Ihr erstes eigenes Auto kaufte sich Regula Benz an Silvester 1980. Die junge Primarlehrerin brauchte dieses Fahrzeug dringend, denn Niederwil, wo sie ein Jahr zuvor ihre erste Anstellung gefunden hatte, «war so ein wenig am Hinterteil der Welt, vor allem, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war», erinnert sich Benz an ihre Anfänge im Freiamt. Einer der Mitbewerber um die Stelle war übrigens der heutige Gemeindeammann von Niederwil, Walter Koch. «Die haben sich dann aber für mich entschieden. Vermutlich, weil ich Blockflöte spielen konnte und er nicht», lacht die seit einem halben Jahr Pensionierte.

Als sie nach Niederwil zog, war aber nicht nur ihre Blockflöte, sondern vor allem auch ihre Geige mit im Gepäck. «Ich hatte im Lehrerseminar schon im Orchester mitgespielt», erzählt Benz, «und ich wusste, dass es da in Bremgarten auch ein Orchester gab.» Den Dirigenten der Bremgarter, Hans Zumstein, kannte Benz bereits. Er war in der Bezirksschule Wettingen ihr Singlehrer gewesen. «Gleich im Januar 1981 habe ich ihn angepeilt und seither bin ich Mitglied im Verein.»

Nach der Probe ans Buffet

An ihre erste Probe erinnert sich die 61-Jährige noch wie heute: «Ich fuhr also mit meinem neuen Auto nach Bremgarten, parkierte und fragte mich, wo denn nun wohl dieser Zeughaussaal wäre. Da sah ich einen Mann mit einem Geigenkoffer. Dem bin ich dann einfach nachgelaufen, der konnte ja nur vom Orchesterverein sein.»

In der Gesellschaft ihrer neuen Vereinskameraden fühlte sich Benz von Anfang an wohl. Viel zur guten Stimmung trage auch Dirigent Zumstein bei, sagt die passionierte Geigerin: «Er ist ein freundlicher, wohlwollender Chef. Mit seiner Art hält er das ganze Orchester zusammen. In den Proben herrscht eine gute Stimmung, und es verträgt auch mal einen Spruch.»

Immer am Montag, von 20 bis 21.45 Uhr, probt der Orchesterverein Bremgarten (OVB) im Zeughaussaal Bremgarten. Gut 40 Mitglieder umfasst der Verein aktuell. Neue Mitmusiker sind aber jederzeit willkommen. Vor allem Bässe wären sehr gesucht. «Früher gehörte es natürlich dazu, dass man nach der Probe noch zusammen in die Beiz ging», erinnert sich Benz, «aber heute kommen die Leute halt auch von weiter her in die Probe, und viele müssen ja am nächsten Tag wieder zur Arbeit.» Damit der gesellige Teil des Vereinslebens nicht zu kurz kommt, beendet der OVB aber einmal im Quartal seine Probe früher und vergnügt sich anschliessend rund ums Buffet, zu dem alle etwas beisteuern.

Dieses Jahr eine Hamburgreise

«Das Zwischenmenschliche kommt auch an unserem Probesamstag, jeweils rund einen Monat vor dem Konzert, zum Tragen», erzählt Benz. Ausserdem seien aus dem gemeinsamen Musizieren viele Freundschaften entstanden, die auch ausserhalb des eigentlichen Vereinslebens gepflegt würden. Und nicht zu vergessen: die Vereinsreisen. Dieses Jahr, zum 100. Geburtstag, leisten sich die OVB-Mitglieder einen Ausflug nach Hamburg, inklusive Besuch eines Konzertes in der Elbphilharmonie.

Das grosse verbindende Element ist und bleibt für alle OVBler aber die Musik, die sie selber machen und für die sie viel Zeit und Energie aufwenden. «Ein Bratschist reist dazu sogar aus dem Bündnerland an», betont die Geigerin, die seit ihrer Pensionierung auch selber wieder zum Geigenunterricht geht. «Das bringt mir viel, weil ich mit meiner Lehrerin auch an den Stücken arbeite, die wir im Orchester gerade einstudieren.» Zu Hause übt sie dann weiter. «Na ja», sagt sie, «schon nicht täglich, aber etwa viermal pro Woche, so eine halbe bis eine Stunde.» Ausser der Konzertmeisterin und dem Dirigenten seien sie ja alle keine Profis. Aber Hans Zumstein wähle ja auch Stücke aus, die für sie noch zu bewältigen seien.

«Ich bleibe ein Feigling»

Ans Aufhören hat Regula Benz noch nie gedacht, dafür macht ihr das Musizieren im OVB viel zu viel Freude. «Natürlich, wenn ich Probleme mit den Augen oder mit den Ohren bekäme, oder wenn sonst ein körperlicher Defekt mich daran hinderte, Geige zu spielen, dann müsste ich wohl aufhören.» Aber das ist für sie zum Glück kein Thema. Sie spielt weiter –und aus Überzeugung – die zweite Geige im Streicherregister: «Die erste Stimme ist nichts für mich. Ich bleibe ein Feigling. In der zweiten Reihe ist man weniger exponiert, das passt mir.» Diejenigen, die sich gerne exponieren, die Konzertsolisten nämlich, werden vom OVB immer projektbezogen engagiert. Wie zum Beispiel an den Geburtstagskonzerten in diesem Jahr, wo Jamin Streit (Cello), Jonas Achermann und Cristina Berg (Violinen) oder Patrik Lüscher (Blockflöte, Fagott) zusammen mit dem OVB auftreten werden. Das grosse Üben hat schon begonnen.

Geburtstagskonzerte: Sonntag, 17. März, 17 Uhr, Konzert in der Stadtkirche Bremgarten. Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr, Matinée in der Kapuzinerkirche Bremgarten. 30. November und 1. Dezember, Konzerte in der Stadtkirche Bremgarten. Weitere Informationen unter www.orchester-bremgarten.ch.