Merenschwand
Regionalpolitik wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen»

Josef Nogara hört nach 20 Jahren als Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt auf. Im Interview mit der Aargauer Zeitung blickt er auf bewegende Jahre zurück und wie er die Zusammenarbeit mit dem Kanton erlebte.

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Josef Nogara

Josef Nogara

AZ

Die Wegbeschreibung zu seinem Haus in Merenschwand passt perfekt zum 69-jährigen Josef Nogara, seit 1994 Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt:

«Auf dem Weg zu mir würde ich trotz Barriere über Benzenschwil fahren. Man begegnet auf dem Weg mehreren zukünftigen Herausforderungen der Region:

Soll der Grünraum zwischen Muri und Benzenschwil mit Gewerbebauten beidseitig der Strasse überbaut werden? Soll südlich des Kreisels ein Durchgangsplatz für Fahrende entstehen? Bleibt die Barriere auch in Zukunft bestehen oder soll der Verkehr in Muri entlastet werden? Können sich die Merenschwander den gering benützten Bahnhof noch leisten?»

Herr Nogara, wie kamen Sie zu Ihrem Amt als Präsident des Regionalplanungsverbands Oberes Freiamt?

Josef Nogara: 1994 hat mich Walter Leuthard angefragt, ob ich nicht sein Amt als Repla-Präsident übernehmen möchte. Er hat ja vier Jahre länger gemacht, als er schon nicht mehr Gemeindeammann von Merenschwand war. Wie es so ist: Er hat gesagt, das gibt keine grosse Arbeit, das ist keine grosse Sache.

Dem war dann nicht ganz so?

Ich war damals Gemeindeammann von Merenschwand. Ich merkte schnell: Das Repla-Präsidium gibt etwa gleich viel Arbeit wie das Amt des Gemeindeammanns. Am Anfang entsprach die Arbeit für die Repla einem 10- bis 15-Prozent-Pensum. In den letzten Jahren hat sie stark zugenommen. Heute reden wir mit all den neuen Aufgaben und Projekten von einem guten 50-Prozent-Pensum.

Was brachte so viel mehr Arbeit?

Einen Schub brachten das neue Baugesetz und der überarbeitete Richtplan, welcher die Repla vermehrt zu Koordinationsaufgaben verpflichtete. Man erkannte bei diesen Themen die Notwendigkeit einer regionalen Abstimmung. 2008 machte der Kanton ein Standortförderungsgesetz, mit dem er auf die Regionen zukam.

Die Replas haben so an Gewicht gewonnen?

Bestimmt. Der Kanton hat die Replas zur Mitarbeit eingeladen und entsprechende Mittel investiert. Man sah beispielsweise, dass Raumplanung und Standortförderung immer wieder Berührungspunkte haben. Es war eine gute Idee, das an die Repla zu delegieren. So hat der Kanton eine Organisation, die transparent und für diese Arbeit auch legitimiert ist.

Die Repla Oberes Freiamt ist auch selber aktiv geworden.

Man kann warten, bis vom Kanton etwas kommt, oder er mahnt, man habe etwas vergessen. Oder man kann auch selber schauen, was im Grossen Rat wichtig ist, was generell auf Ebene Regierung läuft. Wir haben Letzteres gemacht. So kamen wir hin und wieder zu einem Pilotprojekt und zu den nötigen finanziellen Mitteln. Ich selber habe mich teilweise auch noch in kantonalen Arbeitsgruppen engagiert. Das ergab gewisse Kontakte, die man wieder in der Region nutzen kann.

Sie sind in dieser Aufgabe aufgelebt?

Ja, mir hat das gefallen. Die Repla ist für mich wie zu einem Hobby geworden. Ich lernte viele Leute kennen und schätze diese persönlichen Kontakte auf der Sachebene sehr. Viel Wert legte ich darauf, mit den Gemeindeschreibern ein gutes Einvernehmen zu haben. Sie sind während der Bürozeiten ansprechbar und auch kompetent. Mit den Gemeinderäten Termine zu vereinbaren, wird immer schwieriger.

Und mit dem Kanton?

Diese Kontakte sind wichtig. Ich versuchte sie zu pflegen, nicht nur, wenn es darum ging, finanzielle Mittel abzuholen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem Kanton?

Sie ist gut. Es schadet nicht, dabei die Situation des Kantons nicht aus den Augen zu verlieren. Er hat auch Vorgaben vom Bund oder muss Beschlüsse, die der Grosse Rat fällt, umsetzen. Der Grosse Rat ist sich nicht immer der Konsequenzen seiner Beschlüsse bewusst.

Bis heute laufen bei Ihnen alle Fäden zusammen. Ist diese Effizienz auch mit der Neuorganisation - mit einer strategischen und einer operativen Ebene - gewährleistet?

Die Geschäftsstelle trennt Wichtiges und weniger Wichtiges. Das Wichtige geht zum neuen Präsidenten, Pius Wiss aus Dietwil, und dann zum Vorstand zur Beschlussfassung. Das andere wird von der Geschäftsstelle erledigt. Das ist ähnlich wie die Arbeitsteilung zwischen Gemeindeammann und Gemeindeschreiber.

Die Repla Oberes Freiamt ist sehr kommunikativ und offen. Ist das berechnende Absicht von Ihnen oder entspricht das einfach Ihrer Arbeitsweise?

Das war sicher eine Mischung. Ich finde, wir machen eine Arbeit, die sich nicht zu verstecken braucht. Unsere Arbeit wird nur getragen, wenn man sie nach aussen kundtut und sie dort wahrgenommen werden kann. Wichtig ist auch, dass die Gemeinden bei Informationen nach aussen immer schon orientiert und einbezogen sind.

Die Erfahrungen damit waren gut?

Ja. Man muss eine klare Strategie haben, muss offen sein, die Leute müssen das Vertrauen haben. Hat man das Vertrauen, hat man auch die Akzeptanz. Aber es hat sich natürlich auch gezeigt: Je mehr man nach aussen tritt, je mehr kommen die Leute auch mit Fragen auf uns zu.

Die Oberfreiämter Repla hat sich in den letzten Jahren als sehr innovativ und zukunftsorientiert gezeigt. Wie kommt das in Aarau und bei den Nachbar-Replas eigentlich an?

Wenn wir uns wehren, aktiv sind, dann haben wir den Vorteil, dass man uns hört. In Aarau wissen sie schon, wer wir sind da oben und dass wir manchmal etwas Gas geben. Unsere Konstellation ist zudem anders als die der Nachbar-Replas. Unser Gebiet grenzt an die sehr aktiven Wirtschaftskantone Luzern und Zug. Das zwingt uns dazu, Schritt zu halten nach dem Motto: Wir wollen agieren und nicht reagieren. Unsere Aktivitäten sind wesentlich beeinflusst durch unsere spezielle geografische Lage.

Und bei den Gemeinden, ist da der regionale Gedanke verankert?

Das ist sicher so. Aber wir müssen uns immer wieder bewusst werden beziehungsweise überlegen, in welchen Bereichen die Region aktiv sein muss und in welchen Lösungen auf Gemeindeebene angestrebt werden sollen. Eine aktive Arbeit für die Region muss auch für die Gemeinden etwas bringen, und das kann man natürlich nicht immer in Franken und Rappen beziffern.

Welches sind heute die vordringlichsten regionalen Themen?

Sie reichen vom Wohnen im Alter über Siedlungsentwicklung und Wirtschaftsförderung bis zur Landschaftspflege. Entsprechend haben wir in der Repla Kommissionen und Fachgruppen, die sich vertieft mit diesen Themenbereichen auseinandersetzen.

Hat sich die Repla in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert?

Früher lief vieles bedächtiger, der Zeithorizont für Überlegungen war grösser. Die Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft sind heute schneller und kurzfristiger. Dazu kommt eine wahre Informationsflut. Man kann gar nicht mehr so weit in die Zukunft denken, wie man möchte, man ist absorbiert mit aktuellen Fragestellungen.

Welchen Stellenwert wird die Repla in der Zukunft haben?

Ich bin überzeugt, dass die Regionalpolitik noch an Bedeutung gewinnen wird. Dabei ist die Akzeptanz der Gemeinden sehr wichtig. Deshalb muss man die Gemeinden gut in diese Arbeit integrieren.

Sie gewinnen jetzt mehr Freizeit. Wird es Ihnen langweilig ohne das Repla-Präsidium?

Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin ja immer noch in der Geschäftsstelle tätig. Aber der Vorstand bestimmt die Richtung. Ich werde dafür mehr wandern und mit dem Velo unterwegs sein. Und es gibt da den einen oder anderen Stammtisch, der mit interessanten Gesprächspartnern lockt.