Freiamt
«Rehrisse haben zugenommen»: Frei laufende Hunde bleiben ein Problem

Von Anfang April bis Ende Juli gilt im Aargau für Hunde die Leinenpflicht - auch zum Schutz von Jungwild. Die meisten Halter im Freiamt halten sich daran, doch es gibt schwarze Schafe, die ihre Hunde frei laufen lassen.

Eddy Schambron
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Hunde sind im Wald und am Waldrand bis Ende Juli an der Leine zu führen, zum Schutz des Wildtiernachwuchses. (Archiv)

Hunde sind im Wald und am Waldrand bis Ende Juli an der Leine zu führen, zum Schutz des Wildtiernachwuchses. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Im Wald, am Waldrand und entlang fliessender Gewässer sind seit April bis zum 31. Juli Hunde wieder konsequent an der Leine zu führen. Mit dieser Pflicht soll ermöglicht werden, dass frei lebende Tiere ungestört brüten und ihre Nachkommen aufziehen können.

«Frei laufende Hunde im Wald sind nach wie vor ein Problem», bedauert Patrick Isler, Bezirksvertreter Muri des Aargauischen Jagdschutzvereins. Sein Kollege im Bezirk Bremgarten und gleichzeitig Kreisförster, Erwin Jansen, stellt aber immerhin fest, dass sich das Verhalten der Hundehalter im Vergleich zur Einführung des Gesetzes doch deutlich verbessert hat. «Die Mehrheit der Hundehalter nimmt die Leinenpflicht ernst.»

Zum Schutz von Jungwild

Das Gesetz ist im Aargau seit 2010 in Kraft. Es bestimmt unter anderem die Leinenpflicht vom 1. April bis 31. Juli im Wald und am Waldrand. «In der übrigen Zeit können Hunde auf Waldstrassen unter direkter Aufsicht ohne Leine geführt werden.»

Mit der Leinenpflicht werden Bodenbrüter und frisch gesetzte Jungtiere geschützt, wie Jansen erklärt. «Auch wenn es Unterschiede gibt, beispielsweise zwischen einer Jagdhundrasse und einem Familienhund, ist es doch in der Natur des Hundes, in der Gegend herumzustöbern», macht er klar.

«Auch wenn Hundehalter behaupten, dass ihr Hund es nicht mache.» Vor allem in Naturschutzgebieten, zum Beispiel in der Reussebene, könnten frei laufende Hunde die dort lebende Fauna empfindlich stören.

Schulung für Hundehalter

Neuerdings müssen angehende Hundehalter mit ihrem Vierbeiner eine Hundeschule besuchen. Dort werde die Leinenpflicht thematisiert, weiss Patrick Isler.

Im Alltag stellt er aber fest, dass diese Schule «noch nicht überall greift». Er erhofft sich aber mit der Zeit einen entsprechenden Effekt.

Zunehmend sei festzustellen, dass Hundehaltern mit zwei und mehr Hunden unterwegs seien. «Alle an der Leine zu führen wird da zur Belastung.»

Stellen Jäger einen Verstoss gegen die Leinenpflicht fest, suchen sie das Gespräch mit dem Hundehalter. «Wie überall gibt es in solchen Situationen Leute, die einsichtig sind und andere, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen und für die Anliegen des Tierschutzes wenig Verständnis aufbringen», weiss Isler.

Fehlbare können gebüsst werden. Allerdings sind weder Jäger noch Behörden nur aus dem Grund, fehlbare Hundehalter zu erwischen, im Wald unterwegs. Ganz hört die Toleranz dann auf, wenn ein Hund wildert. «Leider haben die Rehrisse zugenommen», stellt Isler fest.

Den Grund darin sieht er in der höheren Bevölkerungsdichte und damit in der grösseren Anzahl Hunde. Der Abschuss eines wildernden Hundes sei aber die letzte Massnahme. «Dann hat er das Reh bereits erwischt. Wir schiessen schon aus Sicherheitsgründen nicht einem jagenden Hund hinterher.»

Jansen macht denn auch einen gewissen Unterschied: «Mit der Leinenpflicht verhindern wir zwar auch, dass ein Reh gejagt und gerissen wird. Aber primär geht es darum, dass Wildtiere ihren Nachwuchs ungestört aufziehen können. Wenn man das den Hundehaltern erklärt, wird für die meisten die Leinenpflicht einsichtig.»

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