Oberes Freiamt
Regionales Raumkonzept: Die Region will fit sein für die Zukunft

Abgeordnete der 19 Gemeinden genehmigen die Ausarbeitung des regionalen Raumkonzeptes.

Eddy Schambron
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Wohnen und Arbeiten sind, wie hier in Boswil, nahe beieinander. Es gilt, den dafür vorhandenen Raum in Zukunft noch besser zu nutzen.

Wohnen und Arbeiten sind, wie hier in Boswil, nahe beieinander. Es gilt, den dafür vorhandenen Raum in Zukunft noch besser zu nutzen.

Eddy Schambron

Es geht darum, als Region die Herausforderungen der Zukunft zu erkennen und zu meistern. Der Präsident des Regionalplanungsverbandes (Repla) Oberes Freiamt, Pius Wiss aus Dietwil, fasste das Hauptthema der Abgeordnetenversammlung in Kallern schon in der Begrüssung zusammen. «Nicht jede Gemeinde kann alles allein auf dem eigenen Gebiet machen». Deshalb hat der Verband ohne Gegenstimme die Erarbeitung des regionalen Raumkonzeptes beschlossen und einen entsprechenden Kredit von brutto 60 000 Franken gesprochen; die Hälfte davon übernimmt der Kanton.

Der Kantonale Richtplan steckt den grossen Rahmen und ist behördenverbindlich. Er skizziert, wie sich der Kanton bis 2040 entwickeln kann und soll. In diesem Kontext ist einerseits die Strategie Arbeitsplätze im Oberen Freiamt und das Regionale Raumkonzept mit einem Zeithorizont bis 2040 angesiedelt, wie Barbara Gloor von der Metron AG, Brugg, ausführte. Bis 2040 wird die Bevölkerung im oberen Freiamt um rund 30 Prozent gewachsen sein.
Ebenso sollte die Zahl der Beschäftigten entsprechend ansteigen. Die regionale Vision, Arbeitsplätze möglichst in der Region zu behalten und auszubauen, soll mit einer entsprechenden Strategie verwirklicht werden. Vorhandene Unternehmen sollen gestärkt, neue Firmen angesiedelt werden. Das verlangt nach guten Rahmenbedingungen, nach innerer Verdichtung in den Gewerbe- und Industriezonen und nicht zuletzt nach einem entsprechenden Bewusstsein für die Thematik in der ganzen Region.

Mit bestehenden Flächen

Eine Ausweitung von Flächen in den Gemeinden sowohl für das Arbeiten als auch für das Wohnen ist mit dem kantonalen Richtplan kein Thema. «Es gilt, das Potenzial im bestehenden Siedlungsraum zu erfassen und die Entwicklungsschwerpunkte zu konkretisieren», führte Gloor aus. Das wird nun mit dem regionalen Raumkonzept angepackt mit dem Ziel, es im 2018 zu verabschieden. Die Repla Oberes Freiamt fängt dabei nicht bei null an – im Gegenteil.
Mit dem Regionalen Entwicklungskonzept (REK) von 2010 haben die 19 Gemeinden bereits Schwerpunkte der regionalen Standortförderstrategie festgelegt. Mit dem Regionalen Raumentwicklungskonzept werden das Zukunftsbild für die aufstrebende Region in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit entworfen sowie Grundlagen erarbeitet, die nicht nur für die Entwicklung und Steigerung der räumlichen Lebensraumqualität nützlich, sondern ebenso für die Nutzungsplanungen der Gemeinden und für Stellungnahmen der Repla dienlich sein können. «Wir zeigen auf, was auf uns zukommt und bereiten uns vor, damit wir auf die Entwicklung reagieren können.»

Eine von vier Asylregionen

Asylbewerber sollen künftig vermehrt in grösseren Unterkünften anstatt in einzelnen Wohnungen gleichmässig im ganzen Kanton verteilt werden. Dazu werden vier Asylregionen geschaffen. Die Repla haben dabei die Aufgabe als Bindeglied zwischen dem Kanton und den Gemeinden zu wirken, wie Wiss ausführte.
Die Repla Oberes Freiamt wird sich deshalb zu Gesprächen mit den Partnerverbänden Unteres Bünztal und Mutschellen-Rohrdorferberg treffen. Genehmigt wurden an der Abgeordnetenversammlung der unveränderte Gemeindebeitrag von Fr. 3.50 pro Einwohner, die Rechnung 2015 und das Budget 2016. Die Kommissionen Landschaft, Wirtschaft, öV und Fachgruppe Alter legten ihre Jahresberichte und Arbeitsprogramme vor.

Innenentwicklung

Dialog auf Augenhöhe wichtig

Der Kanton Aargau wird 2040 rund 190 000 Einwohner mehr haben als heute. Diese wollen und müssen irgendwo leben und arbeiten. In seinem Referat «Der Weg zu einer hochwertigen Innenentwicklung gemäss Richtplan» zeigte Michael Rothen, Leiter Regional- und Ortsplanung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt auf, wie sich der Kanton dieser Herausforderung stellen will. Das Wachstum wird unterschiedlich sein: Es wird mit 42 Prozent in urbanen Entwicklungsräumen gerechnet, mit 22 Prozent in Kernstädten, 9 Prozent in ländlichen Zentren und der Rest auf dem Land. «Die Reserven sind knapp, die Innenentwicklung wichtig. Sie soll aber hochwertig erfolgen», betonte Rothen. Allein durch die Nutzung von vorhandenen Reserven könnten die Bedürfnisse des Wachstums zu 55 Prozent abgedeckt werden, ein Drittel durch Innenentwicklung. Rothen betonte, Entwicklungen verstärkt regional zu betrachten und machte auf die Möglichkeit aufmerksam, zwischen Gemeinden Siedlungsgebiete umzulagern, wenn das Ergebnis besser wird.
Für den Kanton seien bei der Umsetzung der kantonalen Richtplanung starke Regionen und Gemeinden wichtig. «Es braucht den Dialog auf Augenhöhe.» Mit dem Entschluss zur Erarbeitung des regionalen Raumkonzeptes habe die Repla Oberes Freiamt bereits einen Meilenstein gesetzt, sie habe auch schon vorher mit ihren Planungen frühzeitig Verantwortung übernommen. (es)