Zertifikate bescheinigen, dass Gebeinsteile oder Gegenstände wie Kleidungsstoffe mit dem entsprechenden Heiligen oder Apostel in Berührung kamen respektive gekommen sein sollen. So mit dem Heiligen Philipp Neri, dem einstigen Ordensgründer Abt Bernhard oder den Aposteln Paulus, Petrus und Simon.

Reliquien finden sich auch im Gotteshaus. Die der Jungfrau Maria geweihte Klosterkirche Gnadenthal beherbergt Reliquien der Katakombenheiligen Justa von Sevilla. Auf einem Seitenalter der Kirche, unterhalb eines Gemäldes mit dem Abbild der Katakombenheiligen, befindet sich ein Altarschrein mit Justa-Reliquien, die einst von Gnadenthaler Nonnen geschmückt und verziert wurden.

Am 27. Januar anno 1665 erfolgte die feierliche Überführung der Katakombenheiligen von Rom ins Kloster Gnadenthal. Am 25. Januar dieses Jahres, 350 Jahre danach, fand im Reusspark eine Gedenkfeier statt, die an die feierliche Translation 1665 erinnerte. Neben Bischof Felix Gmür waren auch Schweizer Gardisten präsent. Laut Irene Briner hatte die Anwesenheit der Gardisten einen historischen Hintergrund. 1665 soll der Kommandant der Schweizer Garde, ein Verwandter der damaligen Äbtissin des Klosters Gnadenthal, die Überführung der Katakombenheiligen Justa abgewickelt haben.

Museum soll erneuert werden

Nicht alle Gnadenthaler Reliquien sind gut erhalten, einige sind gar zerbröselt. Weil man auch andere Gegenstände, insbesondere Dokumente, nicht solide konservieren kann, soll das Reusspark-Museum im Klostergebäude bald neu ausgestattet und eingerichtet werden. «Erfreulicherweise», so Irene Briner, «zeigt sich der Trägerverein Gnadenthal bereit, die Erneuerung finanziell grosszügig zu unterstützen.»

Möglichst unversehrt der Nachwelt zu erhalten wären auch einige der vielen Zinsbriefe des Klosters Gnadenthal zwischen 1600 und 1700. Das Staatsarchiv in Aarau signalisierte Interesse daran.

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