Reusstal

Regierungsrat fordert unterirdische Starkstromleitung auf ganzer Strecke – anders als der Bund

Kanton fordert, dass die Starkstromleitung Niederwil-Obfelden komplett unter den Boden kommt.

Kanton fordert, dass die Starkstromleitung Niederwil-Obfelden komplett unter den Boden kommt.

Der Bund will den Hauptteil der Starkstromleitung Niederwil-Obfelden oberirdisch führen. Der Aargauer Regierungsrat lehnt diese Variante ab und nimmt damit die Anliegen der Gemeinden ernst.

Der Regierungsrat fordert, dass die bestehende 220-kV-Leitung zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue, vollständig unterirdisch geführte 380-kV-Leitung entlang der bestehenden Übertragungsleitung ersetzt wird.

Das dürfte die Gemeinden im Bünz- und Reusstal sehr freuen, denn sie haben sich mehrfach für eine unterirdische Verkabelung eingesetzt und fühlten sich betrogen, als der Bund im Dezember seine Variante vorstellte: eine überirdische Freileitung, die lediglich zwischen Rottenschwil und Ottenbach, wo die Reuss überquert werden muss, als unterirdische Verkabelung geführt werden soll. Letzteres aber auch nur, weil das Reusstal als Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN) gilt.

Bund nahm Anliegen der Gemeinden nicht ernst

Von vorne: Die bestehende 220-kV-Leitung soll zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue 380-kV-Leitung ersetzt werden. Die Planungen dazu laufen seit 2006. Ein erstes Projekt wurde 2012 von Swissgrid zurückgezogen, nicht zuletzt aufgrund des grossen Widerstands der Gemeinden.

Nun führt das Bundesamt für Energie (BFE) ein Sachplanverfahren durch. 2016 wurde in der ersten Phase das grossräumige Planungsgebiet für die Starkstromleitung festgesetzt. In der aktuellen, zweiten Phase des Verfahrens geht es darum, den Planungskorridor enger einzugrenzen und die Übertragungstechnologie festzusetzen. Unter anderem geht es um die Frage, ob die Leitung oberirdisch oder mit einer unterirdischen Verkabelung geführt werden soll.

Der Regierungsrat unterstützt die Absicht, die Leitungen entlang der bestehenden Leitungsstrecke zu führen. Dagegen lehnt er den Teilverkabelungsvorschlag ab und fordert stattdessen eine Vollverkabelung auf der gesamten Strecke. „Diese Haltung haben die Vertreter des Kantons bereits in der Begleitgruppe für die zweite Phase des Sachplanverfahrens vertreten, sie wurde aber nicht berücksichtigt“, schreibt der Kanton. Die Variante Vollverkabelung würde aus Sicht des Regierungsrats sowohl die Interessen des Bundes (Schutz des BLN-Gebiets), der betroffenen Gemeinden (Entlastung der Siedlungs- und Naherholungsräume) und des kantonalen Richtplans abdecken. Der Richtplan sieht vor: Übertragungsleitungen sind unterirdisch anzulegen, soweit dies technisch und ökologisch sinnvoll sowie finanziell tragbar ist.

Kanton verlangt Antworten vom Bund

Sollte sich die Vollverkabelung auch nach vertiefter Prüfung als unverhältnismässig erweisen, beantragt der Regierungsrat als erste Variante die Weiterführung der unterirdischen Kabelstrecke von der Reuss mindestens bis Besenbüren und Hermetschwil-Staffeln. „Damit könnten zumindest die im BLN-Gebiet liegenden Gemeinden von den positiven landschaftlichen Auswirkungen einer Verkabelung profitieren“, heisst es in der Stellungnahme. Sollte auch das nicht gehen, fordert der Regierungsrat die Prüfung einer Teilverkabelungsstrecke vom Unterwerk Niederwil bis und mit Fischbach-Göslikon.

In seiner Stellungnahme stellt der Regierungsrat weitere Anträge. Unter anderem soll das BFE verschiedene technische Fragestellungen beantworten. „Insgesamt geht es darum, die Grundlagen besser aufzuzeigen, welche zum Entscheid des BFE geführt haben, beispielsweise zur Zusammensetzung der Kosten, zu den Möglichkeiten einer Verkabelung oder zu nicht nachvollziehbaren Argumenten, die gegen eine Verkabelung bei Siedlungsgebieten sprechen“, heisst es.

Der Regierungsrat hat in seiner Stellungnahme die Anliegen der Region und der betroffenen Gemeinden aufgenommen.  „Er ist überzeugt, dass mit der Beantwortung der offenen Fragen und der Ergänzung der Unterlagen die Akzeptanz erhöht, eine nachvollziehbare Interessenabwägung unterstützt und die Planungs- und Rechtssicherheit aller Beteiligten verbessert werden.“

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