Muri
Regionalplaner sprachen vor 50 Jahren über eine Schnellstrasse im Freiamt

Schon im Gründungsjahr befasste sich der Vorstand des Regionalplanungsverbands Oberes Freiamt mit Verkehrsfragen. Auch andere Projekte wie die Freiämter Kehrichtverbrennungsanlage konnten realisiert werden.

Eddy Schambron
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Josef Nogara war 20 Jahre lang Präsident der Repla Oberes Freiamt.

Josef Nogara war 20 Jahre lang Präsident der Repla Oberes Freiamt.

ES

Es gibt Themen, die bleiben in 50 Jahren die gleichen – zum Beispiel der Verkehr oder die Zonenplanung für Industrie, Landwirtschaft und Wohngebiete. Der jetzige Geschäftsführer des 50-jährigen Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt, Josef Nogara, ist in alten Dokumenten den Anfängen der Repla nachgegangen.

Die jüngere Geschichte des Verbandes kennt er selber am besten und prägte sie sogar mit: 20 Jahre leitete er als Präsident den Verband. Anfang 1964 lud die Baudirektion des Kantons Aargau die Gemeinden des oberen Freiamts zu einer Orientierungsversammlung ins Hotel Ochsen in Muri ein. Thema: Gründung einer Regionalplanungsgruppe im Bezirk Muri.

Der kantonale Verkehrsplaner zeigte den teilnehmenden Gemeinderäten auf, welche Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Verkehrsplanung bezüglich Bahn und Strasse für die Region bestehen. Die stark wachsende Motorisierung machte die Querverbindung zur Autobahn Zürich–Zug–Luzern zu einem wichtigen Verkehrsfaktor.

Verkehr schon 1964 ein Thema

Josef Nogara war ein innovationsfreudiger Präsident

Von den 50 Jahren seines Bestehens führte der frühere Merenschwander Gemeindeammann Josef Nogara den Regionalplanungsverband Oberes Freiamt. Er sei ein Visionär gewesen, würdigte der heutige Präsident Pius Wiss sein Wirken an der Jubiläumsfeier auf dem Horben. Bundesrätin Doris Leuthard lobte die Arbeit des Oberfreiämter Verbandes: Von diesem könnten «andere eine grosse Scheibe abschneiden.» Heute ist Nogara als Geschäftsführer tätig.

Tatsächlich hat sich der Regionalplanungsverband unter seiner Führung nicht gescheut, auch heisse Eisen anzupacken. So zeigte beispielsweise reine Zukunftsvision «einen möglichen, visionären Denkansatz für eine neue Gemeindestruktur» mit nur noch vier Gemeinden (Boswil, Merenschwand, Muri, Sins) auf. Es wurde unter anderem ein Regionales Entwicklungskonzept erarbeitet, der Verband war bei der Suche nach Deponiestandorten für sauberes Aushubmaterial engagiert oder begleitet gegenwärtig das möglicherweise zukunftsweisende Windparkprojekt auf dem Lindenberg. (es)

Am 13. Februar 1964 erfolgte die Gründungsversammlung der Regionalplanungsgruppe Oberes Freiamt im «Ochsen». An der ersten Vorstandssitzung der Repla wurde unter anderem die vom Kanton in Aussicht gestellte Führung einer Expressstrasse diskutiert. Der stark wachsende Verkehr sollte in zwei Sammelstrassen durchs Freiamt und durchs Säuliamt geführt werden.

Zudem sollten die bestehenden Querverbindungen nach Bedarf ausgebaut werden. Die Linienführung hätte nach Boswil allgemein Richtung Murimoos, Wili, Türmelen, Schützenhaus Merenschwand, Weidhof Richtung Schoren entlang der Reuss geführt. Die neue Verbindung wäre vor Reussegg in die bestehende Strasse eingemündet.

Tanklager-Pläne begraben

Ebenso abenteuerlich muten heute die Überlegungen für eine Kehrichtverbrennungsanlage im Raum Wohlen oder die Schaffung eines Tanklagers in Benzenschwil an. Die Gemeindedeponieplätze waren bald aufgefüllt, und da eine Kehrichtverbrennungsanlage im Raum Wohlen erst in etwa zehn Jahren zu realisieren gewesen wäre, galt es, Übergangslösungen zu studieren: Anschluss an das Werk Aarau, an jenes in Zwillikon oder Zug oder Anlagen von Grossdeponieplätzen für das ganze obere Freiamt ausserhalb von Grundwasservorkommen.

Doch genauso wenig, wie die Freiämter Kehrichtverbrennungsanlage realisiert wurde, kam das Tanklager in Benzenschwil im Buechliwald, direkt angrenzend an die SBB-Südbahnlinie, zustande. Nach heftigen politischen Auseinandersetzungen wurde der Standort eines Tanklagers schliesslich aufgegeben. Die Befürworter hatten übrigens propagiert, dass das Löschwasserbecken als Schwimmbad für die Gemeinden Benzenschwil, Beinwil und Mühlau genutzt werden könnte.

Dafür gab der Bundesrat nach heftigen politischen Diskussionen sowie juristischen Verfahren und gegen den Willen des Kantons grünes Licht, den Flugplatz Buttwil mit einer Rasenpiste zu bauen.

Einflussreiche Persönlichkeiten

Der Regionalplanungsverband wurde immer von einflussreichen Persönlichkeiten geführt. Von 1964 bis 1971 war es Leo Weber, Fürsprecher und Grossrat, später Regierungsrat aus Muri, von 1972 bis 1988 Marco Hauser, Gemeindeammann von Muri. Von 1978 bis 1993 präsidierte der Merenschwander Gemeindeammann Walter Leuthard den Verband, anschliessend bis 2013, also 20 Jahre lang, sein Nachfolger, Josef Nogara. Seit 2014 ist der Dietwiler Gemeindeammann Pius Wiss Präsident.

Besonders lange im Vorstand hielt es den früheren Hermetschwiler Gemeinderat Eduard Christen: Er war Gründungsmitglied und 41 Jahre engagiert. Die anderen waren, wohl je nach eigener Amtsdauer in ihren jeweiligen Gemeinden, zwischen vier und 16 Jahren im Vorstand aktiv.