Kallern

Reise durch sieben Länder: Kultur geht durch den Magen

Prisca und Rosario Bresci ernten viele Zutaten für ihre kroatisch-italienischen Kreationen im eigenen Garten.

Prisca und Rosario Bresci ernten viele Zutaten für ihre kroatisch-italienischen Kreationen im eigenen Garten.

Am Samstagabend macht das Dorf eine kulinarische Reise durch sieben Nationen.

Die Idee, ein Festessen zu veranstalten, das die verschiedenen Kulturen, die in Kallern leben, kulinarisch vorstellt, ist bestechend einfach – und hat eingeschlagen wie eine Eisbombe. «Wir haben mit 50 oder 60 Leuten gerechnet», erzählt Gemeindeammann und Mitorganisatorin des Anlasses, Claudia Hoffmann. «Jetzt sind es 130! Wir sind also ausgebucht und überlegen schon, ob wir nicht nochmals einen solchen Abend veranstalten wollen.»

Mit «wir» meint Hoffmann sich selber und den Initiator dieses Festes, alt Gemeinderat Bernhard Scheurer. Er hatte Lust, wieder einmal einen Anlass für die Dorfbevölkerung zu organisieren. Da in Kallern viele Menschen mit Migrationshintergrund und auch Asylsuchende wohnen, fragte er Claudia Hoffmann an, ob sie ihm helfen würde, einen kulinarischen Abend zu organisieren, bei dem sich die Challerer zu leckeren Happen aus aller Welt im Dachsaal treffen könnten.

Gefragt, getan. Schnell waren sieben Köchinnen und Köche aus Kallern gefunden, die am Samstagabend, ab 19 Uhr ihre traditionellen Speisen und damit ihre Kultur präsentieren werden. Prisca Bresci etwa, die aus Kroatien stammt und Sarma kredenzen wird. Das sind Chabiswickel, gefüllt mit gehacktem Fleisch, Sauerkraut und Reis. Ihr Mann, Rosario, ist gebürtiger Italiener und liefert eine Auswahl an typischen Antipasti. «Vieles, was wir für unsere Spezialitäten brauchen, können wir direkt aus dem eigenen Garten holen», sagt Prisca Bresci voller Stolz.

Stolz ist auch Amanda Zäh; nicht nur auf ihre holländische Herkunft, sondern vor allem auf den offenen Geist und das Miteinander der Kulturen, die in Kallern vorherrschen: «Wir zeigen hier allen, dass es geht. Man muss sich halt integrieren.»

Gärten voller Miesmuscheln

Ihr Beitrag zum Multikulti-Abend ist eine holländische Muschelpfanne. «Das ist ein traditionelles arme Leute Essen. Nach einer Überschwemmung waren die Gärten in Holland voll von Miesmuscheln. Daraus wollten die Leute etwas machen.» Wie man das macht, das zeigt Zäh am Samstagabend gleich vor Ort, wenn sie die Muscheln frisch in einem Sud aus Weisswein, Gemüsen und Gewürzen zubereitet. Und auch das Dessertbuffet wird holländisch bereichert. Die Schleckerei heisst Vla, eine Art flüssiger Milch-Rahm-Pudding, der mit reichlich Hagelslag (Schokostreuseln) garniert wird.

Borsch ist in der Ukraine eine typische Vorspeise im Winter. Für diese Gemüsesuppe mit Hühnerfleisch steht Karolina Rübsamen gute zwei Stunden in der Küche. Aber ihr «Geheimrezept» mit dem von Hand in kleine Stücke gezupften Poulet, kommt aus Erfahrung gut an: «Wenn ich mit meiner 5-jährigen Tochter einkaufen gehe und sie merkt, dass ich die Zutaten für Borsch einkaufe, dann strahlt sie übers ganze Gesicht und fragt: ‹Mami, gibt’s heute Borsch...?!›» Strahlen dürften wohl alle, die am Samstag auch noch afghanisch, brasilianisch, deutsch und schweizerisch schlemmen dürfen. Wegen der grossen Nachfrage kocht Claudia Hoffmann noch einen Schmortopf aus Mainz, der Heimat ihres Mannes.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1