Regierungsrat fordert Verkabelung

Bund will Starkstromleitung Niederwil–Obfelden oberirdisch führen. Aargauer Regierungsrat lehnt das ab.

Andrea Weibel
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Die Starkstromleitungen sollen unter die Erde.

Die Starkstromleitungen sollen unter die Erde.

Bild: Archiv/Alex Spichale

Der Regierungsrat fordert, dass die 220-kV-Leitung zwischen Niederwil und Obfelden durch eine unterirdisch geführte 380-­­kV­-Leitung entlang der bestehenden Strecke ersetzt wird. Das dürfte die Gemeinden im Bünz- und Reusstal freuen. Sie haben sich mehrfach für eine unterirdische Verkabelung eingesetzt und fühlten sich betrogen, als der Bund im Dezember seine Variante vorstellte: eine Freileitung, die lediglich zwischen Rottenschwil und Ottenbach, wo die Reuss überquert werden muss, als unterirdische Verkabelung geführt werden soll. Letzteres, weil das Reusstal als Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN) gilt.

Gemeinden vom Bund nicht ernst genommen

Von vorne: Die 220-kV-Leitung soll zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue 380-kV-­Leitung ersetzt werden. Die Planungen dazu laufen seit 2006. Ein erstes Projekt wurde 2012 zurückgezogen, nicht zuletzt aufgrund des grossen Widerstands der Gemeinden. Nun führt das Bundesamt für Energie (BFE) ein Sachplanverfahren durch. 2016 wurde in der ersten Phase das Planungsgebiet festgesetzt. In der aktuellen, zweiten Phase geht es darum, den Planungskorridor einzugrenzen und die Übertragungstechnologie festzusetzen. Unter anderem geht es um die Frage: oberirdisch oder unterirdisch?

Der Regierungsrat unterstützt die Absicht, die Leitungen entlang der bestehenden Strecke zu führen. Dagegen lehnt er die Teilverkabelung ab und fordert eine Vollverkabelung. «Diese Haltung haben die Vertreter des Kantons bereits in der Begleitgruppe für die zweite Phase des Sachplanverfahrens vertreten, sie wurde aber nicht berücksichtigt», schreibt der Kanton. Die Variante Vollverkabelung würde aus Sicht des Regierungsrats sowohl die Interessen des Bundes (Schutz des BLN-Gebiets), der Gemeinden (Entlastung der Siedlungs- und Naherholungsräume) und des kantonalen Richtplans abdecken. Der Richtplan sieht vor: Übertragungsleitungen sind unterirdisch anzulegen, soweit dies technisch und ökologisch sinnvoll sowie finanziell tragbar ist.

Sollte sich die Vollverkabelung dennoch als unverhältnismässig erweisen, beantragt der Regierungsrat als erste Variante die Weiterführung der unterirdischen Kabelstrecke von der Reuss mindestens bis Besenbüren und Hermetschwil-Staffeln. «Damit könnten zumindest die im BLN-Gebiet liegenden Gemeinden von den positiven landschaftlichen Auswirkungen einer Verkabelung profitieren.» Sollte auch das nicht gehen, fordert er eine Teilverkabelung vom Unterwerk Niederwil bis und mit Fischbach-Göslikon.

Kanton verlangt Antworten vom Bund

In der Stellungnahme stellt der Regierungsrat weitere Anträge. Unter anderem soll das BFE Fragen beantworten. «Insgesamt geht es darum, die Grundlagen besser aufzuzeigen, welche zum Entscheid des BFE geführt haben, beispielsweise zur Zusammensetzung der Kosten, zu den Möglichkeiten einer Verkabelung oder zu nicht nachvollziehbaren Argumenten, die gegen eine Verkabelung bei Siedlungsgebieten sprechen», heisst es. So sollen «die Akzeptanz erhöht, eine nachvollziehbare Interessenabwägung unterstützt und die Planungs- und Rechtssicherheit aller Beteiligten verbessert werden».